Berner Goldschmied glänzt im Beruf

Bern

Der Goldschmiedelehrling Joshua Ritler hat an der Schweizer Meisterschaft zwei Hauptpreise in den zwei geprüften Kategorien Technik und Design gewonnen. Das hat vor ihm noch keiner geschafft.

Goldschmiedemeisterin Claudia Neuburger und ihr Lehrling Joshua Ritler, der zwei Hauptpreise gewonnen hat – was noch nie vorgekommen ist.

Goldschmiedemeisterin Claudia Neuburger und ihr Lehrling Joshua Ritler, der zwei Hauptpreise gewonnen hat – was noch nie vorgekommen ist.

(Bild: Stefan Anderegg)

Der 20-jährige Joshua Ritler begann seine Lehre 2011 im Goldschmiedeatelier Punctum Aureum in der Berner Altstadt. Inhaberin des Ateliers ist die Goldschmiedemeisterin Claudia Neuburger. Joshua Ritler ist jetzt im vierten Lehrjahr, er steht kurz vor seiner Abschlussprüfung. Eine Prüfung hat er bereits mit Bravour geschafft: An der Schweizer Goldschmiedemeisterschaft in Luzern gewann er Gold in der Kategorie Technik sowie den Jurypreis in der Kategorie Design.

Nebst der Auszeichnung erhält der junge Goldschmied total 5000 Franken. Zwei Hauptpreise an dieser Meisterschaft zu gewinnen, hat bisher noch niemand geschafft. Insgesamt wurden von den Teilnehmenden 86 Arbeiten fabriziert, das ist neuer Rekord. Und die Jury sprach von einem «sensationell hohen Niveau».

«Gutes Training für Prüfung»

«In der Kategorie Technik mussten wir ein vorgegebenes Schmuckstück herstellen», sagt Joshua Ritler. Einen Anhänger in 750er Gelbgold. «Wir mussten das in 22 Stunden schaffen, die Zeit war sehr knapp bemessen, und ich durfte keine Minute Zeit vergeuden», meint Ritler. «Gefragt waren Geschwindigkeit und Präzision, es war ein gutes Training für meine Abschlussprüfung.»

In der Sparte Design hatte Joshua Ritler wesentlich mehr Zeit sowie grosse Freiheiten. «Wir erhielten ein Stück Büffelhorn, das in die Arbeit integriert werden musste», sagt er. Das Thema lautete «Beyond – meine Kraft ist unbesiegbar». Die Transzendenz von Macht und Kraft habe in der Schmuckgeschichte immer eine Rolle gespielt.

Das im Schmuckstück zu integrierende Büffelhorn sollte die Kraft des Büffels symbolisieren. Abgeliefert werden musste nicht nur ein Schmuckstück, sondern auch ein entsprechendes Konzept. Ritler entschied sich, nicht nur – mittels Büffelhorn – die Kraft zu symbolisieren. Für die Aspekte Intelligenz, Wissen und Technik wählte er zudem das Material Silizium, für die Kreativität, Musikalität und Ästhetik steht in seinem Schmuckstück (das er Trigorex nennt) der Bergkristall.

Der Natur abgeschaut

Die drei Materialien Horn, Silizium und Bergkristall bilden drei Pole, welche beweglich sind und sich gegenseitig beeinflussen. Auf der Suche nach einem funktionierenden Mechanismus schaute der junge Goldschmied der Natur ab und studierte die menschliche Wirbelsäule. Für die Kugelgelenke verwendete er Siliziumkarbid, einen extrem harten, keramischen Werkstoff mit optimalen Eigenschaften, auf Metall zu gleiten. Zwei dieser Kugeln bilden in Ritlers Schmuckstück eine Art Bandscheibe.

«Weil es am Körper getragen werden soll, habe ich es so leicht wie möglich gemacht, fast das ganze Stück besteht aus durchbrochenen Blechen.» Am Körper fixiert wird es mit Magneten: drei am Schmuckstück sowie drei auf einem Gegenstück, das unter der Kleidung platziert wird. So ist das vergoldete Trigorex an verschiedenen Stellen tragbar.

Dieses Objekt hat Joshua Ritler in seiner Freizeit gezeichnet und während der Arbeitszeit im Lehrbetrieb angefertigt. «Ich hatte zwei Monate Zeit und habe 150 Stunden investiert.» Das prämierte Schmuckstück sowie andere Objekte, die an den Schweizer Meisterschaften hergestellt wurden, werden in den nächsten Tagen im Atelier Punctum Aureum gezeigt

Berner Zeitung

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