Berner Chor-Ensemble gewinnt den Jugendpreis

Bern

Die Gewinner des Jugendpreises 2014 der Burgergemeinde sind bekannt. Das junge Berner Vokalensemble «Suppléments musicaux» gewinnt den Hauptpreis.

Moritz Achermann ist Chordirigent und Gründer von «Suppléments musicaux».<p class='credit'>(Bild: Lukas Blatter)</p>

Moritz Achermann ist Chordirigent und Gründer von «Suppléments musicaux».

(Bild: Lukas Blatter)

In der Bundeshauptstadt gibt es mehr als 150 Chöre, aber keinen zweiten, der so flexibel und jung sei wie sein Chor, sagt Moritz Achermann, Chorleiter beim jungen Musikprojekt «Suppléments musicaux». «Die Berner Musikszene ist eine lebendige, da hat es auch Platz für uns.»

Auch die Burgergemeinde Bern ist der Meinung, dass das Projekt unterstützt werden sollte. Sie vergibt den diesjährigen Hauptpreis des Jugendpreises, der mit einem Preisgeld von 14'000 Franken dotiert ist, dem jungen Vokalensemble.

Im Sommer 2012 wurde «Suppléments musicaux» von Achermann und weiteren Singbegeisterten als flexibles und agiles Ensemble gegründet. Bei den Proben für das erste Konzert waren 12 Personen mit an Bord. «Es wurde recht schnell klar, dass da mehr entsteht», erinnert sich Achermann an die Anfänge. Mittlerweile sind um die 20 Personen im Ensemble aktiv und bereits 5 Programme bestritten worden.

«Chorleiter wagen zu wenig»

Berner Chöre würden stets dasselbe aufführen, findet Moritz Achermann. «Die Chorleiter wagen sich zu wenig an neue Stücke heran.» Er und seine Kollegen hätten da weniger Berührungsängste: «Wir haben nicht den kommerziellen Druck und sind daher frei darin, selbst zu bestimmen, was wir aufführen wollen», so Achermann.

Moritz Achermann kam bereits früh mit der Musik in Berührung. Der Musikstudent, der auch als Tutor am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Bern arbeitet, erlernte als Kind das Geigenspiel und die Trompete. So richtig entfacht hat in ihm das Feuer für die Musik der Musikunterricht am Gymnasium Neufeld. Wie er besuchte auch ein Grossteil der Mitglieder des Chores dort das Gymnasium.

Dem jungen Chorleiter ist es wichtig, dass die Programme nicht nur «schön», sondern auch thematisch stimmig sind. Man dürfe dem Publikum auch etwas zutrauen. «Das schöne der Laienmusik ist ja, dass die Leute wohlwollend an Konzerte kommen.»

Für viele, die von einem grossen Chor zum Ensemble dazustossen, sei das 12-köpfige Ensemble eine neue Erfahrung. In einer kleinen Gruppe zu singen sei zwar anspruchsvoller. Doch für Moritz Achermann überwiegen die Vorteile. «Die Musik von 12 Personen ist viel intimer als die eines Chors mit 300 Leuten.» Das Ensemble unterscheidet sich auch sonst von anderen Chören. «Wir proben nicht einmal die Woche», sagt Achermann. Vielmehr werde auf Projekte hingearbeitet.

Mit musikalischer Begleitung führt «Suppléments musicaux» Stücke abseits des gängigen Repertoires auf. Das Chorprojekt will selten aufgeführte Werke, im besonderen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, zeigen. Besucht würden die Konzerte von vielen jungen Personen. Das Hörverhalten habe sich verändert, sagt Achermann: «Heute geht man zuerst an ein klassisches Konzert und danach in den Dachstock der Reitschule.»

Grosse Ehre

Vergangenen Oktober wurde dem Ensemble eine hohe Ehre zuteil. Der Berner Chor lud zur Welturaufführung eines Stückes von Jalalu Kalvert Nelson, einem weltweit bekannten Jazz-Trompeter. Achermann hatte ihn an einem Konzert kennengelernt. Das Einstudieren sei zwar anspruchsvoll gewesen, das Resultat dafür umso schöner, findet der Chorleiter. Ein Auszug davon war am Freitagabend auch an der Preisverleihung vorgetragen worden.

Beworben hat sich das Chorprojekt erst, nachdem mehrere Medien vermeldet hatten, dass nur wenige Projekteingaben für den Jugendpreis bei der Burgergemeinde eingetroffen seien. «Ein altväterlicher Chor entspricht wenig dem Bild der Jugend, wie man es sich vorstellt», sagt Achermann. Sonst seien bei der Burgergemeinde bislang mehrheitlich Bands und Hip-Hop-Gruppen ausgezeichnet worden. «Warum nicht auch einmal ein Chor», habe sich das Ensemble gedacht.

Mit dem Preisgeld in der Höhe von 14'000 Franken kann sich Achermann vorstellen, einen Kompositionsauftrag für das Ensemble aufzugeben oder ein bezahltes Orchester für ein Konzert auf die Beine zu stellen. Bislang habe man nie Geld in die Hand nehmen müssen. Die Gestaltung der Flyer oder das organisieren des Auftrittsorts habe jeweils ein Mitglied des kleinen Chors übernommen, so Achermann. «Wir arrangieren uns.»

Im Januar kommt der nächste Wurf des Ensembles. Zusammen mit dem Theaterkollektiv „Faust Gottes“ wird die Gruppe um Moritz Achermann eine Medea-Inszenierung im Tojo-Theater in der Berner Reitschule aufführen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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