Auch bei Apps startet alles mit Papier

Am Wochenende findet im Berner Kulturzentrum Progr das Designfestival statt. Einer der Exoten der 36 Berner Aussteller sind das Unternehmen «Apps with love».

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Ein langer Tisch mit unterschiedlichen Stühlen, Designerlampen und einem Blackyard-Bild steht im Raum. Wären draussen nicht eine Klingel (angeschrieben mit Klingelingeling) und ein Firmenname angeschrieben, könnten Passanten denken, es sei ein neues Café. Doch es ist der Mittagsraum des Unternehmens «Apps with love».

Im eigentlichen Büro steht mitten im Raum eine Badewanne mit einem Gewürzgärtchen und ein Töggelikasten. Rechts geht’s ins Wohnzimmer und im Sitzungszimmer nebenan liegen Spielbälle auf dem Boden. In diesen Räumen im Monbijou-Quartier arbeitet das 14-köpfige Team seit einem halben Jahr. «Leider kommen wir gar nicht so viel zum Spielen, denn wir haben viel zu tun», erklärt Till Könneker, einer der Mitbegründer, schmunzelnd.

Er steht mitten im Büro und ringsherum sitzen Designer, Projektleiter und Entwickler hinter ihren Computern. «Alle arbeiten unterschiedlich, dafür wollen wir Raum bieten», erklärt er das Raumkonzept, das so wenig an Arbeit als an Spass erinnert. Und auch leicht an die Google-Büros in Zürich.

Von Gurten bis Postfinance

Zu viert starteten sie 2010, arbeiteten zuerst beim Kornhausplatz und danach in der Lorraine. 2013 ernteten sie für die App «Sasso San Gotthardo» den Usability-Preis und zwei weitere Preise für die Festival Apps. Sie stellten mehr Personen ein und sind wegen prekären Platzverhältnissen hier an die ruhige Landoltstrasse gezogen.

An der Pinnwand hängen Ausdrucke der Apps, an denen sie derzeit arbeiten: Gurten Buddy. Twint von Postfinance, mit dem das bargeldlose Zahlen ab September auch in der Schweiz Realität werden soll. Swissmom, ein virtuelles Bebe-Buch. Die App für den Berglauf Patrouille des Glaciers. Unter ihrer Kundenliste finden sich die Swisscom, SBB, Migros, aber auch kleinere Institutionen wie die Kornhausbibliotheken.

Mit Apps das Leben vereinfachen

«Apps with love» habe einige Zeit gestrauchelt, sich dann gefangen und nun ein gewisses Renomée, weshalb man auch mal Nein sagen könne. «Wir möchten hinter jeder Idee stehen können und mit unseren Apps nahe beim Menschen sein», beschreibt Könneker ihr Tun. Ihr Credo: Das Leben der Menschen vereinfachen. Die Konzeption und die Architektur geschieht in Bern, die Entwicklung erfolge dann oftmals bei einem von drei starken Partnerunternehmen in Reisedistanz aus Europa. «Wir sind eher im oberen Preissegment, weil wir nicht auf Indien zurückgreifen und vieles auch in der Schweiz entwickeln», sagt der 34-Jährige weiter.

Der Mitbegründer arbeitet 60 Prozent und hat einige andere Projekte am Laufen: Der Hauptsitz am Kornhausplatz wurde von ihm gegründet, die Too-Late-Show hat er anfangs Jahr ins Leben gerufen und darüberhinaus ist er als Künstler tätig.

Am Anfang ist das Papier

«Apps with love» sind eines der 36 Unternehmen, die am Design Festival am Wochenende im Kulturzentrum Progr teilnehmen. «Wir zeigen unseren Arbeitsplatz. Viele denken, dass bei App-Entwicklungen alles elektronisch geschieht. Doch alles startet auf Papier», sagt Könneker und hebt den 3D-Druck eines iPhones hoch, bei dem man das App in Papierform quasi durchziehen kann.

Der Blondschopf legt es zurück auf den Tisch, zwischen Stapeln von Zeichnungen, iPhone-Skizzen und Notizbüchern. Alleine davon bekommt man eine Idee, welch inspirierende Köpfe hier arbeiten.

Design-Festival im Kulturzentrum Progr, Bern. Samstag und Sonntag, ab 11 Uhr. Programm finden Sie auf der Homepage. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.04.2015, 16:13 Uhr

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