Arschlochsalat

«Paradoxe Intervention» lautet gemäss Kinderpsychologen das Zauberwort, um adäquat auf die Schimpfwörter der eigenen kleinen Tochter zu reagieren. Mal schauen, obs funktioniert.

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Meine Tochter sagt jetzt Scheisse. Und Arschloch. Manchmal auch beides in einem Satz. «Das sagen im Kindergarten jetzt alle», belehrt sie mich. Klar, ich bin ja auch 164 Jahre alt. Weil früher, als ich im Kindergarten war, wusste ich nicht mal, was ein Arschloch ist. Wirklich nicht. Damals sagte man Löli und Seich. Vielleicht mal Gopfridstutz, wenn man ganz, ganz wütend war.

Und in der Sonntagsschule habe ich gelernt: «Huere» sagt man nicht, weil man damit ausdrückt, «Gott soll mich nicht mehr lieb haben» (O-Ton Sonntagsschullehrerin). Und das wollen wir ja nicht. Bis heute kann ich «huere guet» nur mit schlechtem Gewissen sagen. Von «verdammt» ganz zu schweigen.

Als das Kind meine Entrüstung bemerkt, entwickelt die Sache ein Eigenleben. Scheisse und Arschloch en masse am Mittagstisch. «Mama, gibts du mir mal den Arschlochsalat?» Aber eine Provokation ist nur eine Provokation, wenn einer drauf reagiert, denke ich mir und beginne das Ganze zu ignorieren. Nützt nichts. Es hört nicht auf.

Jetzt hilft nur noch Googlen: «Paradoxe Intervention», lese ich da, sei eine Wunderwaffe, empfohlen von Sozialpädagogen und Kinderpsychiatern weltweit. Man sagt das Gegenteil von dem, was man meint, und unterstützt scheinbar das Verhalten des «auffälligen» Kindes (in der Sozialpädagogik gibt es keine Probleme, nur Auffälligkeiten).

Man fällt also seinerseits auf, und der Rest erledigt sich von selbst. «Du willst den Arschlochsalat? Na klar, hier hast du ihn. Willst du auch noch Scheissreis dazu?» Sie schaut mich an und sagt: «Ähm, ja gern.»

Na, läuft doch. Und ich musste nicht mal «huere» sagen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.06.2016, 11:55 Uhr

BZ-Redaktorin Maria Künzli

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