Anti-AKW: Streikende Schüler riskieren Ärger

Bern

Mit einem Streik wollen Berner Schülerinnen und Schüler am Dienstag für die Stilllegung des AKW Mühleberg protestieren. In einem internen Brief, der an einige Eltern verschickt wurde, droht der Leiter des Schulkreises Breitenrain-Lorraine den Teilnehmenden mit einer Anzeige.

Berner Schülerinnen und Schüler wollen für die Stilllegung des AKW's Mühleberg auf die Strasse gehen - und riskieren Konsequenzen.

Berner Schülerinnen und Schüler wollen für die Stilllegung des AKW's Mühleberg auf die Strasse gehen - und riskieren Konsequenzen.

(Bild: Keystone)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Auf der Internetplattform Facebook haben sich bereits 600 Schülerinnen und Schüler für den Streik vom Dienstag angemeldet. Unter dem Schlagwort «Jugend streikt gegen AKW» wollen die Schüler ein Zeichen setzen für die Stilllegung des AKW Mühleberg. Gemeinsam marschieren die Teilnehmer ab 8 Uhr morgens vom jeweiligen Schulhaus aus zum Treffpunkt bei der Heiliggeistkirche im Zentrum Berns. Dann ist eine Demo durch die Innenstadt geplant, inklusive Zwischenhalt für ein Picknick.

In einem offenen Brief verlangt die Union der Schülerorganisationen (USO) von den betroffenen Schulleitungen, die am Streik teilnehmenden Schüler nicht zu bestrafen. «Das Stimmrechtsalter von 18 Jahren bedeutet nicht, dass jüngere Menschen keine Meinung haben», schreibt die USO.

Schule droht mit Richter

Mit ganz anderen Worten hat sich die Leitung des Schulkreises Breitenrain-Lorraine zum Schülerstreik geäussert. Wer dem Unterricht am Dienstag unentschuldigt fernbleibe, müsse mit Sanktionen rechnen, schrieb der geschäftsführende Schulleiter Marcel Meier in einem Brief. Als Beispiel für eine solche Sanktion gab er eine «Strafanzeige beim Jugendgericht» an. Empörte Eltern meldeten sich auf der Redaktion dieser Zeitung. Michaela Korell, Co-Präsidentin der Schulkommission Breitenrain-Lorraine, sagt: «Wir wollen nicht, dass unsere Schule den Eltern mit einer Anzeige droht.»

«Dieser Brief war nicht für die Eltern gedacht», sagt Marcel Meier auf Anfrage. Er habe in einem Rundschreiben die Lehrer informieren wollen, wie die Schule mit dem Streik umgehe. Doch ein Lehrer habe den Brief an die Eltern seiner Klasse geschickt. Der Passus mit der Strafanzeige habe für Aufregung gesorgt. «Ich bedaure diesen Satz», sagt Meier. «Ich werde mich bei den betroffenen Eltern für die Unklarheiten entschuldigen.»

Den Eltern droht eine Busse

Wie die konkrete Sanktion im Nordquartier für unentschuldigtes Fernbleiben am Dienstag ausfallen wird, hängt laut Marcel Meier vom Einzelfall ab. «Eine Strafanzeige gegen die Eltern wegen Schulversäumnis ist dabei der letzte Schritt, die Ultima Ratio», sagt er. «Dazwischen gibts noch andere Sanktionsmöglichkeiten.»

Ueli Dürst von der kantonalen Erziehungsdirektion bestätigt, dass für die Schulkommission die Möglichkeit zur Anzeige besteht. Doch diese richte sich gegen die Eltern, sagt er. «Sie können gebüsst werden.» Allerdings sei die Schulkommission nicht zu diesem Schritt gezwungen. «Sie hat einen Ermessensspielraum. Ob es zu einer Anzeige kommt oder nicht, hängt davon ab, wie gravierend der konkrete Fall und wie hoch die Anzahl der unentschuldigten Absenzen ist.»

Empfehlung der Schulleiter

Am Mittwoch hat sich auch die Konferenz der Schulleiter der Stadt Bern (KSL) mit dem angekündigten Schülerstreik befasst und ohne Gegenstimme eine Empfehlung an die Schulkreise verfasst. «Eltern können für Schülerinnen und Schüler, die am Streik teilnehmen wollen, einen freien Halbtag beziehen», sagt Rolf Rickenbach, Co-Präsident der KSL. Wem eine Teilnahme wirklich wichtig sei, der sei bereit, einen der fünf Halbtage dafür zu vergeben. Eine Schule müsse von Gesetzes wegen politisch neutral sein. «Wir dürfen politische Anliegen weder unterstützen noch boykottieren», sagt Rickenbach.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt