Bestatter mit ungewöhnlichen Ideen

Stettlen

Valentin Graf und David Näf hatten eine unkonventionelle Geschäftsidee. Die beiden jungen Männer gründeten ein Bestattungsunternehmen. Dafür haben sie sogar ihre Haushalte aufgelöst und sind nach Stettlen gezogen.

Wollen Neues ausprobieren: David Näf,  Marianna Reinhard und Valentin Graf (von links) bieten in Stettlen unkonventionelle Bestattungen an.

Wollen Neues ausprobieren: David Näf, Marianna Reinhard und Valentin Graf (von links) bieten in Stettlen unkonventionelle Bestattungen an.

(Bild: urs Baumann)

Bestatter sind meist gesetzte ältere Herren in schwarzen Anzügen – so lautet das Klischee. Die zwei jungen Männer, die vergangenen Monat im Stettler Bernapark ihr Büro bezogen haben, entsprechen nicht gerade diesem Klischee. Valentin Graf und David Näf sind beide Mitte zwanzig, gelernte Biobauern und seit wenigen Monaten auch Bestatter. «Der Tod hat für mich nichts Beängstigendes.

Gerade als Bauer kenne ich den Kreislauf von Geburt und Tod sehr gut», sagt der 24-jährige Valentin Graf. Bei Baumbestattungen gehe es sowieso vielmehr um das Leben als um den Tod, ergänzt der 28-jährige David Näf.

Neue Wege gehen

Anfang Jahr erlangten die beiden mit ihrem Bestattungsunternehmen Finis einige Berühmtheit. Die zwei Biobauern wollten eine neumodische Form der Bestattung anbieten – Baumbestattungen unter einheimischen Bäumen. Experten des Konsumentenmagazins «Beobachter» halfen den Jungunternehmern dabei, ihr Start-up zu gründen. Das Schweizer Fernsehen begleitete das Projekt. Seit den Fernsehaufnahmen ist ein halbes Jahr vergangen.

Graf und Näf haben mittlerweile den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ihre Jobs aufgegeben. Mit ihrem Unternehmen sind sie vergangenen Monat von Basel in den Bernapark nach Stettlen gezogen. Auch den Wohnsitz haben sie von Basel und Zürich nach Bern verlagert. Unterstützt werden sie seit kurzem von Marianna Reinhard. Die 63-jährige Bernerin ist das neuste Mitglied bei Finis.

Suche nach Standorten

Für die Region Bern haben sie sich entschieden, weil sie mit dem hiesigen Bestattungswesen bereits vertraut sind. Beide absolvierten ein Praktikum bei einem Bestattungsunternehmen in Zollikofen. «Dabei merkten wir, dass die Bestattungen dem heutigen Lebenswandel hinterherhinken», sagt David Näf. Kaum Neuerungen, und die ganze Sache möglichst schnell hinter sich bringen sei nicht ihre Devise. Darum wollen die Jungunternehmer, die mit Finis bisher nur Baumbestattungen angeboten haben, nun auch konventionelle Bestattungen durchführen. Auch in diesem Bereich sei viel Neues möglich, sind die drei überzeugt.

Von der klassischen Bestattung für 2000 Franken bis zu individuellen Kundenwünschen seien sie offen für alles. Solche Wünsche könnten laut den Bestattern beispielsweise sein, dass der Verstorbene zu Hause aufgebahrt wird. Oder dass die Trauerfeier nicht auf dem Friedhof, sondern woanders stattfindet. Oder dass nicht ein Pfarrer, sondern ein anderer Trauerredner die Rede hält.

Die Idee mit den Baumgräbern haben Graf und Näf mit ihrem Start-up nicht erfunden. Es gibt heute verschiedene Anbieter auf dem Markt. Das Konzept Friedwald wurde bereits von einem anderen Anbieter als Marke geschützt.

Was unterscheidet die Jungunternehmer von der Konkurrenz? Ihr Hintergrund sei ein anderer, erklärt David Näf. «Wir verstehen die Landwirte, die uns ihr Land zur Verfügung stellen, weil wir selber Bauern sind», sagt er. Deshalb seien ihnen eine nachhaltige und vielseitige Bewirtschaftung des Kulturlandes und ein sorgsamer Umgang mit den Ressourcen sehr wichtig.

Die meisten ihrer Standorte für Naturbestattungen befinden sich in der Ostschweiz, im Baselbiet oder in der Zentralschweiz. In der Region Bern haben Graf und Näf erst einen Bauern im Berner Jura sowie einen in Aeschi bei Spiez für ihr Unternehmen finden können. Sie seien auf der Suche nach weiteren Orten für Baumbestattungen.

Dem Klischee nach würden sich die Bestatter nun im schwarzen Leichenwagen auf die Suche nach neuen Standorten machen. Auch in diesem Punkt entsprechen die beiden jungen Bestatter nicht dem Klischee. Sie fahren nämlich einen silberfarbenen Kleinbus.

Berner Zeitung

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