Biberfamilie aus dem Marzili fällt Bäume

Bern

An der Aarstrasse in Bern zieht derzeit ein angenagter Baum, der jederzeit zu kippen droht, die Blicke der Passanten auf sich. Am Werk sind Max und seine Biberfamilie aus dem Marzili.

  • loading indicator
Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Da hat sich aber jemand ordentlich zu schaffen gemacht an den beiden Bäumen, die direkt am Aareufer hinter dem kleinen Park neben der Dalmazibrücke stehen. Besonders einer der Stämme ist kräftig bearbeitet worden und es sieht ganz danach aus, als ob er bald in die Aare stürzen würde.

Es sind die Spuren der Biberfamilie, die ihren Bau im Marzilibad hat. Bekanntheit erlangte die Familie im Sommer 2013, als das Jungtier Max aus dem Aare-Rechen des EWB-Kraftwerks in der Matte gerettet werden musste.

«Bereits Mitte Dezember haben wir die erste Meldung vom Unterhalt zur angenagten zweistämmigen Esche an der Aarstrasse erhalten und beobachten sie seither täglich», so Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie bei der Stadtgärtnerei.

Biberkonzept der Stadt Bern

Da der Biber eine geschützte Tierart und Teil der einheimischen Biodiversität ist, wird er von der Stadt toleriert. Bern hat sogar als erste Stadt in der Schweiz ein Biberkonzeptentwickelt. Zur Vermeidung von Schäden unter anderem durch Baumfrass hat die Stadt Bern der Nagerfamilie 2013 einen Toleranzraum zugewiesen, wo Dämme toleriert werden. In diesem Bereich werden einerseits Weidenstecklinge gesetzt, um das Nahrungsangebot zu vergrössern, und gleichzeitig erhaltenswerte öffentliche Bäume mit Drahtgeflecht geschützt.

Warum lässt die Stadt die Biberfamilie im Rahmen des Toleranzbereichs an der Esche an der Aarstrasse gewähren? «Die meisten Bäume haben wir aus gestalterischen Gründen oder wegen der Ufersicherheit eingepackt, einige aber absichtlich nicht geschützt, weil der Biber gerade im Winter auf Bäume angewiesen ist», sagt Tschäppeler. So werde die Esche, wenn sie schliesslich in die Aare fällt, aus dem Fluss gezogen und am Ufer deponiert.

Nicht der erste angenagte Baum

Die Esche ist nicht der erste Baum am Aareufer, an dem sich die Biber so richtig ausgetobt haben. So hat Christof Angst von der Biberfachstelle des Bundesamtes für Umwelt mit einer Fotofalle, die zur Beobachtung der Biber aufgestellt wurde, Anfang Januar Bilder eingefangen, wie sich die Biber an einem Baumstamm zu schaffen machen, der schliesslich in die Aare kippt (siehe Video unten).

Vermutlich hat die Biberfamilie sogar Verstärkung, bzw. Zuwachs bekommen. «Aus der Vergrösserung des Baus schliesse ich, dass sie wieder Nachwuchs gekriegt haben. Aber auf den Aufnahmen ist es schwierig zu sehen, ob es Max, geboren 2013, oder sein neues Geschwister, geboren 2014, ist», so Angst.

Die Berner scheinen sich an den angenagten Bäumen keineswegs zu stören. Im Gegenteil: Die meisten Leute hätten Freude, dass man an den Bäumen sieht, dass der Biber in der Stadt wohnt, so Angst. «Und wären wir in England, würden die Leute wohl Wetten darauf abschliessen, wie lange es noch dauert, bis die Biber den Baum gefällt haben.»


Quelle: Youtube.com/Christof Angst

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt