Bern

Am Anfang wars nur ein kleiner Wasserschaden

BernVier Wochen hätte die Behebung eines Wasserschadens im Berner Altstadt-Restaurant Metzgerstübli dauern sollen. Wegen Komplikationen wurden zehn Wochen daraus und die Kosten verzehnfachten sich.

Metzgerstübli-Chef Andres Gilgen in der Küche seines Restaurants. Hier kams im april zu einem Wasserschaden.

Metzgerstübli-Chef Andres Gilgen in der Küche seines Restaurants. Hier kams im april zu einem Wasserschaden. Bild: Michael Bucher

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Eigentlich sollte Andres Gilgen seit sechs Wochen seine Gäste im Metzgerstübli in der Berner Münstergasse bewirten. Doch erst am Donnerstag kann er die Tore für sein Altstadt-Restaurant wieder öffnen. Grund für die Verzögerung war ein Wasserschaden, beziehungsweise dessen Behebung. Weil es zu Komplikationen kam, verzögerte sich die Sanierung um sechs Wochen. Die Kosten von ursprünglich budgetierten rund 20'000 Franken explodierten regelrecht und werden schlussendlich inklusive Ertragsausfall über 300'000 Franken betragen.

«Das Ganze wurde zur existenzielle Bedrohung», sagt Metzgerstübli-Chef Andres Gilgen einen Tag vor der Wiedereröffnung. «Ohne Ertragsausfallversicherung wäre ich weg vom Fenster», fügt er an. Der Ärger über den Wasserschaden ist bei Gilgen schon lange in den Hintergrund getreten. Gewichen ist er demjenigen über die Bauarbeiten, die in seinen Augen nicht optimal verliefen.

Versicherung verordnete Baustopp

Der Wasserschaden passierte bereits im April in der Küche im ersten Stock des Restaurants. Der Verdacht: Die veralteten Abwasserleitungen des Gebäudes waren verstopft. Andres Gilgen plante, die vierwöchigen Sommerferien von Mitte Juli bis Mitte August dazu zu nutzen, den Schaden beheben zu lassen. Weil die Feuchtigkeit für die 500 Jahre alten Stützbalken an der Decke heikel sein könnte, liess er einen Statiker kommen. Dieser gab ihm grünes Licht fürs Zuwarten. Mit gutem Gewissen verreiste der Metzgerstübli-Chef im Juli nach Südfrankreich in die Ferien.

Während sich Gilgen im Süden sonnte, kams bei den Sainierungsarbeiten zu Komplikationen. Schliesslich musste der ganze Küchenboden ausgewechselt werden, was die Arbeiten massiv verzögerte. Über diesen ausserplanmässigen Zusatzaufwand wurde Gilgen jedoch nicht informiert. Er erfuhr es erst von seiner Versicherung, welche den Schaden zu bezahlen hatte. Diese verhängte abrupt einen Baustopp, als sie bei einem Besuch vor Ort plötzlich erfuhr, dass der ganze Boden erneuert werden muss, ohne dass sie davon Kenntnis hatte.

«Ein Desaster»

«Meine Versicherung rief mich in Südfrankreich an und sprach von einem Desaster», erzählt Gilgen. Die Sanierung würde sich stark verzögern. «Ich hatte gerade erst mit dem Rauchen aufgehört», sagt der Restaurantführer, «nach dem Telefon griff ich als Erstes nach einer Zigarette.»

Wieder zu Hause musste Gilgen feststellen, dass auch sämtliche Küchengeräte revidiert sowie der gesamte Boden des Restaurants im ersten Stock neu geölt werden mussten – Schuld daran war der Staub der Bauarbeiten. Auch hier macht er den Bauarbeitern einen Vorwurf: Offenbar wurden die teuren Küchengeräte und die Böden nicht abgedeckt. Auch eine neue Deckenbeleuchtung wurde fällig. Alles Arbeiten, die ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Erneuter Wasserschaden

Kam hinzu, dass während der Arbeiten die Abwasserleitung – trotz Reinigung – nochmals verstopft war, und nun Abwasser auch in der Küche im Parterre aus dem Abfluss sprudelte. Schliesslich musste die auch noch veraltete Wasserleitung erneuert werden.

All das führte dazu, dass Andres Gilgen sein Restaurant erst am Mittwoch – mit sechs Wochen Verstätung – wiedereröffnen kann. Dies frustriert den Gastronom am meisten. «Dadurch entgingen mir Einnahmen von rund 160'000 Franken», so Gilgen. Er möchte nun lieber guten Mutes nach vorne blicken, statt verärgert zurück.

«Hauptsache ich kann das Restaurant endlich wieder eröffnen». Bis auf eine kaputte Männertoilette, die seit einer Woche repariert sein sollte, ist das Metzgerstübli denn auch gerüstet fürs Eröffnungsapéro vom Mittwochabend. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2014, 16:45 Uhr

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