Berner Funk-Antenne für den Mount Everest

Die Air Zermatt bildet in Nepal seit Jahren Bergretter aus. Eine Funk-Antenne bringt die Arbeit einen grossen Schritt weiter. Die Technik stammt von Berner Kleinunternehmen.

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In Nepal steht seit Mitte Dezember auf 5000 Metern über Meer eine Antenne, die die Arbeit der Bergretter am Mount Everest deutlich vereinfacht. Projektleiter Patrick Kalbermatten spricht von einem «grossen Schritt in Richtung Professionalität».

Der Grossteil der Technik stammt aus dem Kanton Bern: die Fotovoltaikmodule von der Thuner Firma Meyer Burger, das Know-how vom Burgdorfer KMU Resiq, das Konzept für die Funkanlage vom Einmannunternehmen CS-Electronics aus Ringgenberg. Der optimale Standort für die Antenne wurde von der Swisscom berechnet.

Möglichst simpel

Die Antenne ist Teil eines Hilfsprojekts der Air Zermatt und ihrer Alpine Rescue Foundation. Seit 2010 bilden die Walliser Bergretter um Bruno Jelk und Gerold Biner in Nepal Sherpas für Einsätze mit dem Helikopter aus. «Das Projekt stagnierte», sagt Patrick Kalbermatten. «Wir hatten die Helikopter, wir hatten das Personal. Wir fragten uns, wie wir die Sicherheit weiter verbessern können.»

Ein Problem der Bergretter war stets die Kommunikation zwischen Helikopter, Bergsteiger, dem Spital und der Basis im Ort Lukla. «Das Spital war selten informiert über Patienten, die eingeflogen wurden», sagt Kalbermatten. Die ganze Kommunikation lief via Satellitentelefon. «Wenn ein Pilot alleine unterwegs war, musste er landen, um zu telefonieren.»

Funk sei nun schneller, zuverlässiger und günstiger. Die Antenne steht auf dem Berg Kongde zwischen dem Mount Everest und Lukla. Über sie erreichen die Retter diverse Berggiganten und Seitentäler in der Kumbu-Region. Das Projekt ist im Frühling 2014 entstanden. Kalbermatten holte über persönliche Kontakte Spezialisten an Bord, etwa Christian Schmocker, der mit seiner Firma CS-Electronics Teile für Funkanlagen konstruiert.

Er hat das Grundkonzept der Antenne entworfen. «Die Anlage musste möglichst einfach konstruiert sein», sagt Schmocker. Die Antenne ist in einem Felsvorsprung verankert – Reparaturen wären schwierig. «Sie besteht aus Einzelkomponenten. Wenn eines kaputt ist, kann man es mitnehmen, reparieren und wieder einsetzen.»

Montage auf 5000 Metern

Eine Herausforderung war die Stromzufuhr mit Fotovoltaik und Batterie. Sie muss zuverlässig funktionieren, auch bei Nacht und schlechtem Wetter. «Ersatzteile kann man nicht im lokalen Baumarkt kaufen», sagt Patrick Kutschera von der Firma Resiq, die intelligente Lösungen für Fotovoltaik oder Haussteuerungen erarbeitet. Besonders sei vor allem die Glasverpackung der Solarzellen, sagt Kutschera. «Ein Standardmodul mit Folie wäre durch die harten Schneepartikel und die UV-Strahlung beschädigt worden.»

Mitte Dezember flog Projektleiter Patrick Kalbermatten nach Nepal. «Über die Montage habe ich mir lange den Kopf zerbrochen», sagt der 46-jährige Mechaniker. «Ich habe die Antenne bestimmt 50-mal im Kopf zusammengebaut.» Der Mast ist 8 Meter hoch, die Anlage wiegt 300 Kilogramm. Sie wurde mit Schrauben befestigt und in den Fels geleimt. «Wir hatten zum Glück genug Platz, auf dem Felsen zu stehen», so Kalbermatten. Die Montage dauerte zwei Tage – alles klappte. Seither habe er aus Nepal nicht viel gehört. «No news are good news», sagt Kalbermatten. «Die Antenne funktioniert.»

Arbeit gesponsert

Gekostet hat das Projekt rund 20000 Franken. Finanziert wurde es von der Alpine Rescue Foundation, von Privaten und auch von den beteiligten Firmen. Die Swisscom erstellte die Pläne kostenlos. Schmocker, Kutschera und auch Meyer Burger verrechneten nur das Material, ihre Arbeit war grösstenteils gesponsert.

«Ich sehe dies als Unterstützung eines sinnvollen Projekts», sagt Christian Schmocker. Das Projekt habe Spass gemacht, sagt auch Patrick Kutschera. «Als Engineering-Unternehmen ist es interessant, etwas für solch extreme Bedingungen zu entwerfen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 27.02.2015, 09:21 Uhr

Projektleiter Patrick Kalbermatten während der Montage der Antenne auf dem Berg Kongde, 30 Kilometer entfernt vom Mount Everest. (Bild: zvg)

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