Berner Beizenimperium bröckelt

Bern

Nach der Schliessung des Restaurants Sassafraz ist nun auch die Zukunft des Cafés Diagonal offen. Es werde weitere Ver­änderungen geben, sagt Max Grunder, Verwaltungsrats­präsident der Gastrobetriebe.

Café Diagonal:?Zwei Wochen Ferien oder geschlossen für länger?

Café Diagonal:?Zwei Wochen Ferien oder geschlossen für länger?

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Lange galten die Cousins Max und Fritz Grunder als Shootingstars der Berner Gastroszene. Innert weniger Jahre eröffnete ihre Ossobukko AG in der Innenstadt die Restaurants Sassafraz und Fugu, übernahm das Café Diagonal, das Bistro Steinhalle im Historischen Museum, das Bellevue in Ittigen, lancierte einen Heimlieferservice. Letztes Jahr machten Grunders in der Kramgasse Karl auf, einen stilvollen Mix von Café, Bar und Delikatessenladen.

Doch inzwischen zeigt das Imperium immer stärkere Zerfallserscheinungen. Als das Karl 2015 öffnete, war das Bellevue in Ittigen längst sang- und klanglos in andere Hände übergegangen. Vor kurzem übernahm Velokurier Bern den Heimlieferservice, Ende März schloss das Sassafraz über Nacht. Nun mehren sich die Anzeichen, dass es auch beim Diagonal Veränderungen gibt.

Gerüchte über Tabula rasa

Offiziell hat das Café Diagonal diese und nächste Woche Betriebsferien. Laut gut unterrichteten Kreisen ist den Angestellten aber auf den Ferienbeginn gekündigt worden, die Zukunft des Lokals sei offen. Er kommentiere dies nicht, sagte Ossobukko-Verwaltungsratspräsident Max Grunder gestern.

Und auch auf die Frage, ob das Diagonal wieder aufgehen wird, ist die Antwort: «Kein Kommentar.» Laut Verwaltung der Diagonal-Liegenschaft an der Amthausgasse 18 gibt es einen laufenden Mietvertrag. Tatsächlich diskutiere man derzeit aber mit der Ossobukko AG darüber, ob es zu einer Nachfolgelösung kommen könnte.

Seit Wochen machen Gerüchte die Runde, dass Ossobukko alle Restaurants abstossen wolle. Es seien Umstrukturierungen im Gang, sagt Max Grunder dazu bloss. «Es gab Änderungen, und es wird weitere geben.» Die Verhandlungen liefen, er hoffe, bald mehr kommunizieren zu können.

Bei der unvermittelten Schliessung des Restaurants Sassafraz Ende März hatten die Betreiber in einem Aushang das Unternehmenswachstum in den letzten Jahren sowie private Gründe als Begründung angeführt. Das Lokal bleibe im April geschlossen, der Eröffnungstermin der neuen Betreiber sei noch nicht bekannt. Doch das Sassafraz ist seither nicht wieder eröffnet worden.

Wechsel im Verwaltungsrat

Private Gründe seien «sicher sehr wichtig», sagte Max Grunder gestern, ohne dies weiter auszuführen. Gemäss Handelsregister hat er von Cousin Fritz vor gut einem Monat das Verwaltungsratspräsidium der Ossobukko AG übernommen, Fritz Grunder wird neu als einfaches Mitglied geführt.

Einen Monat später ist dies schon überholt: Er sei nicht mehr im Verwaltungsrat, sagte Fritz Grunder vorgestern im Karl, und trat seine Kochschicht an – er ist also weiterhin im Unternehmen tätig. Max Grunder bestätigte gestern die Demission seines Cousins aus dem Verwaltungsrat.

Hat sich die Ossobukko AG übernommen? Haben sich die beiden Gründer und Cousins überworfen? Fest steht: Es knirscht und knarzt im Beizen­imperium.

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