Berner Forscher lösen Honig-Rätsel

Bern

Forschern ist es ­gelungen, mittels bildgebender Verfahren erstmals die ­Honigproduktion der Bienen zu enthüllen. Die Tierchen wenden verschiedene Techniken an, um Honig zu reifen.

Wie wird aus Nektar Honig? Forscher der Uni Bern können dies dank der Computertomografie beantworten.

Wie wird aus Nektar Honig? Forscher der Uni Bern können dies dank der Computertomografie beantworten.

(Bild: Keystone)

Die Computertomografie wird normalerweise zur medizinischen Untersuchung von Menschen und Tieren eingesetzt. Nun hat ein Forschungsteam des Instituts für Bienengesundheit der Universität Bern gemeinsam mit Experten von Agroscope diese Technik angewandt, um ganze Bienenvölker zu scannen. Sie gingen der Frage nach, wie der Honig produziert wird.

Dass Bienen Nektar von Pflanzen sammeln und dabei den darin enthaltenen Zucker konzentrieren, um Honig zu produzieren, ist bekannt. Die Honigvorräte in den Wachswaben ermöglichen es den Kolonien, die strenge Winterzeit zu überleben, wenn keine Nahrung in der Umwelt aufzutreiben ist.

Ohne die Bienen zu stören

«Viele Details zur Umwandlung von Nektar in Honig waren uns aber bisher unbekannt», sagt Vincent Dietemann von Agroscope. Dank der Computertomografie sei es erstmals gelungen, die Zuckerkonzentration in den Wachszellen zu messen und sie visuell sichtbar zu machen in Form von dreidimensionalen Röntgenbildern. Dies, ohne die sensitiven Mechanismen der ­Bienenvölker zu stören.

Das Forscherteam hat herausgefunden, dass die Arbeiterinnen der Bienenvölker verschiedene Techniken einsetzen, um Honig zu produzieren. Entweder bemalen sie die Wände mit Ladungen von hochkonzentriertem Nektar und bilden Ringe, oder sie füllen die Ladungen zufällig in die Zelle, was zu einer klumpigen Anordnung führt.

Diese Klumpen wachsen während der Reifung, es entsteht ein inhomogenes Helligkeitsmuster, nämlich das von reifem Honig.

Bienen würgen Nektar

Zur Honigproduktion fügen die Bienen dem Nektar und dem ­Honigtau – das ist ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt verschiedener Insekten – spezifische Enzyme hinzu und entziehen gleichzeitig das Wasser, um die Zuckerkonzentration zu erhöhen.

Damit das Wasser verdunstet, würgen die Bienen Tropfen von Nektar hoch und manipulieren ihn mit ihren Mundwerkzeugen. So verdunstet das Wasser, und die Zuckerkonzentration steigt.

Das Forscherteam ist überzeugt, dass diese Beobachtungen zu einem besseren Verständnis der Stockkontaminierung durch Pathogene und Pestizide beitragen würden, wichtige Forschungsbereiche zur Gesundheit der Honigbienen.

Jährlich 3400 Tonnen Honig

Honig ist eine reichhaltige Zuckerquelle, die von den Menschen seit mindestens 15 000 Jahren genutzt wird. Honig wird nicht nur kulinarisch geschätzt, er wird auch zur Bekämpfung von Infektionen oder zur Wundheilung eingesetzt.

In der Schweiz beträgt die jährliche Honigproduktion 3400 Tonnen. Herr und Frau Schweizer essen (pro Person) jährlich 1,3 Kilogramm ­Honig.

sru

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