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Bernmobil: An der Wendeschlaufe wartet die Ladestation

BernPlötzlich geht es schnell. Nur anderthalb Jahre nach der Stippvisite des Tosa-Busses aus Genf setzt auch Bernmobil auf den Elektrobus ohne Oberleitung. Er soll von Bern nach Köniz Weiermatt fahren – und lädt die Batterie nach.

Das Vorbild aus Genf: Der Tosa-Bus lädt an den Haltestellen regelmässig die Batterie nach.

Das Vorbild aus Genf: Der Tosa-Bus lädt an den Haltestellen regelmässig die Batterie nach. Bild: zvg

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Ungewöhnliches tat sich vor anderthalb Jahren vor dem Bundeshaus. Ein Bus fuhr vor, nahm eine Gruppe National- und Ständeräte für eine Spritztour um die Häuser mit an Bord.

Das leuchtend orange-gelb-rote Fahrzeug fiel nicht allein des bunten Outfits wegen auf. Seine Qualitäten waren vielmehr technischer Natur: Als es startete, störte kein lautes Röhren, störten keine schmutzigen Abgase die Szenerie im Herzen von Bern.

Tosa heisst das Fahrzeug, das für den Promoauftritt die gut 150 Kilometer von Genf in die Bundesstadt unter die Räder genommen hatte. Es fährt nicht wie üblich mit Diesel oder Gas, sondern mit Strom, und es kommt trotzdem ohne Oberleitung aus. Weil es sich, sobald es unterwegs anhält, bei Ladestationen andocken und Energie nachtanken kann.

Nur eine Ladestation

Von einer Technologie der Zukunft war damals, im März 2015, die Rede, und irgendwie tönte es, als ob sie nicht heute und morgen auf breiter Front Realität werden würde. Obwohl sie in Genf bereits im fahrplanmässigen Einsatz gestanden hatte – doch nun, im Herbst 2016, sieht plötzlich alles anders aus.

Auf der Linie 17 vom Bahnhof Bern nach Köniz Weiermatt soll bald ein elektrisch betriebener Gelenkbus fahren.

Regierungsrätin Barbara Egger (SP), Gemeinderätin Ursula Wyss aus Bern (SP) und Gemeindepräsident Ueli Studer aus Köniz (SVP) sowie Bernmobil-Direktor René Schmid traten am Dienstag vor die Medien und erklärten: Die Region Bern will sich genauso innovativ zeigen. Auf der Linie 17 vom Bahnhof Bern nach Köniz Weiermatt soll bald ein elektrisch betriebener Gelenkbus fahren.

Auch bei Bernmobil wird die Oberleitung fehlen, und auch bei Bernmobil kann der Bus die Batterie aufladen – allerdings nur an der Endstation Köniz Weiermatt.

Öffentliche Hand hilft

Von einer Pioniertat war am Dienstag allenthalben die Rede und davon, dass ein elektrisch betriebener Gelenkbus dieser Grösse bisher kaum je unter Alltagsbedingungen getestet worden ist. Ausser eben in Genf, und entsprechend müsse man bereit sein, etwas höhere Kosten zu tragen.

Nach ersten Schätzungen wird die neue Technologie 5 Millionen Franken kosten. Der Bau der Ladestation schlägt mit 1 Million Franken zu Buche, die restlichen 4 Millionen Franken fliessen in die fünf neuen Fahrzeuge.

Diese kosten rund 800'000 Franken pro Stück und damit 200'000 bis 300'000 Franken mehr als in konventioneller Ausführung, wobei Bernmobil-Direktor Schmid umgehend relativierte: Weil Elektrobusse dafür im Betrieb günstiger seien, seien sie unter dem Strich nur etwa 5 Prozent teurer.

Umso glücklicher zeigte er sich über die finanzielle Hilfe der öffentlichen Hand. Sie übernimmt den Bau der Ladestation, wobei Köniz, Bern und der Ökofonds des städtischen Energieversorgers EWB je 180'000 bis 200'000 Franken zahlen. Der Rest geht zulasten des Kantons.

Die Linie 17 ist für die Premiere bei Bernmobil nicht zufällig gewählt worden. Sie ist mit 4,5 Kilometern nicht lang, überwindet keine grossen Steigungen, und sie ist nicht so überlaufen wie andere Teile des Busnetzes.

Dazu kommt ein Fahrplan, der der neuen Technologie entgegenkommt. Vor der Rückfahrt in Richtung Bahnhof Bern macht der Bus in Köniz Weiermatt 5 bis 8 Minuten halt, und das sollte reichen, um die Batterie gut nachzuladen.

Bis Ende Monat will Bernmobil die Ladestation und die Busse öffentlich ausschreiben.

Ob alles wirklich klappt wie angenommen, wird erst der Alltag auf der Linie 17 zeigen. Und ob die Busse bei einer Verspätung tatsächlich bis zu drei Runden ohne Ladestopp schaffen können – die Hauptladung Strom bekommen sie ohnehin über Nacht im Depot.

Start im Herbst 2018

Bis Ende Monat will Bernmobil die Ladestation und die Busse öffentlich ausschreiben. Basierend auf den Offerten, will der Verwaltungsrat im nächsten Frühling definitiv über den Pilotbetrieb entscheiden.

Die Linie würde dann im Herbst 2018 umgestellt, und das Ziel ist klar: Bis 2020 wollen Schmid und seine Leute so viel Erfahrung gesammelt haben, dass sie die 30 Gasbusse, die dann ihr Betriebsalter erreicht haben, möglichst durch Elektrobusse ersetzen können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.11.2016, 20:06 Uhr

Weniger Schadstoffe

Bernmobil setzt nicht nur auf Elektrobusse. Vor Monatsfrist hat das Verkehrsunternehmen der Stadt Bern 21 Hybridbusse eingeweiht. Sie sollen ebenfalls mithelfen, den Lärm- und Schadstoffausstoss im öffentlichen Verkehr zu mindern.

Die Hybridbusse
werden ebenfalls von einem Elektromotor angetrieben. Er bezieht seinen Strom aus einer Batterie, die ihrerseits von einem zweiten, mit Diesel betriebenen Motor nachgeladen wird. Bei Bedarf wird der Dieselmotor auch zugeschaltet und treibt dann das Fahrzeug gemeinsam mit dem Elektromotor an. Das ist nötig, wenn besonders viel Leistung verlangt ist, beim Beschleunigen etwa oder auch beim Anfahren am Berg.

Demgegenüber beziehen die Elektrobusse den Strom direkt aus dem Netz – im Depot oder aber an Ladestationen unterwegs.skk

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