Bern

Bald liegt jeder der 135'000 Steine am richtigen Ort

BernEndspurt auf der Grossbaustelle in der Berner Marktgasse: Bis Ende August sollte jeder der 135'000 massgeschneiderten «Bsetzisteine» aus Obwalden eingesetzt sein.

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Unter den aufmerksamen Blicken der Passanten klopft Manuel Silva Stein für Stein in das Kiesbett der Berner Marktgasse. Der gebürtige Portugiese ist Mitarbeiter der Firma Enz, die den Auftrag für die neue Pflästerung der Marktgasse erhalten hat. Manuel Silva arbeitet bereits seit 20 Jahren als Pflästerer, seit 14 Jahren lebt er in der Schweiz.

Die Arbeiter, welche die Marktgasse pflästern, sind mehrheitlich Portugiesen. «Wir finden kaum noch Schweizer Pflästerer. Die Portugiesen arbeiten schnell und genau, Portugal ist eine Hochburg der Pflästererkunst», sagt Oliver Josi, Leiter Pflästerungen bei der ausführenden Firma Enz. Die Baustelle gleicht einem wilden und dennoch geordneten Durcheinander – alles hat System. Gesprochen wird mehrheitlich portugiesisch.

20 Quadratmeter pro Tag

Pflasterstein nach Pflasterstein: Die Arbeit sieht ziemlich monoton aus. Pflästerer Manuel Silva widerspricht: «Trotz der immer wieder gleichen Schritte ist die Arbeit für mich nicht eintönig.» Während er Fragen beantwortet, arbeitet er munter und konzentriert weiter und sagt: «Es gibt beim Pflästern viele Details und Finessen zu beachten.» So müssen gemäss den Vorgaben der Stadt Bern die Steine möglichst eng aneinander verlegt werden. Dadurch soll sich laut Oliver Josi die Stabilität der Pflästerung verbessern. Das enge Verlegen der Steine bringt zusätzlichen zeitlichen Aufwand mit sich.

Seit Juni und noch bis Ende August sind zehn bis zwanzig Arbeiter täglich damit beschäftigt, Pflastersteine zu verlegen. Laut Oliver Josi verlegt ein Pflästerer ungefähr 20 bis 30 Quadratmeter Stein pro Tag.

Abgebaut in Obwalden

Die Steine für den neuen «Marktgass-Teppich» sind im Obwaldner Guber-Steinbruch abgebaut und verarbeitet worden. Es ist der einzige Anbieter dieser Art in der Schweiz. Der «Bsetzistein», der nun in Bern verwendet wird, ist mit 90 Rappen pro Kilo relativ teuer. Trotzdem hat sich die Stadt für diesen Stein entschieden. Es galt, Steine zu bestellen, bei denen ausgeschlossen werden konnte, dass sie in Kinderarbeit in Asien abgebaut wurden. Weitere Kriterien bei der Auftragsvergabe waren der Standort Schweiz und die Qualität der Steine.

1550 Tonnen Stein

Rund 135'000 «Bsetzisteine», rund 1550 Tonnen schwer, werden laut Christian Yoller, technischer Leiter der Guber Natursteine AG, nun in der Marktgasse verbaut. Der Abbau begann bereits im November 2012, da es sich um eine Spezialanfertigung handelt. Die Steine wurden nach dem Hauen zusätzlich «geflammt». Das bedeutet, dass sie feiner abgeschliffen werden, ohne dass die natürliche Optik verloren geht. Die Kosten für die Steine und die Pflästerarbeiten allein betragen laut dem Tiefbauamt rund 2 Millionen Franken.

Die Berner haben die nun bald zu Ende gehenden Arbeiten und Einschränkungen aufmerksam verfolgt – schliesslich geht es um Berns Hauptgasse. Pflästerer Manuel Silva sieht dies nüchterner: «Für mich ist es eine Baustelle wie jede andere.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.08.2013, 08:42 Uhr

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