Ausbau der A1 auf acht Spuren kostet eine Viertelmilliarde

Bern

Die Projektierung für den Ausbau der A1 über das Grauholz ist angelaufen. Geht alles nach Zeitplan, wird sie bis 2027 auf acht Spuren erweitert – was nach derzeitiger Schätzung 250 Millionen Franken kosten soll.

Auf acht Spuren soll die Autobahn übers Grauholz ausgebaut werden. 2027 könnte es so weit sein.

Auf acht Spuren soll die Autobahn übers Grauholz ausgebaut werden. 2027 könnte es so weit sein.

(Bild: Bruno Petroni)

Seit kurzem sind die Ingenieure des Büros Basler und Hofmann an der Arbeit. In zwei Jahren sollen sie ein generelles Projekt vorlegen, das danach im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) den internen Genehmigungsprozess durchläuft und 2019 vom Bundesrat bewilligt werden soll. Erst danach wird das detailliertere Ausführungsprojekt erarbeitet und ungefähr 2022 öffentlich aufgelegt. «Die Zahlen sind aber noch mit Vorsicht zu geniessen», warnt Mark Siegenthaler, Kommunikationsbeauftragter des Bundesamtes für Strassen in Thun.

Bis zu 120'000 Autos täglichWas so technisch klingt, kann zu heftigen politischen Diskussionen führen. Am Grauholz wurden bereits verschiedene Schlachten geschlagen – auch verkehrspolitische. Als die Autobahn 1962 als zweites schweizerisches Autobahnteilstück überhaupt eingeweiht wurde, überwog der Stolz. Als dreissig Jahre später die Diskussion über einen Ausbau auf sechs Spuren begann, formierte sich wie auch anderswo Widerstand gegen den Ausbau des Strassennetzes. 1983 reichte ein Komitee eine Petition mit 27000 Unterschriften ein, später doppelte der VCS mit Initiativen nach. Regierung und Grosser Rat hielten am Ausbau fest.

Viereinhalb Jahre dauerten die Bauarbeiten zwischen Wankdorf und Schönbühl, bis die zwei zusätzlichen Spuren Ende 1995 dem Verkehr übergeben werden konnten. Täglich schlängelten sich 70'000 Fahrzeuge über die Grossbaustelle. Damit war die Frequenz seit Eröffnung um das Siebenfache gestiegen. Heute drängeln täglich 100'000 Fahrzeuge über den Hügel. 2030 sollen es laut Prognose 120'000 sein. Auch die Kostenentwicklung ist eindrücklich: 30 Millionen Franken kostete der Neubau der Grauholz-Autobahn. Auf 90 Millionen belief sich die Verbreiterung auf sechs Spuren. Und 250 Millionen kostet nach derzeitiger Schätzung der Achtspur-Ausbau. Gestiegen sind nicht nur die Anforderungen an die Belastbarkeit der Strasse.

Dazugekommen sind auch die Elektronik für die Verkehrsleitsysteme und Massnahmen für Umwelt- und Lärmschutz. So muss zum Beispiel nach neuen Standards das Regenwasser von der Fahrbahn, das sogenannte Meteorwasser, separat gefasst und in Strassenabwasser-Behandlungsanlagen geleitet werden. Allein zwischen Grauholz und Niederwangen wurden eben sechs solche Anlagen gebaut, von denen vier bereits in Betrieb sind. Besonders gut sichtbar ist sie in Niederwangen: Dort werden die Abwasser bei der Einfahrt geklärt, von aussen sieht das aus wie ein Weiherbiotop.

5,5 Milliarden für Ausbau

Das Geld für das Grauholz steht im sogenannten Infrastrukturfonds des Bundes bereit, wo 5,5 Milliarden Franken für die landesweiten «Engpassbeseitigungen» reserviert sind. Allerdings muss es noch vom Bundesparlament für das spezifische Projekt bewilligt werden.

Ebenfalls im Rahmen Engpassbeseitigung ist der Ausbau der Strecke Schönbühl–Kirchberg aufgeführt. Das Vorgehen für Planung und Finanzierung ist dasselbe. Mit dem Unterschied, dass alles drei Jahre später stattfinden soll und erst die Planung, aber nicht der Bau finanziert ist.

Mit den beiden Projekten rückt der Ausbau auf sechs Spuren der A1 näher. Zwischen Härkingen und Wiggertal ist er realisiert. Zwischen Luterbach und dem Autobahnkreuz Härkingen soll ab 2018 für 750 Millionen Franken ausgebaut werden. Verändert hat sich seit den 80er-Jahren die verkehrspolitische Ausgangslage: Damals wehrten sich basisdemokratische Komitees gegen die Pläne der Regierungen. Im Fall des achtspurigen Ausbaus zwischen Bern und Schönbühl hatte die rot-grüne Berner Regierung Widerstand angekündigt. Den hat sie aufgrund des Bedarfsnachweises aufgegeben. In der Bevölkerung dürfte die Stimmung klar für den Ausbau sein, wie neue Umfragen nahelegen.

Berner Zeitung

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