Auch eine KVA muss entsorgt werden

Bern

Die KVA-Gebäude am Warmbächliweg enthalten Asbest, Schwermetalle und Dioxin und können daher kaum in die geplante Wohnüberbauung einbezogen werden. Der Stadtrat will diese Möglichkeit dennoch offenhalten.

Hier wird Berns Abfall verbrannt und daraus Energie gewonnen. Im Kehrichtbunker sind Ablagerungen von Schwermetallen und Dioxin festgestellt worden.<p class='credit'>(Bild: Stefan Anderegg)</p>

Hier wird Berns Abfall verbrannt und daraus Energie gewonnen. Im Kehrichtbunker sind Ablagerungen von Schwermetallen und Dioxin festgestellt worden.

(Bild: Stefan Anderegg)

Muss eine Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) verschwinden, bleibt Abfall zurück, der entsorgt werden muss, zum Teil giftiger. So wird es auch bei der KVA am Warmbächliweg sein. Hier soll einst ein Quartier mit 250 Wohnungen entstehen. Der Kehricht wird künftig in der Energiezentrale im Forsthaus verbrannt, die 2013 den Vollbetrieb aufnehmen soll.

Beim Abstellen und Rückbauen der fast 50 Jahre alten bisherigen KVA im Holligenquartier fallen vor allem Beton, Stahl und Anlagenbauteile an, die fachgerecht wiederverwertet werden. Man wird aber auch auf belastetes Baumaterial treffen. Die Eigentümerin Energie Wasser Bern (EWB) hat bei Sondierbohrungen im Kehrichtbunker Ablagerungen von Schwermetallen und Dioxin festgestellt. Deshalb muss dieses Material gemäss EWB-Mediensprecherin Alexandra Jäggi separat entsorgt werden. Auch Asbest findet sich laut EWB-Angaben noch auf dem Areal. Dies allerdings nur noch in der Isolationsschicht von zwei alten Kohlekesseln, so Jäggi. Die Kessel würden vor dem Rückbau deshalb separat behandelt. EWB wird Spezialfirmen einsetzen.

EWB bohrte im Boden

In den übrigen Teilen der alten KVA sollte es keine Überraschungen betreffend belastetem Baumaterial geben. Die Gebäude seien in den letzten Jahren in Bezug auf Asbestrückstände bereits saniert worden, sagt Jäggi. Im Boden führte EWB letztmals 2006 Sondierbohrungen durch, um den Baugrund zu untersuchen. Dabei sei man auf keinerlei Altlasten gestossen.

Die bisher gemachten Abklärungen sind wichtig – auch weil es um viel Geld geht. Im Vertrag, den EWB dereinst mit der Stadt für den Verkauf des Areals abschliessen wird, ist festgehalten, dass das Areal altlastenfrei zu übergeben ist. Zudem gibt es eine zehnjährige Garantie: Tauchen während dieser Frist doch noch Altlasten auf, ist EWB für deren Entsorgung zuständig. Das könnte dann der Fall sein, wenn am Warmbächliweg mehrstöckig in den Boden gebaut würde. «Das Aushub- und Abbruchmaterial wird während des Rückbaus kontrolliert», kündet EWB-Sprecherin Jäggi an. Derzeit wird zudem die Bausubstanz der drei Betonkamine untersucht.

Bleiben Gebäude stehen?

Auf Mai 2013 muss EWB das Areal für den Abbruch freigeben. Wann und ob dann der Rückbau der Gebäude beginnt, hängt von den Plänen der Stadt ab. Am 17.Juni stimmt Bern vorerst über die Umzonung des Areals ab, schon im Herbst soll der Kaufvertrag vorgelegt werden. Parallel dazu führt die städtische Liegenschaftsverwaltung bereits Ende Mai 2012 eine Startveranstaltung mit 20 Teams durch, die am Ideenwettbewerb für das Areal teilnehmen. Dazu gehören auch zwei Parzellen, die an das KVA-Land angrenzen und bereits der Stadt gehören.

Im März hatte der Stadtrat entschieden, dass im Wettbewerb auch Ideen zulässig sind, die den Erhalt der alten KVA-Gebäude vorsehen. In den Vorgaben wird deshalb nun offengelassen, was mit den Gebäuden passieren soll. «Aber wir werden darauf hinweisen, dass der Erhalt dieser Bausubstanz problematisch wäre», sagt Daniel Conca von der städtischen Liegenschaftsverwaltung.

Die SP Stadt setzte sich lange dafür ein, dass die KVA-Gebäude in die Überbauung integriert werden. Für den Gemeinderat aber ist ein kompletter Rückbau der KVA «sehr zu empfehlen». Die Gebäudehülle müsste aufwendig saniert werden. Und es bestehe das Risiko, dass die Gebäude auch danach für Wohnungen oder Gewerbeflächen nicht infrage käme. Die Denkmalpflege hat die Gebäude als «nicht schutzfähig» eingestuft.

Platz für ein Hochhaus

Die Hälfte der Wohnungen am Warmbächliweg muss in gemeinnützigem Wohnbau erstellt werden, es sind also auch billigere Wohnungen geplant. Vorstellbar ist laut Gemeinderat ein Hochhaus, das bis zu 60 Meter hoch werden könnte.

Berner Zeitung

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