Biberbau braucht eine Bewilligung

Kehrsatz

Das Hochwasserschutzprojekt an der Gürbemündung in Kehrsatz bedrängt gleich acht Biber. Darum erhalten sie einen künstlichen Bau.

In diesem Video des BZ-Fotografen Beat Mathys sehen Sie, wie ein Biber in in Halten/SO einen Baum fällt. Üblicherweise «überlassen» Biber das abschliessende Fällen der Bäume dem Wind.

Johannes Reichen

Eine Biberfamilie lebt derzeit im Gebiet Selhofen Zopfen nördlich von Kehrsatz. Sie haust an der Giesse, die dort in die Gürbe und kurz darauf in die Aare mündet. Bald gibt es aber keinen Platz mehr für die zwei Elterntiere und die sechs Jungen. Darum nimmt sich nun Pro Natura Bern der Nager an.

Die Naturschutzorganisation will am Gürbeufer zwei künstliche Biberbaue errichten, wenige Hundert Meter vom aktuellen Standort entfernt. Pro Natura braucht dafür eine Baubewilligung. Das Gesuch liegt bis 3.Februar auf der Gemeindeverwaltung Kehrsatz auf.

Der Grund für das kommende Ungemach im Zuhause von Familie Biber liegt im Projekt Hochwasserschutz und Auenrevitalisierung Aare/Gürbemündung (siehe Kasten). «Erst nach der Projektierung hat man bemerkt, dass die Arbeiten auch eine Biberfamilie tangieren», sagt Projektleiter Peter Lakerveld von Pro Natura. Wegen der Verlegung des Aaredamms wird der bestehende Biberbau zerstört.

Besserer Lebensraum

Die beiden neuen Biberbaue sollen in diesem Frühling erstellt werden – noch vor der Umsetzung des Schutzprojekts. Sie liegen etwa zehn Meter auseinander und bestehen je aus einer Betonröhre, die unter Wasser liegt, sowie einem Kessel. Dort können die Biber dann ihr Nest bauen.

«Die Biber werden den neuen Bau auf ihren nächtlichen Erkundungen vermutlich rasch entdecken», sagt Lakerveld. Er zweifelt nicht daran, dass sie auch dort hausen werden. Biber seien sehr pragmatisch. Das neue Nest verbessere ihren Lebensraum. «Wir haben bisher gute Erfahrungen mit Kunstbauten gemacht.» In der Schweiz gibt es etwa 20 künstliche Bauten, die allesamt bewohnt werden.

Kameras im Biberbau

Die Kosten für die beiden Biberbaue betragen rund 35'000 Franken. Die Verantwortlichen suchen dafür nun Sponsoren. Laut Lakerveld werden in den Höhlen womöglich Kameras installiert. Damit könnten die Fachleute die Biberfamilie rund um die Uhr beobachten.

Berner Zeitung

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