«Bern isst Bern» expandiert

Bern

Seit einem Monat hat die Stadt Bern drei Gemeinschaftskühlschränke. Darin werden auch abgelaufene Produkte deponiert. Urs Ackermann, der stellvertretende Kantonschemiker, nimmt Stellung.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Am 2. April wurden zwei Gemeinschaftskühlschränke in der Lorraine und am 9. April einer im Burgernziel in Betrieb genommen. Nach fast einem Monat Laufzeit zieht Kathrin Michel, eine der vier Initiantinnen von «Bern isst Bern», Bilanz: «Vor allem derjenige beim Lorraine Laden wird rege benutzt.» Das rühre auch daher, weil dieser von den zwei benachbarten Lebensmittelläden Lorraine Laden (Lola) und Veeconomy bestückt werden und er rund um die Uhr zugänglich ist.

Daniel König, Betriebsleiter vom Lola bestätigt, dass der Bioladen kürzlich abgelaufene Produkte teilweise in den Kühlschrank stellt. «Natürlich nur die Sachen, die wir noch als geniessbar einstufen», erklärt König.

Ein Blick in den Kühlschrank am Mittwochmittag zeigt: Eine Zitronenkuchenfertigmischung, zwei Fertigsaucen für Fleischgerichte, ein Verdauungspulver und ein leerer Eierkarton. Wer erwartet, dass er hier ein ganzes Menü zusammenstellen kann, täuscht sich. Aber den Initiantinnen geht es darum, der Lebensmittelvergeudung vorzubeugen. Auch Private dürfen hier Produkte spenden, Sachen, die sie nicht mögen oder zu viel gekauft haben.

Anders läuft es beim Kühlschrank im Q-Laden am Quartierhof. Dieser steht im Keller, der in der Nacht abgeschlossen wird. Doris Jörg, ein Vereinsmitglied, meint: «Der Kühlschrank läuft noch nicht so, ausser, dass einige Leute danach gefragt haben.» Von ihren abgelaufenen Lebensmitteln stellen sie nichts hinein, weil sie eben abgelaufen sind.

Mindesthaltbarkeit versus Verbrauchsdatum

Abgelaufene Produkte mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum in Gemeinschaftskühlschränken sieht Urs Ackermann, stellvertretender Kantonschemiker, nicht als problematisch. «Die Verantwortung liegt bei den Betreibern eines solchen Angebots. Sie müssen sich ans Lebensmittelgesetz halten, in dem die Selbstkontrolle ein zentrales Thema ist», erklärt Ackermann.

Was hingegen nicht gehe, sei, wenn Geschäfte leicht verderbliche Produkte mit abgelaufenem Verbrauchsdatum in die Kühlschränke stellen. In Ordnung seien solche, die ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen, beispielsweise Konservendosen. «Der Hersteller garantiert eine Qualität bis zu diesem Datum, aber man kann dies auch danach noch essen», so Ackermann.

Der Betreiber eines Angebots könne im Rahmen seiner Selbstkontrolle das Mindesthaltbarkeitsdatum transparent verlängern. Letztendlich entscheide ja auch der Konsument und in diesem Fall der Kühlschrankbenutzer, ob er das Produkt mitnehme oder nicht.

Um genau solchen Szenarien vorzubeugen, statten die Initiantinnen den Kühlschränken täglich einen Besuch ab. Nach Ladenschluss bis um Mitternacht dürfen Produkte, die an diesem Tag ablaufen, noch im Kühlschrank bleiben. «Am nächsten Tag entfernen wir sie», sagt Michel.

Bald neue Standorte

Die vier Studentinnen Kathrin Michel, Jana Huwyler, Nina Fassbind und Valerie Riedo erfreuen sich aber generell über viel Interesse: «Wir haben viele Anfragen erhalten», freut sich Michel. Der nächste Kühlschrank werde im Liebefeld installiert. Und am Mittwoch trafen sich die Initiantinnen mit der StudentInnenschaft der Uni Bern, die einen bei der Uni Tobler haben möchten. Auch das Restaurant Heitere Fahne in Wabern und ein Geschäft an der Effingerstrasse seien interessiert.

Die nächsten Standorte würden mit einem der vier Kühlschränken, die vom Q-Laden gespendet wurden, ausgerüstet. Ihr anfängliches Ziel, fünf Kühlschränke bis 2016 in Betrieb zu haben, werden sie somit bereits in den nächsten Wochen erreichen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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