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Berner pokert um Millionen

BernDer Berner Pokerprofi Ronny Kaiser ist so erfolgreich, dass er bereits im TV war und sich die Steuerbehörde für den 23-Jährigen interessiert.

Wohnt in Bern und spielt weltweit in Casinos. Ronny Kaiser ist professioneller Pokerspieler und gewinnt hohe Preisgelder.

Wohnt in Bern und spielt weltweit in Casinos. Ronny Kaiser ist professioneller Pokerspieler und gewinnt hohe Preisgelder. Bild: Urs Baumann

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Der Mittvierziger mustert seinen halb so alten Gegenspieler gründlich. Eine Entscheidung ist gefragt, und der ältere Mann kommt ins Grübeln: «Hat der andere die besseren Karten?» «Nein», sagt er sich und schiebt seine Chips in die Tischmitte. 145000 Euro ist der Plastikberg wert. Die Karten werden aufgedeckt, und der Alte ist geschlagen. Das Geld wechselt den Besitzer. «Das ist der grösste Betrag, der jemals bei ‹German High Roller› gewonnen wurde», sagt der Kommentator begeistert.

«German High Roller» ist eine Sendung im Deutschen Privatfernsehen, in der gutbetuchte Pokerspieler um schwindelerregende Einsätze spielen. Der junge Mann, der seinen Gegenspieler gerade vor laufender Kamera um Zehntausende Euro erleichtert hat, heisst Ronny Kaiser. Er ist Pokerprofi, wohnt in Bern und gehört weltweit zu den 5 Prozent Spielern, die mit Poker Geld verdienen – viel Geld.

Kein Luxus, trotz Gewinnen

Ronny Kaiser sitzt im CaféRosengarten und trinkt eine Cola. Dass der bleiche junge Mann ein ausgebuffter Zocker ist, ist ihm nicht anzusehen. Vor drei Jahren gewann der 23-jährige Berner an einem Turnier im estländischen Tallinn auf einen Schlag 300'000 Franken. Rund eine Million Franken Preisgeld hat er bisher in seiner Karriere eingeheimst. Trotz dem vielen Geld habe er sich nicht verändert. «Ich bin der Gleiche wie früher», sagt er. Einen Ferrari besitze er zum Beispiel nicht. Zum Rosengarten fuhr er mit dem Bus.

In Bern studiert er Psychologie und Wirtschaft und lebt mit seiner finnischen Freundin zusammen. Ein Leben als erfolgreicher Pokerprofi bringe Vorteile. Im Alltag müsse er nicht mehr auf die Preise schauen. Er sei nirgendwo angestellt und habe keinen Chef. «Es gibt wohl nur wenige Menschen, die so frei leben können», sagt er.

«Bin nicht spielsüchtig»

Kaiser war 16 und im Gymnasium, als er zum ersten Mal Poker spielte. Zuerst nur mit Freunden und um kleine Beträge. Ab 18 investierte er immer mehr Zeit, begann im Casino und online zu pokern. «Das Gymnasium habe ich am Ende nur knapp geschafft», sagt er schmunzelnd.

Es folgte eine obsessive Phase: Bis zu 20 Stunden spielte er täglich im Internet, meist in der Nacht. «Es war das Einzige, was ich gemacht habe», sagt er. Als spielsüchtig würde er sich aber nicht bezeichnen. «Später gab es auch lange Zeitperioden, wo ich nicht gespielt habe, ohne dass mir das schwerfiel», sagt er.Das Geld zum Pokern bekam er nicht von den Eltern. «Ich wollte mir nie Geld leihen, um zu spielen», sagt er. Also zockte er am Anfang mit «eher bescheidenen» Einsätzen um die 50 Dollar.

Irgendwann kam der Moment, den sich jeder Pokerspieler wünscht: In zwei Monaten gewann er online drei grosse Turniere. Aus den 50 Dollar Spielkapital wurden 20'000. Es folgten Reisen ins Ausland. In Las Vegas hat er einmal 70 Stunden am Stück gespielt. «Ich brauchte bessere Spieler, um selber Fortschritte zu machen», sagt er.

Bei Steuerbehörden gemeldet

Und wie wird man erfolgreich in einem Spiel, das mit Glück zu tun hat? «Es braucht Übung und Disziplin», sagt er. Und man sollte mental gefestigt sein. «Mal gewinnt man, mal verliert man. Wer kein Spielertyp ist, hält das nicht aus.» Wenn der Berner pokert, hat er eine spezielle Einstellung zu Geld.

Am Spieltisch dürfe er nicht überlegen, was er mit den Chips alles kaufen könnte: «Sonst spielt man ängstlich und verliert erst recht.» Dass Plastikchips sehr wohl einen Wert besitzen, weiss auch die Steuerbehörde. Nur gab es diese Situation in Bern zuvor noch nicht. Also setzten sich die Beamten mit dem Pokerprofi zusammen. Nun ist Kaiser offiziell ein selbstständiger Unternehmer. Mit Aufwand, Ertrag und Gewinn. Er kann sogar seine Reisen nach Las Vegas von den Steuern abziehen. Einen hohen fünfstelligen Betrag habe er 2012 versteuert, sagt er.

Ronny Kaiser hat seine Cola ausgetrunken und macht sich auf den Heimweg. Mit Sonnenbrille sieht es aus wie ein Tourist – oder eben doch wie ein Pokerspieler.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 05.04.2014, 14:10 Uhr

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