Bronzehand von Prêles: Wurde das Grab geplündert?

Prêles

Aus dem Grab, in dem man eine 3500 Jahre alte Bronzehand gefunden hatte, wurden offenbar weitere Gegenstände entwendet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Grabräuberei.

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Am Dienstag verbreitete der Archäologische Dienst des Kantons Bern die spektakuläre Meldung: Zwei Privatpersonen hätten auf dem Plateau de Diesse die wohl älteste Bronzeplastik Europas entdeckt. Die beiden hätten dem Archäologischen Dienst eine Bronzehand mit Goldarmband sowie einen Dolch und eine menschliche Rippe ausgehändigt.

Die Berner Archäologen stellten daraufhin Nachgrabungen an, wobei sie auf die Knochen eines erwachsenen Mannes stiessen. Ausserdem fanden sie eine bronzene Gewandnadel und eine bronzene Spirale, die als Haarschmuck diente. Ein Finger, der an der Bronzehand gefehlt hatte, bestätigte den Experten klar, dass der Fund wirklich von Plateau de Diesse stammt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Wie «Schweiz aktuell» am Dienstagmittag berichtete, stiessen die Archäologen bei aber am Fundort auf Hinweise, dass sich in dem Grab noch weitere Bronzegegenstände befunden haben mussten. Auch wies der Fundort Löcher auf, welche durch erneute Bodeneingriffe entstanden sein mussten.

Weil diese Gegenstände bisher unauffindbar sind, hat die Berner Staatsanwaltschaft nun offenbar ein Strafverfahren wegen Grabräuberei eröffnet. Einer der beiden Finder bestätigt gegenüber SRF, dass die Polizei gegen ihn ermittle und eine Hausdurchsuchung durchgeführt habe. Er weise jede Schuld von sich.

Unikat aus der Bronzezeit

Das Alter der Bronzehand wurde mittels Radiokarbondatierung in die Zeit von 1500 bis 1400 v. Chr. datiert. Die Hand dürfte also bis zu 3500 Jahre alt sein. Auch der pflanzliche Klebstoff wurde analysiert, mit dem das Goldblech an der Hand befestigt wurde. Die Analyse der Rippe erbrachte ein knapp hundert Jahre jüngeres Datum. Beide Daten passen zeitlich zum Dolch.

Fachleuten aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich sind gemäss Archäologischem Dienst des Kantons Bern keine ähnlichen Plastiken aus der Bronzezeit aus Mitteleuropa bekannt. Die Hand von Prêles ist bislang die weitaus älteste Bronze in der Form eines menschlichen Körperteils.

Ob die Hand in der Region hergestellt wurde oder ob sie aus einem fernen Gebiet stammt, muss vorerst offen bleiben. Ebenso wenig wissen die Archäologen, welche Funktion und Bedeutung sie hatte.

Das Goldblech weist sie als Machtsymbol und als Zeichen einer gesellschaftlichen Elite oder womöglich einer Gottheit aus. Der hohl gegossene Armansatz deutet darauf hin, dass die Hand ursprünglich auf einem Gegenstand montiert war – vielleicht ein Teil eines Zepters oder einer Statue.

Ehrenamtliche «Schatzsucher»

Für die Wissenschaft sind Amateur-Schatzjäger Segen und Fluch zugleich. Zum einen ergibt sich daraus die Problematik der Raubgrabungen, zum anderen aber ist die Wissenschaft aber auch auf Funde von Amateuren angewiesen.

«Viele bedeutende Entdeckungen der Archäologie erfolgten zufällig oder durch Amateure», führte Kantonsarchäologe Adriano Boschetti aus. Viele archäologische Fachstellen in den Kantonen seien heute für den Schutz und die Pflege von Kulturgut verantwortlich. Da bleiben kaum Ressourcen, um aktiv nach Funden zu suchen.

«Wir vertreten die Haltung, was im Boden ist, kann im Boden bleiben, sofern es nicht akut gefährdet ist», betonte Boschetti. Aus diesem Grund suche der Archäologische Dienst auch die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern.

Das Graben sei im Kanton Bern aber streng geregelt und es brauch dazu eine Bewilligung. Für die Forscher steht auch nicht die «Schatzjagd» im Vordergrund, im Gegenteil: für sie ist der Fundkontext ebenso wichtig. Denn er erzählt oft sehr viel über die Lebensweise unserer Vorfahren.

Die Hand von Prêles kann bis am 14. Oktober 2018 im Neuen Museum Biel besichtigt werden.

ske/sda

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