BLS-Werkstätte: Stadt lenkt ein und stellt Bedingungen

Statt zwei Standorte deren drei, statt 20 Hektaren nur noch deren 15: Die BLS verschiebt ihre umstrittene neue Werkstätte nach Westen ins Gebiet Chliforst – und nimmt so die Stadt Bern ins Boot.

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Stephan Künzi

Also doch. Gut anderthalb Jahre nach der Präsentation ihres Projekts für eine neue Werkstätte im bäuerlichen Westen von Bern ist die BLS zur Einsicht gekommen, dass sie nicht länger auf einer Maximallösung beharren kann. Zu schlecht war die Idee angekommen, das Gleisfeld und die Hallen zwischen die Weiler Buech und Riedbach zu legen und dafür nicht weniger als 20 Hektaren Kulturland zu opfern.

Die BLS legte einen Halt ein, setzte eine Begleitgruppe ein mit dem Auftrag, das Projekt kritisch unter die Lupe zu nehmen – und siehe da: Plötzlich rückt die Bahn von der Vorgabe ab, den Fahrzeugunterhalt an zwei Standorten zu konzentrieren. Neben dem erweiterten Depot in Spiez und dem neuen Standort im Westen Berns soll dafür weiterhin auch die alte Werkstätte in Bönigen zuständig sein.

Sie übernimmt die grossen Revisionen, während in Spiez und in Bern-West die kleineren Arbeiten des laufenden Unterhalts erledigt werden.

Hörbar ohne Begeisterung

Damit hat es sich allerdings bereits mit den guten Nachrichten. Denn in einem Punkt ist auch die Begleitgruppe bei ihrer Suche nach Alternativen zu Riedbach gescheitert. Eigentlich hatte sie sich zum Ziel gesetzt, keine Insellösungen auf der grünen Wiese vorzuschlagen. Doch als sie im September ihre Arbeit abschloss, war alles anders: Die Gruppe empfahl der BLS, im Gebiet Chliforst und damit an einem Standort zu bauen, der sogar noch etwas weiter im ländlichen Westen, noch etwas weiter vom Rand der Stadt Bern weg liegt.

Die BLS folgt ihr nun auch in diesem Punkt, und Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli führte am Montag vor den Medien ziemlich überraschend betriebswirtschaftliche Gründe für den Entscheid an. Er tat dies mit Blick darauf, dass das Gelände im Gebiet Chliforst ebener ist als zwischen Buech und Riedbach.

Das mache kleinere Erdbewegungen nötig, was automatisch die Baukosten senken werde – vor diesem Hintergrund rechnete er vor: Ein Konzept mit den drei Standorten Bönigen, Spiez und Chliforst komme unter dem Strich günstiger zu stehen als ein Konzept, das nur auf die zwei Standorte Spiez und Riedbach abstelle.

Vorsichtig positiv zeigte sich Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Das war insofern nicht ganz selbstverständlich, als sich die Stadtbehörden noch vor kurzem äusserst kritisch gezeigt hatten. Deshalb gaben sie bei ETH-Verkehrsexperte Ulrich Weidmann ein Gutachten in Auftrag, worauf prompt die Gemeinde Allmendingen als besser geeignet in den Fokus geriet.

Trotzdem gab Tschäppät nun zu Protokoll, dass der Berner Gemeinderat das Projekt im Gebiet Chliforst zurzeit mittrage. Er tat dies hörbar ohne Begeisterung, ungeachtet dessen, dass mit der Werkstätte 300 Ar­beitsplätze und Investitionen in Millionen­höhe verknüpft sind: «Das Gebiet Chliforst ist die beste unter allen schlechten Lösungen, die evaluiert worden sind.» Wenigstens liege es so weit auf dem Land, dass es die weitere Entwicklung der Stadt nicht störe.

Tschäppät stellte auch Forderungen, allen voran jene, dass die bestehende Schiessanlage in den Untergrund der neuen Werkstätte verlegt wird. Natürlich ohne Kosten für die Stadt.

Abgespeckt auf 15 Hektaren

Ob sich dieser Wunsch erfüllen wird, bleibt aber offen. Verwaltungsratspräsident Stämpfli relativierte jedenfalls gleich, erklärte, noch sei offen, ob eine unterirdische Anlage technisch überhaupt machbar sei. Auch ander­weitig muss die BLS mit starkem Gegenwind rechnen. Zwar wird die Werkstätte neu nur noch rund 15 Hektaren Land verschlingen. Allerdings wird sie in den Wald hineingebaut, und dieser ist noch strenger geschützt als das Kulturland.

Trotzdem gab sich Stämpfli zuversichtlich, den Zeitplan einhalten zu können. Zwar muss die BLS ihr Depot in Bern-Aebimatt schon zum Jahreswechsel 2020 räumen. Weil sie dann vorübergehend bei den Freiburger ­Verkehrsbetrieben unterkommt, muss der Neubau nicht vor 2025 fertig sein. Baubeginn wäre etwa 2022 oder 2023, und so bliebe genug Zeit für die Planungs- und Bewilligungsprozesse.

Dass sich diese in die Länge ziehen werden, zeichnet sich schon ab. Zwar will die BLS eine sogenannte Dialoggruppe einsetzen, in der sich Betroffene und Interessengruppen ins Projekt einbringen können. Diverse Organisationen und auch Private haben aber bereits Widerstand angekündigt.

Berner Zeitung

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