Behördliche Schönfärberei zu Sozialhilfemissbrauch

Bern

Auf Druck von Regierungsstatthalterin Regula Mader hat die Schweizerische Depeschenagentur SDA ihre Berichterstattung über die Pressekonferenz zum Sozialhilfemissbrauch vollständig umgeschrieben. Interventionen gab es auch seitens des städtischen Medienbeauftragten.

«Statthalterin bestätigt Missbrauch in 38 der 97 Dossiers» titelte die Depeschenagentur ihre erste Meldung, die sie um 11.30 Uhr an die Medien verbreitete. Im Text wurde kurz dargestellt, dass der Untersuchungsbericht von Regierungsstatthalterin Regula Mader zum Schluss gekommen sei, dass die Missbrauchsvermutung bei 38 von 97 Dossiers berechtigt gewesen sei. 30 Minuten später bat die SDA die Redaktionen, die Meldung «nicht zu verwenden». Sie müsse umgeschrieben werden. Kurz nach 13 Uhr meldete sich der Informationsbeauftragte der Stadt Bern, Walter Langenegger, auf der Online-Redaktion der Berner Zeitung an und bat, den besagten Artikel von der Website zu entfernen. Die publizierten Zahlen würden ein falsches Bild vermitteln, sagte er.

Kurz vor 15 Uhr folgte dann eine völlig veränderte Berichterstattung mit der Ueberschrift: «Statthalterin beschränkt sich auf Kategorisierungen». Auffälligstes Merkmal: das Wort «Missbrauch» wurde darin wortreich umschifft.

Regierungsstatthalterin Regula Mader habe nach Publikation der ersten Meldung «vehement interveniert» erklärte SDA-Chefredaktor Bernard Maissen auf Anfrage. Die zuerst verbreitete Meldung sei aber «inhaltlich korrekt». Deshalb sei die erste Fassung nicht im eigentlichen Sinn zurückgerufen worden und es handle sich bei der zweiten Version auch nicht um eine «Berichtigung», sondern um eine «neue Fassung». Diese sei aber zugegebenermassen vorsichtiger formuliert, während die erste Fassung eher «zugespitzt» worden sei. Walter Langenegger von der städtischen Verwaltung wiederum erklärte, er habe bei der SDA lediglich die «Präzisierung» eines Zitats verlangt und die Online-Redaktoren der Berner Zeitung darauf aufmerksam machen wollen.

bernerzeitung.ch publiziert beide Fassungen der SDA-Meldung, damit sich die User ein eigenes Urteil bilden können.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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