Als Kind konnte er nicht verlieren

Bern

Martin Steinegger hat heute als Sportchef beim EHC Biel weniger Zeit für seine Familie als zuvor.

Martin Steinegger (links) mit BZ-Redaktor Wolf Röcken.

Martin Steinegger (links) mit BZ-Redaktor Wolf Röcken.

(Bild: Urs Baumann)

Wolf Röcken
Sandra Rutschi

Herr Steinegger, ist es für einen Hockeyspieler im Moment ein wenig zu warm?
Martin Steinegger: Zum Glück ist die Saison schon ein bisschen vorbei. Ich freue mich auf den Sommer.

In so einer Eishockey-Ausrüstung schwitzt man sicher auch gewaltig.
Sie ist in den letzten Jahren zum Glück etwas leichter geworden. Und das Material ist atmungsaktiv. Während des Sommertrainings schwitzt man allerdings schon ein bisschen.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie als junger Mann nicht auf Hockey gesetzt hätten?
Da habe ich keine Ahnung. Ich habe damals das KV gemacht – aber weil das Training damit gut kombinierbar war. Grundsätzlich wäre ich wohl eher im Handwerklichen zu Hause. Ich wollte mal Maurer lernen, weiss aber nicht, ob ich das dann tatsächlich getan hätte.

Würden Sie einem jungen Spieler auch heute empfehlen, zusätzlich eine Berufsausbildung zu machen?
Heute trainieren die jungen Spieler mehr als zu meiner Zeit. Aber wenn sie in der Schweiz bleiben, empfehle ich ihnen, Training und Ausbildung zu kombinieren. Das ist sicher eine riesige Belastung, aber auch eine Schule fürs Leben. Viele Erfahrungen sammeln junge Spieler auch, wenn sie früh nach Kanada gehen.

Als Kind, so sagten sie einmal, waren Sie jähzornig. Ist das ein Vorteil beim Eishockey?
Nun, ich konnte auf jeden Fall nicht verlieren. Und Siegeswille und eine gewisse Aggressivität gehören zum Hockey dazu.

Von aussen sieht so ein Match brutal aus. Wie fühlt sich das auf dem Eis an?
Dort sind das Technische, das Schlittschuhlaufen und das Goalschiessen wichtig. Aber auch das Körperliche, das den Gegner beeindruckt, gehört dazu. Einige Spieler machen das auch verbal, indem sie den Gegner zum Beispiel beschimpfen. Das habe ich nie getan, ich bin kein Fan von diesem Imponiergehabe. Ich brauchte meine Luft zum Rumrennen.

Sie haben erst vor ein paar Wochen mit ihrer Karriere als Spieler aufgehört. Für einen Fussballer wären Sie schon alt. Wieso war es Ihnen möglich, noch mit 40 Hockey zu spielen?
Hockey ist von der Bewegung her schonender als Fussball. Ein Hockeyspieler muss zum Beispiel keine Schläge vom Rennen abfangen.

Sie sind Vater von drei Kindern. War das der Grund, dass Sie aufhörten?
Nein, das war alleine meine Entscheidung. Gerade das Sommertraining ist sehr hart, da musste ich mich in den letzten Jahren jeweils ein wenig überwinden. Zudem habe ich mir letztes Jahr die Hand gebrochen und fiel drei Monate aus. Da hatte ich dann auch mehr Respekt vor Verletzungen.

Heute sind Sie Sportchef beim EHC Biel und studieren Wirtschaft. Haben Sie nun mehr Zeit für Ihre Familie?
Nein, eher weniger. Als Spieler hatte ich intensive Trainingszeiten, dann frei. Im Moment bin ich weniger zu Hause als zuvor, ich arbeite nicht nach Bürozeiten. Es ist eine Herausforderung.

Viele Sportler haben nach ihrer Karriere Mühe, ihr Gewicht zu halten.
Ich habe vorerst mal die Waage weggestellt. Aber klar, ich will mir nicht nach einem Jahr eine neue Garderobe kaufen müssen. Ich bewege mich weiterhin, fahre gerne Velo. Anstatt zweimal am Tag trainiere ich nun halt zweimal pro Woche. Das eine oder andere Kilo werde ich sicher zunehmen. Aber ich esse auch weniger, weil ich weniger Appettit habe.

Am BZ-Stand in der Halle 4.1 (in der alten Festhalle) wird täglich (15–15.45 Uhr) ein Live-Interview mit Prominenten geführt. Zu Gast am BZ-Stammtisch ist am Dienstag der Singer, Songwriter und Schriftsteller Endo Anaconda.

Berner Zeitung

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