Berner Goldschmied schwimmt gegen den Strom

Bern

Jörg Eggimann verarbeitet in seinem Atelier in der Helvetiastrasse nur Edelmetalle und -steine aus Fair Trade Quellen. Und wurde dafür ausgezeichnet.

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Juliane Lutz@JulianeLutz

In den Vitrinen liegen elegante Silberarmreife und Colliers aus bunten Turmalinen. Im ersten Moment wirkt das kleine Ladenatelier in der Helvetiastrasse 5 wie andere Goldschmiedgeschäfte auch. Doch Jörg Eggimann, der den Schmuck herstellt, denkt anders als das Gros seiner Kollegen. Er bezieht Gold, Silber und Edelsteine fast nur aus fairem Handel. Diamanten, die beispielsweise aus Ländern Westafrikas stammen, die für ökologischen Raubbau und Ausbeutung bei der Gewinnung bekannt sind, kommen ihm nicht über die Türschwelle. Dafür erhielt Eggimann am 20. April den Swiss Ethics Award. Mit diesem Preis will der Verein Swiss Excellence Forum Unternehmer und Führungskräfte zu Bestleistungen auf allen Ebenen der Wirtschaft anregen.

Unbedenkliche Preziosen

Ausbeutung der Mineros, Kinderarbeit oder Finanzierung von Kriegen durch Diamantengeld – die Negativschlagzeilen rund um die Edelmetall- und Edelsteingewinnung trübten schon zu Beginn der Berufstätigkeit vor mehr als 20 Jahren etwas seine Freude am Job. «Ich bin mit Leibe und Seele Goldschmied, aber nur, wenn ich mit Materialien unbedenklicher Herkunft arbeiten kann», sagt der 41-Jährige, der aus Zäziwil stammt. Deshalb machte er sich schon vor einiger Zeit auf die Suche und stiess schliesslich auf den deutschen Geologen Thomas Siepelmeyer, der Edelsteine und –metalle aus Fair Trade Quellen bezieht. So stammt beispielsweise das Gold, aus dem Jörg Eggimann schliesslich Ringe schmiedet, aus ökologischem Abbau der argentinischen Stiftung Eco Andina.

Vorreiter in der Schweizer Schmuckbranche

Er gehöre in der Schweiz erst zu einer Handvoll Goldschmiede, die konsequent Rohstoffe kaufen, die menschen- und umweltwürdig gewonnen wurden. Für alle Kollegen, vor allem mit grossen Betrieben, sei diese Politik jedoch nicht konsequent anwendbar. Zum einen könne ihr wesentlicher grösserer Bedarf an Schmuck aus den wenigen, derzeit zugänglichen Quellen gar nicht gedeckt werden. Zum anderen müssten grössere Mitbewerber viel zukaufen, weil es wirtschaftlich schwierig sei, alle Schmuckstücke selbst herzustellen. «Wie will man bei fertigen Trauringen feststellen, woher ihr Gold stammt?» , wirft er in den Raum. Er selbst komme mit seinem Anspruch ebenfalls an seine Grenzen. «Eine Frau, die unbedingt einen Saphirring haben will, kann ich nur bedienen, wenn ich auch einen der blauen Steine vorrätig habe», erklärt er. Ansonsten könne er höchstens in Münster anfragen, ob man einen Saphir besorgen könne. «Das dauert vielleicht zwei Wochen oder zwei Monate», sagt Eggimann. Während Kollegen, die mit konventionellen Edelsteinhändlern zusammen arbeiten, Steine nach Mass aus dem Katalog in kurzer Zeit bestellen können.

Hoffen auf Umdenken der Minenbesitzer

Bei seinen Kunden kommt Eggimanns Sinn für Ästhetik und Ethik gut an. Sie sind gerne bereit für einen Trauring zehn bis fünfzehn Prozent mehr zu zahlen, wenn das Gold dafür in Argentinien menschen- und umweltverträglich gewonnen wurde. Manche nehmen sogar lange Anfahrtswege in Kauf, um seine Preziosen zu kaufen. Seit der Verleihung wirbt Eggimann im Schaufenster und auf seiner Website mit dem Swiss Ethics Award. Der Preis sei für ihn eine Bestätigung für sein Engagement um neue ethische Massstäbe in der Schmuckbranche. «Ich habe mich entschieden in einer globalen Welt konkret Verantwortung zu übernehmen, indem ich darauf achte, dass die Diamanten in meinem Atelier umweltfreundlich abgebaut wurden», sagt er. Und hofft, dass bald mehr seiner Kollegen gleich denken und dass dadurch der Druck in der Schmuckbranche auf die grossen Minenbetreiber ansteigt. Und sie zum Umdenken bringt bei der Gewinnung von Gold und Edelsteinen.

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