Bern

Auch andere Schulhäuser dünsten Schadstoffe aus

BernIm Manuel-Schulhaus und wahrscheinlich auch im Rossfeld-Kindergarten dünsten die Fussböden schädliche Teeröl-Dämpfe aus. Die Stadt will möglichst bald sanieren. Bis dahin gilt: viel lüften.

Im Kindergarten am Haspelweg wurden die Schadstoffe zuerst festgestellt. Nach einer weiteren Überprüfung scheinen auch das Manuel-Schulhaus und der Rossfeld-Kindergarten betroffen zu sein.

Im Kindergarten am Haspelweg wurden die Schadstoffe zuerst festgestellt. Nach einer weiteren Überprüfung scheinen auch das Manuel-Schulhaus und der Rossfeld-Kindergarten betroffen zu sein. Bild: Susanne Keller

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Der auffallende Geruch nach Mottenkugeln brachte die Behörden vor einigen Monaten auf die Spur: Vermutlich gibt es in mehreren städtischen Kindergärten und Schulhäusern Bodenbeläge, die das schädliche Teeröl Naphthalin ausdünsten.

Der stark belastete Kindergarten am Haspelweg ist deswegen schon seit April geschlossen, wie diese Zeitung am Samstag berichtete. Nun steht fest: Auch in der Manuel-Schulanlage gibt es in einigen Zimmern eine erhöhte Konzentration an Naphthalin-Dämpfen. Wie hoch die Werte sind, wollen die Verantwortlichen des Schulamts und der Stadtbauten nicht sagen.

In der Schweiz gibt es zwar für Naphthalin keinen Grenzwert. Doch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen Richtwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft festgelegt. Und die Messungen im Manuel-Schulhaus liegen darüber. Wer über längere Zeit grosse Mengen an Naphthalin-Dämpfen einatmet, riskiert Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Naphthalin steht auch im Verdacht, krebserregend zu sein. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass Naphthalin in Form von Mottenkugeln in vielen Haushalten im Kleiderschrank lag.

Das Naphthalin, das die Raumluft in den Schulhäusern und Kindergärten belastet, stammt vermutlich aus Steinkohlenteer. Diesen Stoff brauchte man häu-fig als isolierende und dämpfende Unterschicht für Fussböden. Das Manuel-Schulhaus stand bei der Stadt schon bisher auf der Liste der sanierungsbedürftigen Schulhäuser. Nun, da die erhöhten Naphthalin-Werte bekannt sind, will Irene Hänsenberger, die Leiterin des Schulamts, das Schulhaus zuoberst auf die Liste setzen. Bis dahin müssen sich die Kinder und Lehrpersonen im Manuel mit regelmässigem Lüften vor allzu hohen Schadstoffbelastungen schützen.

René Tschanz, Leiter des Immobilienmanagements der Stadtbauten, sagt, dass sich das Naphthalin bereits seit rund 60 Jahren in den Fussböden befinde und heute eher weniger ausdünste als unmittelbar nach dem Bau. Und er betont, dass die hohe Schadstoffbelastung nach acht Stunden ohne jede Raumlüftung gemessen worden sei. In gelüfteten Zimmern seien die Resultate tiefer.

Ausser dem Manuel-Schulhaus könnte auch der Kindergarten Rossfeld zum Sanierungsfall werden. Die definitiven Messresultate für dieses Gebäude stehen zwar noch aus. Die Fachleute vermuten aber auch dort erhöhte Naphthalin-Werte.

Die Stadtbauten haben zudem die Raumluft im Kindergarten Egelsee und im Schulhaus Bümpliz Höhe gemessen. Denn auch dort haben Lehrkräfte einen sonderbaren Geruch wahrgenommen. Bei diesen Gebäuden haben die beigezogenen Fachleute aber entwarnt: Es handelt sich nicht um Naphthalin.

Derzeit planen die Stadtbauten zusammen mit einer spezialisierten Firma, künftig systematisch die Schulhäuser und Kindergärten auf Schadstoffe zu untersuchen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2011, 06:59 Uhr

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