Am Ufer der Aare ruht der alte Bahnhof Bern

Bremgarten

Das Ufer der Aare bei der Zehndermätteli-Fähre wird bald saniert. Dort ist tonnenweise Bauschutt gelagert. Er stammt vom alten Bahnhof Bern, der ab 1957 abgebrochen wurde.

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So wie in Bremgarten sehen Flussufer üblicherweise nicht aus. Oberhalb der Zehndermätteli-Fähre umfliesst das Aarewasser Steinbrocken, die von Gebäuden stammen müssen: grosse Betonstücke, bemooste Sandsteinquader, sogar eine Treppe liegt schief im Wasser. Was soll der Bauschutt am Aareufer?

In Bremgarten ist es bekannt: Die Brocken sind Überreste des alten Berner Bahnhofs. Dies ist im Verdachtsflächenkataster des Kantons vermerkt. «Aushubmaterial vom Aus- und Umbau des Bahnhofs Bern» liege dort im Boden, heisst es. Der alte Bahnhof Bern wurde zwischen 1957 und 1970 abgebrochen (siehe Box «Der alte Bahnhof Bern»).

Ufergebiet aufgeschüttet

1961/1962 gelangte Schutt der Baustelle nach Bremgarten, wo er abgelagert wurde. Seither ist das Aareufer an dieser Stelle immer mehr ausgespült worden. Nun droht der Abhang mit dem Fussweg abzurutschen. Eine Sanierung ist deshalb dringend notwendig. Noch in diesem Jahr macht Bremgarten vorwärts: Das Baugesuch für das Projekt ist noch bis heute öffentlich aufgelegt (siehe Box «Ufersanierung»).

Der Grund, warum der Schutt des alten Berner Bahnhofs in Bremgarten deponiert wurde, war nicht die Verstärkung des Ufers. Vielmehr wurde damals der vorderste Teil des heutigen Einfamilienhausquartiers Aarehalde um mehrere Meter aufgeschüttet – auf einer Fläche von rund zwei Fussballfeldern. Das Gesuch gestellt hatte die Gärtnerei Stucki als Landbesitzerin. Denn das Areal war zuvor bei Hochwasser immer wieder von der Aare überschwemmt worden.

Gärtnereien verschwanden

Hans-Ulrich Gasser, ehemaliger Bremgarter Bauverwalter, weiss von der Aufschüttung, weil er in den Siebzigerjahren Bauleiter einer Reihe von Häusern in der Aarehalde war. «Es wurden dort vorgängig Sondierbohrungen durchgeführt», sagt er. Man habe festgestellt, dass es im Untergrund nur Bauschutt habe.»

Gemäss Kataster der Verdachtsflächen liegen in der Aarehalde 55'000 Kubikmeter Schutt. Ob es sich beim gesamten Material um Reste des Bahnhofs Bern handelt, weiss Gasser nicht. Denn im Gebiet Aarehalde standen früher mehrere Gärtnereien. Die meisten wurden damals abgebrochen und vielleicht auch eingelagert.

Mauerreste des Obergerichts

Die Betontreppe am Ufer könnte ebenso gut ein Treibhauszugang sein oder einem andern Zweck gedient haben. Andere Schuttteile am Ufer stammen dagegen von grösseren Gebäuden, wie es der Berner Bahnhof war. Die Sandsteinquader dagegen sollen laut Gasser von einer Mauer beim Obergericht stammen, die Anfang der Sechzigerjahre dem Ausbau des Bahnhofs weichen musste.

Nach der geplanten Ufersanierung werden die Steinbrocken des alten Bahnhofs nicht mehr sichtbar sein. Entfernt würden sie aber nicht, präzisiert der zuständige Gemeinderat Werner Meile (SP). «Die Steine verschwinden wieder in den Untergrund. Ein Blocksatz aus Natursteinen wird sie als Uferschutz überdecken.» Die entsprechenden Arbeiten sollen im Herbst/Winter ausgeführt werden, wenn die Aare wenig Wasser führt.

Berner Zeitung

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