Bern

Berndeutsch ist zwar langsam, aber «fadegrad»

BernBerndeutsch ist beliebt. Der Dialekt belebt Popsongs, klassische Literatur – und neu auch die Kleine Schanze in Bern. Auf dem Rundgang «Bärn laferet – Nume nid gschprängt» erhält das Publikum Einblick in die Vielfalt der Berner Mundart.

Buchstabensalat auf Berndeutsch: Beim Stattland-Rundgang «Bärn laferet – Nume nid gschprängt» dreht sich alles um den heimischen Dialekt.

Buchstabensalat auf Berndeutsch: Beim Stattland-Rundgang «Bärn laferet – Nume nid gschprängt» dreht sich alles um den heimischen Dialekt. Bild: Urs Baumann

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«Da chöit dir säge, was dir weit, ke Schprach gits niene wit u breit, vom Nordpol bis nach Afrika, woni so gärn wis Bärndütsch ha.» Mit diesen Worten führt der «Wortchnübler» Adrian Willi in den neuesten Stadtrundgang des Vereins Stattland ein. Er spricht gemächlich, wie es der Titel verspricht: «Bärn laferet – Nume nid gschprängt.»

Dass die Langsamkeit der Berner kein Mythos ist, konnte der Sprachwissenschaftler Adrian Leemann in seiner Dialektforschung nachweisen: Ein Berner spricht pro Minute vier bis fünf Sätze weniger als ein Zürcher. Trotzdem: Auch in Bern lässt sich in siebzig Minuten Rundgang genug «lafere», damit die Dialektvielfalt aufgezeigt werden kann. Auf dem Weg vom Ententeich der Kleinen Schanze bis zum Bundeshaus beleuchtet der Verein Stattland diverse Aspekte des Berner Dialekts: von der Literatur und Musik über die Sprache der Jugend bis zur Kunst.

Für Osteuropäer der einfachste Dialekt

Dass Mundart mehr als ein Mümpfeli – also einen Mund voll – schöner Buchstaben ist, verrät das grösste Regionalwörterbuch des deutschen Sprachraums: 16 Bände und mehr als 150'000 Stichwörter umfasst das «Schweizerische Idiotikon». Der Umfang verwundert nicht, wenn der Wortchnübler auf dem Stadtrundgang Ausdrücke für die Apfelüberreste aufzählt. Gröibschi, Güürbsi oder Bitzgi sind nur einige davon. «Und Bätzi» ruft eine Teilnehmerin aus dem Wallis. Der Rundgang lockt auch Leute aus anderen Kantonen an – zur Freude des Projektteams.

Lena Tichy, Projektleiterin und Mitglied des Vereins Stattland, hofft, mit dem Rundgang ein breites Publikum anzusprechen: «zum Beispiel auch Ausländer, die Berndeutsch lernen». So erfährt man denn auch, dass es Osteuropäern am einfachsten fällt, den Berner Dialekt zu lernen. «Berndeutsch ist einfach ein spezieller Dialekt», begründet Lena Tichy ihr Interesse für das Projekt.

Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da. Das Berndeutsch belegt zusammen mit dem Walliser- und Bündnerdeutsch die ersten drei Plätze auf der Dialektrangliste der Schweiz. Den Grund dafür erklärt Adrian Leemann: «Der Berner Dialekt klingt weicher: Laute wie /p/ oder /d/ entfallen zum Teil. So sagt der Berner zum Beispiel Hung statt Hund.» Nicht zu unterschätzen, sei auch der Kontext. «Mit Berndeutsch assoziiere ich schöne Ferienorte und eine schöne Stadt.»

Das Halszäpfchen-R der Patrizier

Der Blick fällt auf die Quartiere Matte und Kirchenfeld. Sie dienen dem Wortchnübler als Überleitung zu den Soziolekten: Der Dialekt der Oberschicht lehnte an das Französische an – darum das «Halszäpfchen-R» bei Patriziern wie Rudolf von Tavel. Das R brachte der Berner Schriftsteller zwar nicht ins Rollen, dafür aber 1901 die Mundartliteratur mit dem ersten berndeutschen Roman der Literaturgeschichte.

Auch heute kommt das Berndeutsch rege schriftlich zum Ausdruck, zum Beispiel von Jugendlichen in SMS: Sie schreiben dank fehlender Grammatik «eifach fadegrad wi der Schnabu gwachse isch», lacht der Wortchnübler. Aber keine Sorge: Wechseln sie ins Hochdeutsche, sind die gelernten Regeln wieder präsent. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.05.2014, 13:21 Uhr

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