Bern

Bern Tourismus: «Ein grüner Präsident passt»

BernSeit Dienstag ist Alec von Graffenried neuer Präsident von Bern Tourismus. Der grüne Nationalrat will daran arbeiten, dass Gäste länger in Bern bleiben, weil sie den Städtetrip mit Ausflügen aufs Land kombinieren.

Mit Elan will Bern-Tourismus-Präsident Alec von Graffenried den Gästen das Bern der Einheimischen näherbringen.

Mit Elan will Bern-Tourismus-Präsident Alec von Graffenried den Gästen das Bern der Einheimischen näherbringen. Bild: Urs Baumann

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Alec von Graffenried, welchen Geheimtipp haben Sie für Touristinnen und Touristen, die Bern besuchen?
Ich würde ihnen vorschlagen, alle Treppen in der Altstadt zu erlaufen, einen Ausflug zum Räbloch im Schangnau zu machen und im Chemmeribodenbad Meringue zu essen.

Mit Ihnen bekommt Bern Tourismus einen grünen Präsidenten. Anbieter von motorisierten Stadtrundfahrten werden es wohl auch in Zukunft schwer haben...
Das hat aber nichts mit meiner Parteizugehörigkeit zu tun. Ich glaube, Bern kann man einfach besser zu Fuss erleben. Die Stadt eignet sich nicht besonders gut für Carrundfahrten.

Inwiefern wirkt sich Ihre politische Ausrichtung auf Ihr Amt bei Bern Tourismus aus?
Ich kann natürlich nicht aus meiner Haut. Ich finde, dass man sich mit nachhaltigem Tourismus ein Profil geben kann. Ein Profil, das sehr gut zu Bern passt. Und dazu passt wiederum, dass ich ein grüner Präsident bin. Der Vorstand ist aber politisch breit abgestützt.

Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?
Ich möchte, dass Touristinnen und Touristen Bern so erleben können wie die Einheimischen. Was in Bern noch viel zu wenig verkauft wird, ist die Aare, das Schwimmen im Fluss. Wenn ich Gästen sage, dass das Aarewasser praktisch Trinkwasserqualität hat, können sie das nicht glauben. Über solche Attraktionen müssen wir uns mehr verkaufen.

Bern Tourismus hat nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern auch einen neuen Auftritt als «Destination Bern».
Unter dem Label «Destination Bern» sollen die Stadt und das Land zusammenwachsen. In der Stadt haben wir viele Hotelbetten, aber die Gäste bleiben nicht lange genug. Auf dem Land haben wir wenige Hotelbetten, aber viele touristische Angebote. Das Ziel ist, dass die Gäste in Bern übernachten und von hier aus Ausflüge unternehmen. Man macht einen Städtetrip und geht im Emmental eine Kuh melken. Oder im Gantrisch langlaufen.

Sie wollen als Tourismuspräsident Einfluss nehmen.
Nicht so viel Einfluss, wie gewisse Leute meinen (lacht). Ich wechsle nicht den Job. Bern Tourismus hat eine Geschäftsstelle, und dort arbeiten Profis. Sie definieren das Angebot. Ich bin Teil des strategischen Führungsgremiums, das ganz klar im Hintergrund wirkt.

Sie sind Jurist, Nationalrat, waren Regierungsstatthalter. Inwiefern kann Bern Tourismus davon profitieren?
Mein Netzwerk stelle ich gerne zur Verfügung. Damit die Organisation in Ruhe arbeiten kann, muss sie gut vernetzt sein. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Dazu gehört auch die Finanzierung.

Dort setzen Sie sicher grosse Hoffnungen in die Tourismusförderabgabe.
Das ist eine Möglichkeit. Darauf setzen wir im Moment. Es muss eine zweckgebundene Finanzierung eingeführt werden. Aber mit dem Wachsen von Bern Tourismus in die Region muss man natürlich auch dort Unterstützung suchen. (Siehe dazu Box.)

Was reizt Sie persönlich an Ihrem neuen Amt?
Ich habe sehr gerne Gäste. Gastfreundschaft zu pflegen, ist etwas vom Schönsten, das man machen kann. Eine Stadt, die gut Gäste beherbergen kann, ist auch für ihre Bewohnerinnen und Bewohner lebenswert. Mit der hohen Lebensqualität können wir Bern auch touristisch vermarkten.

Mit welchen Vorzügen würden Sie Bern verkaufen?
Mit der Dynamik des Aarewassers und der Entschleunigung.

Was ist aus Ihrer Sicht die Topsehenswürdigkeit von Bern?
Ich will nicht nur eine nennen. Wir haben viele.

Sie dürfen durchaus auch mehrere nennen.
Die Altstadt, die lebendig und bewohnt ist und durch jede Generation neu interpretiert wird. Die Verzahnung von Stadt und Land, die Nähe der Erholungsräume und die Gelassenheit unserer Bevölkerung.

Der Bärenpark ist nach noch nicht einmal einem Jahr ein Publikumsmagnet. Die Vermarktung wirkt aber eher unprofessionell.
Das würde ich so nicht unterschreiben. Man hat wohl in den kühnsten Prognosen nicht mit diesem überwältigenden Erfolg gerechnet. Darum muss man jetzt in gewissen Punkten etwas nachbessern.

Kann es sich die Stadt Bern leisten, dass sie mit einer Attraktion wie dem Bärenpark kein Geld einnimmt?
Es ist nicht an Bern Tourismus, so etwas festzulegen. Ich finde, es ist ein Trumpf, dass der Park frei zugänglich ist. Der Betrieb muss sich aber einigermassen selber finanzieren. Die grosse Masse von Besuchern verursacht wiederum Kosten. Zum Beispiel für die Sicherheit. Zusatzangebote können helfen, diese Kosten zu decken.

Nächstes Jahr wird der Schweizerhof wiedereröffnet. Ist der Berner Markt gross genug für ein zweites Fünfsternehotel?
Ja, unbedingt. Wir brauchen dieses Fünfsternehotel und vielleicht sogar noch ein weiteres. Der Schweizerhof ist kein neues Hotel. Wir hatten diese Betten früher schon einmal. Also ist das keine Steigerung der Kapazität.

In Sachen Luxushotels hat Bern also Aufholbedarf?
Es braucht Betten in jeder Kategorie. Das Fünfsternesegment ist die Spitze der Pyramide. Darunter muss auch die Basis stimmen. Gewisse Events können nicht stattfinden, wenn Betten in den oberen Kategorien fehlen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.06.2010, 08:05 Uhr

Die Gemeinden sollen mitfinanzieren

Die Marke «Bern» soll ab 2011 nicht mehr ausschliesslich für die Stadt Bern und deren Umgebung stehen, sondern für die gesamte touristische «Destination Bern». Die Regionen Emmental, Gantrisch, Laupen und Oberaargau werden neu von Bern Tourismus vermarktet (wir berichteten). An der gestrigen Mitgliederversammlung von Bern Tourismus war erstmals das neue Logo der Destination Bern zu sehen. Das vertraute «capital impressions» mit der blauen Aareschlaufe verschwindet, das Label «Bern» wird neu mit dem Schriftzug der entsprechenden Region ergänzt. Verbindendes Element ist das Schweizer Kreuz. Für kleinere Tourismusregionen sei es interessant, sich unter dem Dach von Bern Tourismus präsentieren zu dürfen, sagte Marketingleiter Thomas Lüthi. Längerfristig müsse den Gemeinden dieser Auftritt aber etwas wert sein, tönte der neue Präsident von Bern Tourismus, Alec von Graffenried, an. «Unser Ziel ist, dass die Gemeinden Bern Tourismus mitfinanzieren, wenn wir für sie werben», sagte der Nachfolger von Mathias Tromp.

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