«Als Spitex hat man Glück oder Pech»

Kleinere Spitex-Organisationen sind in komplexen Pflegefällen auf die Zusammenarbeit mit Partnern angewiesen. Die Sparübungen des Kantons gefährden das Angebot jedoch.

«Der Kanton hat die Versorgungslücke erkannt und ist bereit, etwas dagegen zu unternehmen», glaubt Roger Guggisberg, Geschäftsleiter der Spitex oberes Worblental.

«Der Kanton hat die Versorgungslücke erkannt und ist bereit, etwas dagegen zu unternehmen», glaubt Roger Guggisberg, Geschäftsleiter der Spitex oberes Worblental.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich wollte der Kanton die Versorgung im Bereich der palliativen Pflege verbessern. Kürzlich sistierte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) jedoch ein entsprechendes Projekt. Spitäler und grösser Spitexorganisationen hatten im Zuge des Projekts bereits Strukturen ausgearbeitet, um die Versorgung mit palliativer Pflege zu verbessern. Zu ihnen gehören die mobilen palliativen Dienste des Spitals Thun, die das angestrebte Angebot bereits jetzt anbieten.

Die Sistierung trifft in erster Linie sie, aber auch kleine, regionale Spitex-Organisationen, die auf die Zusammenarbeit mit diesen Akteuren angewiesen sind. Wie die Spitex oberes Worblental: Für die palliative Pflege arbeitet sie mit dem spezialisierten Onkologie- und Palliative-Careteam (Seop) der Spitex Bern zusammen.

«Wir sind nicht die Organisation, die jetzt um die finanziellen Mittel der GEF bangt», stellt Geschäftsleiter Roger Guggisberg klar. Jedoch sei die Angst da, Dienstleistungen im Bereich der palliativen Pflege zu verlieren.

Das Angebot, wie es die Seop bereitstelle, entspreche dem Grundgedanken des GEF-Projekts: Neben der palliativen Pflege werden Strukturen dafür angeboten, die Pflege zu koordinieren, die regionalen Stellen zu beraten und deren Mitarbeitende besser auszubilden.

Defizitäres Angebot

Ist das Projekt der GEF also gar nicht nötig? Doch, sagt Roger Guggisberg. «Heute hat man als regionale Spitex entweder Glück oder Pech.» Die Spitex oberes Worblental sei glücklicherweise in der Nähe der Stadt Bern. «Die Seop kann ihr Angebot aber nicht für die äussersten Ecken des Kantons anbieten.»

Das Angebot der Seop sei zudem defizitär, erklärt Guggisberg. Die Mehrkosten würden mit freiwilligen Beiträgen gedeckt. Besonders Koordination, Ausbildung und Beratung seien ungenügend ausfinanziert. «Nachhaltig ist das Dienstleistungssystem somit nicht.»Das würde sich mit dem neuen Projekt wohl ändern.

Handlungsbedarf erkannt

«Der Kanton hat die Versorgungslücke erkannt und ist bereit, etwas dagegen zu unternehmen», sagt Guggisberg. Dass angesichts des Spardrucks nun das Projekt im Bereich der palliativen Pflege sistiert werde, sei zwar wenig erfreulich, aber nachvollziehbar. Die meisten Gelder im Gesundheitswesen seien längerfristig gebunden. Deshalb liege es nahe, Projekte zu sistieren, die noch nicht angeboten werden.

Noch ist Guggisberg zuversichtlich: «Momentan ist das Projekt lediglich auf Eis gelegt.» Es könne jederzeit wieder aktuell werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.05.2017, 09:21 Uhr

Artikel zum Thema

«Im Spital kann ich höchstens im Gang auf und ab gehen»

Immer mehr Menschen sind auf palliative Pflege angewiesen. Eine Mehrheit der Patienten will zudem möglichst lange zuHause gepflegt werden. Doch gerade in diesem Bereich steckt der Kanton Bern noch in den Kinderschuhen. Mehr...

«Es wird auch noch ganz herkömmlich gestorben»

Thun Das Recht auf Selbst­bestimmung ermöglicht zum Beispiel einen durch Exit begleiteten Tod. Am zweiten Tag des Ethikforums wurden das Thema der Sterbebegleitung und die steigende Akzeptanz der Palliative Care besprochen. Mehr...

Für das bestmögliche Leben

Interlaken Bis Freitag macht die Wanderausstellung «Palliative Care» im Kunsthaus Interlaken Halt. Sie regt zum Nachdenken über das Sterben an – und darüber, welche Pflege Betroffene und Angehörige brauchen. Mehr...

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Foodblog Si und Dave, die Töfflibuben

Gartenblog Blütenlos schön

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Auf Abfall gebettet: Ein Arbeiter einer Wertstoffdeponie in Peschawar, Pakistan, ruht sich auf einem riesigen Berg Plastikmüll aus. (17. August 2017)
(Bild: Fayaz Aziz) Mehr...