Auch SP-Politpromis wohnen im Herrenhaus

Stadt Bern

Auch Berner SP-Politprominenz wie das Ehepaar Vollmer oder der alt Regierungsstatthalter Sebastian Bentz wohnt in städtischen Herrenhäusern – zahlen aber eine marktübliche Miete, wie sie versichern.

Bevorzugte Lage mit repräsentativem Charakter: Ein städtisches Herrschaftshaus am Münzrain in Bern.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Bevorzugte Lage mit repräsentativem Charakter: Ein städtisches Herrschaftshaus am Münzrain in Bern.

(Bild: Beat Mathys)

Die Berner Mietaffäre ist um ein Kapitel reicher: In fünf von 18 Herrschaftshäusern, die der Stadt Bern gehören, wohnen die Mieter nicht zu marktüblichen Preisen, sondern günstiger. Sie zahlen zwischen 26 und 50 Prozent weniger als Nachbarn, die ihre Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt ergattert haben. Als Beispiel nennt der Gemeinderat in einer Antwort auf einen Vorstoss eine repräsentative Herrschaftswohnung: vier Zimmer, 147 Quadratmeter, Kosten von monatlich 1645 Franken netto.

«Ein einfacher Standard»

Nun rätselt die Berner Bevölkerung, wer so herrschaftlich und derart günstig logiert. SVP-Stadtrat Alexander Feuz, der mit seiner Interpellation die Sache ins Rollen gebracht hat, äussert in seiner Anfrage einen Verdacht: «Wo liegt das Interesse der Stadt, gutbetuchten Personen günstige Wohnungen nur zur Kostenmiete zu vermieten? Geht es hier um die Belohnung prominenter Politiker und verdienter Parteigenossen?»

In der Tat wohnen auch «verdiente Parteigenossen» in einem städtischen Herrschaftshaus. Alt-Nationalrat Peter Vollmer (SP) wohnt mit seiner Ehefrau Gisela Vollmer, SP-Stadträtin, im gleichen Haus am Münzrain wie der ehemalige SP-Politiker Sebastian Bentz. Er war von 1983 bis 2000 Regierungsstatthalter.

Dass sie aber zu den fünf Mietern gehören sollen, die zu günstig wohnen, weisen alle drei zurück. «Wir zahlen im Monat rund 3000 Franken Miete», sagt Gisela Vollmer. Das Ehepaar Vollmer ist vor 20 Jahren ins Haus am Münzrain eingezogen. Damals hätten sie ein Gutachten machen lassen und sich freiwillig für eine Mietanpassung entschieden – und bezahlten damit eine rund viermal höhere Miete als die anderen Mieter im Haus. Erst kürzlich habe die städtische Liegenschaftsverwaltung bei ihnen eine Überprüfung gemacht und daraufhin den Mietzins gesenkt.

Eine alte Bausubstanz, keine Holzvertäfelung und Pavatex-Decken – ihre rund 150 Quadratmeter grosse Wohnung, in der sie zu viert wohnen, verfüge über keinen Luxus-, sondern über einen einfachen Ausbaustandard sagt Gisela Vollmer.

«Mietzins wurde angepasst»

Noch länger als Vollmers wohnt der ehemalige SP-Regierungsstatthalter Sebastian Bentz in dem Herrschaftshaus. Vor 34 Jahren zog er ein, vor 30 Jahren habe die Stadt die letzten grösseren Renovationsarbeiten vorgenommen: «Die Fensterläden wurden gestrichen und die Dachschindeln erneuert», sagt er. Bentz versichert, er zahle für seine Wohnung über 3000 Franken Miete im Monat. Über die Jahre habe es immer wieder eine Anpassung des Mietzinses gegeben. Vor 34 Jahren habe die Wohnung rund 2000 Franken gekostet. Wenn sie einen adäquaten Ersatz finden, würden er und seine Frau aus dem hellhörigen Haus ausziehen, sagt Bentz. Würde die Wohnung anschliessend renoviert, stiege die Miete sicher auf rund 5000 Franken im Monat, ist er überzeugt.

In der Tat kann die Stadt Bern die Mietzinse der Herrschaftshäuser erst bei einer Neuvermietung, einer Renovation oder Sanierung den Marktverhältnissen anpassen. Bei bestehenden oder laufenden Mietverhältnissen gehe dies aber nicht, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort. Eine allfällige Mietzinsanpassung an die Orts- und Quartierüblichkeit könne wegen des Mietrechts rechtlich kaum durchgesetzt werden.

Berner Zeitung

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