Bärenpark: Die Kosten explodieren noch einmal

Bern

Der Berner Bärenpark wird noch teurer: Im schlechtesten Fall kostet er 23,6 Millionen Franken statt der einst kommunizierten 10 Millionen. Der Hang drohte abzurutschen. Das machte aufwändige Sicherungen nötig.

Video: Telebärn.
Christoph Aebischer@cab1ane

«Das Erfreuliche ist das Endresultat», so leitete Stadtbauten-Verwaltungsratspräsident Peter Gurtner gestern vor den Medien ein, bevor er lauter Unerfreuliches mitteilen musste. Der Bärenpark, der am 25.Oktober als neues Aushängeschild der Stadt Bern eingeweiht wird, kostet im Extremfall 23,6 Millionen Franken. Die Kosten des vom Stimmvolk genehmigten Projekts waren mit 10 Millionen veranschlagt. Vor einem Jahr erhöhte sich die Zahl auf 14,5 Millionen Franken. Diese Mehrkosten erklärte die Stadt grösstenteils mit Problemen in der Geologie. Selbst das allererste, wegen zu hoher Kosten 2004 abgeblasene Projekt (16 Millionen) wirkt, verglichen mit den aktuellsten Zahlen, fast bescheiden.

Dramatische Entwicklung

Zur Kostenexplosion führte eine dramatische Entwicklung im letzten Winter. Die Bauarbeiter seien plötzlich mit grossen Mengen von Hangwasser konfrontiert gewesen. «Beinahe jede Baggerschaufel hätte das Abrutschen des Hangs bedeuten können», sagte Stabe-CEO Rudolf Lanzrein. Dies habe «eine echte Gefährdung von Leib und Leben dargestellt». Selbst mit dem Abrutschen des alten Tramdepots habe gerechnet werden müssen. Dank sofort eingeleiteten Sicherungsmassnahmen sei nichts geschehen. «Als Folge davon liefen aber die Kosten aus dem Ruder», räumte Peter Gurtner ein. Ein Baustopp wäre laut Lanzrein nicht möglich gewesen, da der Hang so oder so habe gesichert werden müssen. Zudem hätten die gesprochenen privaten Sponsoring- und Kantonsgelder in Höhe von 11,66 Millionen Franken zurückbezahlt werden müssen. «Ein solches Szenario hätte einen Totalschaden von 30 Millionen Franken verursacht», sagte Lanzrein.

Untersuchung gefordert

Weshalb nicht bereits im Frühjahr über die erneute Eskalation orientiert worden ist, kann sich Gurtner nicht erklären. Er habe erst am 16.September vernommen, dass die Kosten noch höher ausfallen würden. Erst weitere Abklärungen hätten das Ausmass an den Tag gebracht. Auch zum heutigen Zeitpunkt bestehe aber «keine volle Kostentransparenz», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Gurtner. Der Verwaltungsrat der Stadtbauten (Stabe), die zu 100 Prozent der Stadt Bern gehörten, habe dann aus eigenem Antrieb den Gang an die Öffentlichkeit veranlasst. Druck von Seiten des Gemeinderates habe es keinen gegeben. Dem Gemeinderat, der gestern nicht an der Medienorientierung teilnahm und erst morgen informieren will, sei eine Administrativuntersuchung beantragt worden. Sie solle innerhalb von drei bis vier Monaten Klarheit schaffen, was falsch gelaufen sei, so Gurtner.

Lanzrein erklärte sich zwar bereit, die Verantwortung zu übernehmen, falls Fehlleistungen der Stabe festgestellt würden. «Ein Rücktritt ist aber keine Option», sagte er. Er verwies auf die unübliche Projektorganisation, die vom Gemeinderat eingesetzt worden ist. Zudem machen Stabe gegenüber der Planergemeinschaft und dem Geologenbüro finanzielle Forderungen geltend (vergleiche Kasten rechts). Lanzrein verteidigte sein Unternehmen. Bis auf wenige Ausnahmen habe man die Kosten im Griff. Beim Feuerwehrstützpunkt Forsthaus, der statt 35 Millionen nun 53,9 Millionen Franken kosten solle, handle es sich nicht um eine Kostenüberschreitung, sondern um eine nach oben korrigierte Kostenschätzung.

Der Verwaltungsrat hält an CEO Lanzrein fest, stellt ihm aber Verwaltungsrat und Bauspezialist Hans-Rudolf Schreiber zur Seite. «Die operative Verantwortung verbleibt aber beim CEO», betonte dieser. Die Mehrkosten für den Bärenpark sollen gemäss gestern gemachten Angaben über Rückstellungen der Stabe oder im schlimmsten Fall über den Gewinn oder die Aufnahme von externen Geldern beglichen werden. Die höheren Mietfolge- und Amortisationskosten von maximal 500000 Franken pro Jahr sollen über die laufende Rechnung bezahlt werden. Je nach Höhe der Mehrkosten werde der Verwaltungsrat, der Gemeinderat oder der Stadtrat den Kredit genehmigen müssen.

Hayoz sagt noch nichts

Bärenpark-Promotorin, FDP-Gemeinderätin und Stabe-Verwaltungsrätin Barbara Hayoz (FDP) wollte gestern noch nicht Stellung nehmen zur Kostenentwicklung. Ihr Ziel war, den Bärenpark zu 100 Prozent über Sponsorengelder zu finanzieren.

Berner Zeitung

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