Blühendes Geschäft mit den Samenbomben

Bern

Aus Freude am städtischen Gärtnern begannen sie vor anderthalb Jahren, Wurfkugeln aus Lehm und Pflanzensamen herzustellen. Heute beliefern Raphael Corneo und Severin Bartholdi aus Bern damit vierzig Läden in der ganzen Schweiz.

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Christoph Albrecht

Sie sind klein, rund und sehen ein bisschen aus wie zu gross geratene Pralinés: die sogenannten Seedballs – handgerollte Kugeln aus Erde, Lehm und Saatgut. Bewirft man damit triste Stadtflecken, braucht man nur noch auf den nächsten Regen zu warten – und aus den Kugeln spriessen blühende Pflanzen.

Trend aus den USA

In amerikanischen Metropolen wie New York oder San Francisco begrünen Hobbygärtner mit den Samenbomben bereits seit Jahren graue Industriezonen. Vor rund anderthalb Jahren haben Raphael Corneo (30) und sein Kumpel Severin Bartholdi (28) den Urban-Gardening-Trend nach Bern geholt – allerdings eher per Zufall. «Die ersten Seedballs bastelten wir damals zum Spass als Geschenk für einen Freund», sagt Raphael Corneo.

Aus Spass wurde Ernst und aus dem Geschenk schliesslich eine Geschäftsidee: Die beiden gründeten das Label Gorilla Gardening, machten sich im Internet über die richtige Zusammensetzung der Kugeln schlau und begannen kurz darauf in der heimischen Stube mit der Produktion. «Bereits nach kurzer Zeit wurden wir mit Bestellungen überrannt», sagt Severin Bartholdi.

20'000 Stück produziert

Tagsüber gingen sie weiterhin ihrer Arbeit nach, am Abend und am Wochenende rollten sie Seedballs. Alleine in ihrem ersten Geschäftsjahr 2014 produzierten sie 20000 Stück – und stiessen damit bald an ihre Grenzen: «Irgendwann wurde es zu Hause vor lauter Lehmsäcken und Staub unzumutbar.»

Seit Anfang Jahr sind die beiden nun in einem Atelier im Liebefeldquartier eingemietet. Von dort aus beliefern sie mittlerweile vierzig Händler in der ganzen Schweiz. Zu ihren Kunden gehören nebst Läden wie etwa dem Berner Kitchener auch Firmen und Hochzeitspaare, welche die Kugeln als persönliche Give-aways verwenden wollen.

Für ein Säckchen mit fünf Seedballs verlangen Corneo und Bartholdi 16 Franken, die angebotenen Sorten reichen von Mohn über Kräuter bis hin zu Sonnen- und Wildblumen. Hie und da werde auch mal nach Hanf gefragt. «Entsprechende Seedballs sind aber keine geplant», sagt Bartholdi schmunzelnd.

Auch ohne Hanf im Angebot kann sich das Duo über ein blühendes Geschäft freuen: «In guten Monaten können wir davon leben», sagt Corneo, der das Pensum seines bisherigen Jobs unlängst auf 20 Prozent reduziert hat. Das Sortiment von Gorilla Gardening wächst stetig an: Nebst Seedballs stellen die Gartenpiraten aus Bern mittlerweile auch Seedpills her – Kapseln aus Zellulose, gefüllt mit Erde und Saatgut.

Sie seien sozusagen die kleinen Brüder der Seedballs. Mit dem sogenannten Seedpaper haben die zwei Freunde vor kurzem zudem ihr neustes Produkt lanciert: Die von lokalen Grafikern gestalteten Karten aus Samenpapier dienen nicht nur als Wanddekoration oder Postkarten, sondern lassen sich – wie könnte es auch anders sein – ebenfalls pflanzen.

Das spriessende Papier dürfte nicht der letzte Wurf von Corneo und Bartholdi gewesen sein. Bereits seien weitere Produktideen am Gedeihen.

Ab 1. April geht der Gartenblog der Berner Zeitung in die neue Saison.

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