Bern

Ein Turm gegen den Atomstrom

BernAm Samstag bauten Anti-AKW-Aktivisten vor dem Münster ein Mahnmal: Auch zwei Jahre nach Fukushima dürfe die Katastrophe nicht aus den Köpfen verschwinden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jonas Knobel sitzt auf den Pflastersteinen des Münsterplatzes und malt konzentriert auf eine Holztafel. «Keine tötliche Energie» schreibt er in wackligen Buchstaben. «Spätestens nach Fukushima wäre es doch klar gewesen: Man muss alle AKW abschalten», sagt der 10-jährige Halbjapaner. «Ich habe Angst, dass so eine Katastrophe auch hier bei uns passiert.»

Mit seinem Anliegen war Jonas Knobel am Samstag nicht alleine: Rund 300 Menschen versammelten sich vor dem Berner Münster, um an Fukushima und die Gefahren von Atomstrom zu erinnern. Zentrum der Aktion war ein fünf Meter grosser Holzturm, der ab 13 Uhr von den Aktivisten errichtet wurde. Kletterer mit Greenpeace-Helmen turnten während des ganzen Nachmittags daran herum, um Dutzende Protesttafeln an den Baumstämmen zu befestigen. «Das Holz wird nach der Aktion geschreddert und der EWB übergeben, die daraus Strom erzeugt», erklärte Bettina Wyler, Leiterin der Organisatorin Greenpeace Regionalgruppe Bern. Der Turm wurde noch am Samstag abgebaut.

Radioaktive Verseuchung

Nicht nur auf den Holztafeln, sondern auch in verschiedenen Reden wurde die Atomkatastrophe Fukushima wieder heraufbeschworen. So lasen Aktivisten einen offenen Brief des japanischen Journalisten und Autoren Satoshi Kamata vor, in welchem eindringlich die Situation vor Ort beschrieben wurde. «Immer noch werden stark verseuchte Fische gefangen», schreibt Kamata. «Bei Kindern werden die ersten Fälle von Schilddrüsenkrebs festgestellt.» Auch Ruiko Mutoh, Leiterin der AKW-Fukushima-Klagegemeinschaft in Japan, hat eine Botschaft an die Schweiz verfasst. Sie beschuldigt die japanische Regierung, die Entschädigungszahlungen «nur sehr schleppend» zu verrichten. Zudem habe der Staat die finanzielle Unterstützung für jene gestrichen, die aus der Präfektur Fukushima geflüchtet seien. Die beiden Reden wurden mit Applaus der Anwesenden quittiert.

Nebst dem Atomkraftwerk Fukushima war auch jenes in Mühleberg Thema – in mehreren Reden forderten Aktivisten, das AKW sofort abzuschalten. Auch Bettina Wyler sieht Handlungsbedarf: «Der Bund hat zwar den Atomausstieg beschlossen, aber die Frist von 2034 ist zu weit weg.» Und es könne ein Umdenken passieren: In Japan möchte beispielsweise die neue Regierung um den Ministerpräsidenten Shinzo Abe den Atomausstieg rückgängig machen. «Fukushima darf deshalb nicht vergessen werden», betonte Wyler mit einem Blick zum Turm. (dln/sda)

Erstellt: 11.03.2013, 08:38 Uhr

Artikel zum Thema

Greenpeace projiziert Fukushima auf AKW-Turm

Mühleberg In der Nacht waren auf dem Turm des Kernkraftwerks Mühleberg plötzlich Risse sichtbar. Bei der unheimlichen Ansicht handelt es sich um eine Aktion von Greenpeace mit einer Videoprojektion. Mehr...

Mühleberg: Greenpeace spricht von Täuschungsmanöver

Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe gegen das Bundesamt für Energie. Dieses habe bei der Prüfung der Erdbebensicherheit des Staudamms von Mühleberg oberhalb des Kernkraftwerks geschummelt. Mehr...

Tausende marschierten gegen Mühleberg an

Bern Ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima demonstrierten rund 8000 Menschen vor dem AKW in Mühleberg. Sie fordern die sofortige Stilllegung der älteren Kernkraftwerke Mühleberg und Beznau. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Das andere Rote Meer: Ein 7-jähriger Besucher der Lego-Show Bricklive in Glasgow taucht in einem Becken voll Spielzeug-Steinchen ab. (20. Juli 2017)
(Bild: Jeff J. Mitchell/Getty Images) Mehr...