Berner Schülerin reist an die Philosophie-Olympiade

Bern

Nach einer Goldmedaille in der Vorausscheidung wird die Bernerin Lara Gafner die Schweiz im Mai zum zweiten Mal an der internationalen Philosophie-Olympiade vertreten.

Die Gymnasiastin Lara Gafner analysiert und schreibt gerne. Sie lese alles, was sie in die Finger bekomme, sagt Gafner.

Die Gymnasiastin Lara Gafner analysiert und schreibt gerne. Sie lese alles, was sie in die Finger bekomme, sagt Gafner.

(Bild: Urs Baumann)

Benjamin Bitoun

Sie analysiert gerne. Brütet über Fragen wie derjenigen, welcher moralische Status Robotern zugesprochen werden sollte. Und dann bringt Lara Gafner ihre Gedanken zu Papier. Klar, pointiert – und sehr überzeugend: Zum zweiten Mal in Folge sicherte sich die Berner Gymnasiastin Mitte März an der Schweizer Philosophie-Olympiade die Goldmedaille. Ihr Essay über ein Zitat des schottischen Philosophen David Hume zum Stellenwert der Vernunft überzeugte die aus Philosophielehrern bestehende Jury. Damit wird sie wie schon im Vorjahr die Schweiz an der internationalen Philosophie-Olympiade vertreten.

Messen wird sich Gafner Ende Mai in Tartu, Estland, mit Jugendlichen aus über vierzig Ländern. Diese erhalten vier Stunden Zeit, um ein Essay zu einem bestimmten Thema zu verfassen. Bewertet werden Argumentation, philosophisches Wissen, Originalität und Relevanz.

Es ist denn auch nicht der Wettkampf, sondern die Reise, die unbekannte Stadt, auf die sich die 18-Jährige am meisten freut. Und auf den Kontakt mit gleich gesinnten Jugendlichen. «Das letzte Mal war eine tolle Erfahrung», schwärmt Gafner. Sie habe jede Menge interessante Menschen aus verschiedensten Kulturen getroffen und manchmal bis zum Morgengrauen diskutiert. Daraus seien enge Freundschaften entstanden. Allein dafür habe sich der Aufwand tausendfach bezahlt gemacht.

Zumal Gafner dafür nichts tun musste, was sie nicht auch in ihrer Freizeit macht: schreiben. «Ich schreibe, seit ich es in der ersten Klasse gelernt habe», sagt die 18-Jährige, deren Eltern beide publizistisch tätig sind. Vor allem Kurzgeschichten und Fantasystorys seien es geworden. Für ihre Maturarbeit in Englisch lässt sie eine Sherlock-Holmes-Geschichte kurzerhand im heutigen London stattfinden. «Ich mag es, im Kopf etwas entstehen zu lassen, kreativ zu sein.»

«Über alles nachdenken»

Dieses Abstrakte, das «Entstehenlassen im Kopf», sei es, was sie an der Philosophie reize. Und dass sich diese mit Alltäglichem auseinandersetze. So etwa mit Vernunft und Leidenschaft – den Triebfedern des Handelns und gleichzeitig Thema von Laras letztem Essay.

Dass die Philosophie im Gegensatz zu anderen Wissenschaften nicht nach endgültigen Antworten strebt, stört Lara Gafner nicht. «Die gibt es sowieso nirgendwo.» Viel wichtiger sei, dass die Philosophie ihr erlaube, ihre eigenen Denkmuster und Meinungen, aber auch die anderer zu hinterfragen. Das tue sie ständig: «Ich mache mir Gedanken über alles.» Aus diesem Grund lese sie und schaue sie sich alles an, was sie gerade in die Finger bekomme. «Ich neige wohl zum Überanalysieren.»

Studium nach Zwischenjahr

Im kommenden Jahr will sich Lara Gafner an der Universität Bern einschreiben. Bei der Fächerkombination ist sie noch unentschlossen. «Aber Philosophie wird ziemlich sicher dabei sein», so die 18-Jährige. Dazu vielleicht Biologie. Auch in der Naturwissenschaft sind es die Zusammenhänge, die sie reizen, nicht einzelne Forschungsgebiete. «Mich interessiert der Sinn mehr als die Machbarkeit», sagt Gafner.

Bevor es so weit ist, will sie aber vor allem eines: «Ich will reisen, viele neue Orte sehen und so viele Eindrücke wie möglich in dieses Zwischenjahr packen», sagt Lara Gafner.

Berner Zeitung

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