Anwohner wehren sich gegen Zufahrtsstrasse für Atomkraftwerk

Mühleberg

Noch bevor die BKW das Baugesuch für ein neues Kernkraftwerk in Mühleberg einreichte, wehrten sich Anwohner gegen eine neue Strasse für den Werkverkehr. Dieser soll nun durch einen Tunnel fahren, teilt die BKW mit.

So würde das neue Kernkraftwerk in Mühleberg aussehen. Voraussichtlich wird das Volk 2013 über das Projekt abstimmen können.

So würde das neue Kernkraftwerk in Mühleberg aussehen. Voraussichtlich wird das Volk 2013 über das Projekt abstimmen können.

(Bild: Keystone)

Die Bernischen Kraftwerke (BKW) bereiten das Gesuch für den Bau eines Ersatzkernkraftwerks (EKKM) in Niederruntigen bei Mühleberg vor. Gemäss Zeitplan der BKW soll das Baubewilligungsverfahren 2018 abgeschlossen sein. Am 4.Dezember wurde das Rahmenbewilligungsgesuch für Ersatzbauten in Mühleberg und in Beznau AG eingereicht. Damit ist lediglich der Rahmen des Bauprojekts abgesteckt. Details sind erst aus dem Baugesuch ersichtlich. Die Kosten für den Bau eines EKKM werden zwischen 6 und 7 Milliarden Franken veranschlagt.

Staub und Lärm befürchtet

Der Abbau des alten und das Erstellen des neuen Werks in Mühleberg dürfte rund sieben Jahre dauern. Die BKW hatten für den Werkverkehr und eine temporäre Wohnsiedlung für Arbeiter verschiedene Varianten vorgeschlagen. Wegen der Angst vor Lärm und Staub auf Widerstand gestossen ist die neue Zufahrtsstrasse S1 D, direkt neben dem Weiler Buttenried. Einige gründeten die Interessengemeinschaft «Nein zur Zufahrtsstrasse Buttenried West». Diese IG nahm auch an Workshops teil, an denen mit Vertretern der BKW und der Gemeinde verschiedene Erschliessungsvarianten diskutiert wurden. Gestern teilte die BKW schliesslich mit, sie hätte der von Gemeinde und IG bevorzugten Variante zugestimmt. Diese sieht eine Arbeitersiedlung an der östlichen Gemeindegrenze von Mühleberg vor, einen Logistikplatz südlich der Autobahn sowie die Erschliessung des Bauplatzes mit einem Tunnel (siehe Grafik).

In einem nächsten Schritt gehe es nun darum, diese Erschliessungsvariante für das Baugesuch zu verfeinern, so die BKW. Noch ungeklärt sei die Lage des Autobahnanschlusses und des südlichen Tunnelportals.

«Durchbruch gelungen»

Bei der IG herrscht Freude darüber, dass die BKW «glaubhaft» versichert habe, dass auf die umstrittene Zufahrtsstrasse verzichtet und ein Tunnel gebaut werden soll. Damit sei ein «Durchbruch gelungen.» In einem Schreiben an die IG-Mitglieder und die Buttenrieder Bevölkerung schreibt die IG jedoch: «Machen wir uns nichts vor: Auch der Tunnelbau sowie der Standort des Logistikplatzes werden das Leben in Buttenried während der Bauzeit negativ beeinflussen.» Man bleibe weiterhin wachsam. Trotzdem sei man der Überzeugung, dass mit der Tunnelvariante auch bezüglich des zukünftigen Verkehrsaufkommens eine Verbesserung erreicht werden könne.

Weniger Lebensqualität

Das Ziel, die Zufahrtsstrasse S1 D zu verhindern, habe man jetzt erreicht, sagt Peter Gerber von der IG Buttenried. Die ursprünglich geplante Strasse hätte das Dörfchen zu zwei Dritteln umrundet. Mit dem Tunnel gebe es weniger Kulturlandverlust und mit Sicherheit weniger Belästigungen. Falls das EKKM gebaut werde, so werde man trotz allem Mehrverkehr haben und müsse mit einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität rechnen, so Gerber, der in Buttenried aufgewachsen ist und schon das ganze Leben neben dem Atomkraftwerk verbracht hat.

Ob das Ersatzkernkraftwerk gebaut wird, steht allerdings noch in den Sternen. Das 1000-seitige Rahmenbewilligungsgesuch wird jetzt durch die Behörden geprüft und danach öffentlich aufgelegt. Später entscheiden der Bundesrat und das Parlament darüber. Ein Referendum gegen den Entscheid sei «sehr wahrscheinlich», meint die BKW. Voraussichtlich wird das Volk 2013 an der Urne über das Projekt abstimmen.

Berner Zeitung

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