Aufgefallen: So viele leere Wohnungen

Lyss

Bei den Schweizer Gemeinden mit besonders hohem Leerwohnungsbestand ist Lyss auf Rang drei. Gemeindepräsident Andreas Hegg verteidigt seine Gemeinde und betont deren Attraktivität.

<b>Andreas Hegg (FDP)</b>, Gemeindepräsident von Lyss, sagt, Wohnraum sei in Lyss sehr gefragt (Archivbild).

Andreas Hegg (FDP), Gemeindepräsident von Lyss, sagt, Wohnraum sei in Lyss sehr gefragt (Archivbild).

(Bild: Nicole Philipp)

Plötzlich schien es, als ob der Lysser Gemeindepräsident Andreas Hegg irgendwo in einem abgelegenen Landstrich zu Hause wäre. Als letzte Woche die Immobilienexperten von Wüest und Partner ihre Liste von Schweizer Gemeinden mit besonders hohem Leerwohnungsbestand präsentierten, landete sein Dorf überraschend auf Rang drei.

Hinter Le Locle im Neuenburger Jura, von wo aus es schon nur nach Neuenburg gut eine halbe Stunde und nach Bern als nächstgrösserem Zentrum noch viel weiter ist. Und sogar noch vor Langenthal im Oberaargau, das wegen seiner peripheren Lage im Kanton schon länger als Gebiet mit vielen freien Wohnungen und günstigen Mieten gilt.

Aber Lyss, wo Bern nur 17 und Biel sogar nur 8 Bahnminuten entfernt liegt? Andreas Hegg kann der Rangliste nicht viel abgewinnen. Der freisinnige Politiker erklärt, dass Wohnungsleerstände allein durch Art der Berechnung plötzlich in die Höhe schnellen könnten. Und erinnert weiter daran, dass bislang im Dorf das genaue Gegenteil diskutiert worden ist.

Gebäude um Gebäude, Quartier um Quartier wurde in den letzten Jahren hochgezogen, in vergleichsweise kurzer Zeit erhöhte sich die Einwohnerzahl um 3000 auf heute 15'000. Da fragte sich manch einer bang: Ob ein solches Wachstum Lyss nicht seiner Seele beraubt, Lyss nicht zur anonymen Agglosiedlung werden lässt?

«Ich erlebe es auf alle Fälle ganz anders», wiederholt Hegg. Wohnraum in Lyss sei sehr gefragt. Er erinnert an das Gerber-Areal beim Bahnhof oder an das Neubaugebiet Stigli-Spinsmatte im Süden der Gemeinde, die sich beide rasch gefüllt hätten.

Und er sagt, dass die Lysser Immobilienbesitzer auch weiterhin kaum auf ihren Wohnungen sitzen bleiben werden. Zuversichtlich stimmt ihn allem voran das Areal der einstigen Biskuitfabrik Kambly, wo die Arbeiten an den geplanten knapp 180 Wohnungen gerade richtig losgehen: Die Eigentümer würden kaum derart investieren, wenn sie nicht an den Erfolg glauben würden, betont er.

Hegg weiss sehr wohl, dass Immobilien zurzeit relativ viel abwerfen. Dass Bauen deshalb attraktiv ist und dieser Boom, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, auch in seiner Gemeinde unübersehbare Spuren hinterlässt. Dennoch blickt er mit Zuversicht in die Zukunft. Weil Lyss eben so gut zwischen mehreren Zentren liege. Und deshalb alles andere als ein Zuhause irgendwo in einem abgelegenen Landstrich biete.

Berner Zeitung

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