Berner Jodellegende Ummel wird geehrt

Bern

Er war ein Naturtalent, jodelte und komponierte auf eine Art, die die Leute berührte. Vor zwanzig Jahren ist Jakob Ummel gestorben, nun wird er geehrt.

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«Ich singe seine Lieder halt gerne.» Wenn Peter Anken über Jakob Ummel redet, ist unschwer etwas von der Hochachtung herauszuspüren, die der Solojodler aus Uebeschi dem berühmten Jodelkomponisten aus der Region Bern entgegenbringt. Ummels Texte und Melodien seien mehrheitlich einfach und die Themen, die er behandle, zeitlos und mitten aus dem Leben gegriffen. «Es geht um die Liebe, die Natur und das Berglerleben», immer wieder schimmere auch etwas vom «intelligenten Schalk» durch, wie er dem «einfachen Mann aus dem Volk» eigen gewesen sei.

An Pfingstmontag lässt Peter Anken Jakob Ummel neu aufleben. Zusammen mit Jodlerkollege Stephan Haldemann aus Signau und Verlagsleiter Beat Lüthi von Müller& Schade in Bern organisiert er im Berner Münster ein Gedenkkonzert zu Ehren des grossen Meisters, der vor genau zwanzig Jahren gestorben ist. Auf dem Programm stehen Sololieder genauso wie Duette und Terzette. Sie machen den Grossteil des über 150 Stücke umfassenden Nachlasses aus, der heute noch in neun Bänden greifbar ist. Dazu kommen ein paar Chorsätze, die auf Ummel-Liedern basieren – als Schluss- und Höhepunkt natürlich «Bärnbiet», die «heimliche Nationalhymne des Kantons Bern». Das sagt Hanspeter Seiler aus Oberhofen, als aktiver Jodler seit Jahren im Kanton Bern unterwegs. Auch er lobt den Wert des Schaffens von Jakob Ummel, «nicht ohne Grund werden seine Lieder so oft und so gern gesungen». An den Jodlerfesten seien sie in der Liste der beliebtesten Stücke nach wie vor in den vorderen Rängen zu finden.

Liebe zu den Bergen

Seiler ist Ummel mehrfach persönlich begegnet, und auch er zieht in Gedanken den Hut, wenn er über ihn spricht. Noch bis ins hohe Alter sei seine Stimme «klar und wunderbar» gewesen. Und: «Wenn er komponierte, flossen die Melodien und Texte von selber über seine Lippen. Dabei konnte er weder Noten lesen noch Noten schreiben. Was heute überliefert ist, wurde von Freunden zu Papier gebracht.»

Sein ländlicher Hintergrund und seine Liebe zu den Bergen kamen ihm bei alledem entgegen. Aufgewachsen ist Ummel in Ittigen, wo in der Zeit nach 1895, seinem Geburtsjahr, von der nahen Stadt kaum etwas zu merken war. Sein Vater stammte überdies vom Buchholterberg. In dieser noch bäuerlicher geprägten Region am Übergang vom Emmental zum Oberland hatte er zuerst als Küher und Melker gearbeitet, bevor er vor den Toren Berns ein Heimet pachten konnte.

Diese Welt bewahrte sich Ummel, als er in einer Giesserei den Beruf des Formers erlernte, später als Tramführer zu den städtischen Verkehrsbetrieben wechselte und schliesslich an den Aareggweg in Bern zog. So war er mit dabei, als der Pontonierfahrverein Worblaufen 1915 ein Jodeldoppelquartett gründete. Später war er auch im Jodlerklub Berna in Bern aktiv.

Mit Vreni Kneubühl

Die Inspirationen für seine Lieder holte sich Ummel zum einen auf den Alpen im Stockhorngebiet, zum andern im Wysshus-Hüsi ob Habstetten, von wo aus er einen prächtigen Blick in die Alpen hatte. In dieser Jodlerklause empfing er regelmässig Gäste, die gemeinsam mit ihm jodelten und fachsimpelten. Auch die Jodellegende Adolf Stähli gehörte zum Kreis der Leute, denen er so zum Vorbild wurde.

Zur wichtigsten Gesangspartnerin wurde aber Vreni Kneubühl. Mit der Jodlerin, die zuerst in Landiswil und dann in Burgdorf lebte, nahm er zahlreiche Schallplatten aus. Auch ihr soll das Gedenkkonzert von Pfingstmontag übrigens gelten: Seit ihrem Tod sind fünf Jahre verstrichen.

Gedenkkonzert für Jakob Ummel und Vreni Kneubühl, Pfingstmontag, 14 Uhr, im Berner Münster (Türöffnung: 13 Uhr).

Berner Zeitung

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