«Kulturpolitik mit kannibalistischen Methoden»

Mit der neuen Museumsfinanzierung des Bundes erhält das Alpine Museum statt gut einer Million nur noch 250'000 Franken pro Jahr. Kanton und Museum sind konsterniert.

Beat Hächler sieht die Existenz seines Museums bedroht.

Beat Hächler sieht die Existenz seines Museums bedroht.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Die erste Ausstellung des Alpinen Museums der Schweiz unter Beat Hächler hiess «Berge versetzen» und läutete im Frühling 2012 eine neue Ära ein. Mit Direktor ­Hächler, zuvor erfolgreicher ­Co-Leiter des Lenzburger Stapfer­hauses, entwickelte sich das Haus am Helvetiaplatz zum modernen Museum. Aus dem Hort verstaubter Reliefs wurde ein Ort relevanter aktueller Debatten und sinnlich vermittelter Wissenschaft.

Nun muss Hächler wahrhaftig Berge versetzen: Weil der Bund seine Betriebsbeiträge an Museen nach einem neuen System verteilt (siehe Kasten), verliert das Alpine Museum ab 2019 jährlich 770'000 Franken. Dies sind drei Viertel der bisherigen Bundesmillion, und es ist ein Viertel des Gesamtbudgets. «Eine derart brutale Kürzung kann man nicht kompensieren», sagt Hächler. «Es geht um Sein oder Nichtsein.»

Vertrauen beschädigt

Die Neuigkeit sei «ein Schock», so Hächler. Mit einem Systemwechsel in Kauf zu nehmen, dass das Alpine Museum unter das Existenzminimum falle, sei «eine Kulturpolitik mit kannibalistischen Methoden, die wir in der Schweiz bisher nicht gekannt haben». Wenn das Alpenland Schweiz beschliesse, sein einziges Museum, das die Berge zum Hauptthema hat, zu gefährden, dann sei dies ein inhaltlicher Entscheid – unabhängig von einem Systemwechsel, der möglicherweise unter dem Strich auch sein Gutes habe.

Er sei überzeugt, so Hächler, «dass die dramatischen Folgen für das Alpine Museum nicht dem politischen Willen entsprechen». Für ihn und sein Team stehe deshalb fest, dass man kämpfen wolle. «Doch zunächst müssen wir mit unseren Trägern darüber reden, wie es weitergehen soll.»

Grösster Geldgeber nach dem Bund ist der Kanton Bern. Dessen Leiter des Amts für Kultur, Hans Ulrich Glarner, reagierte am Mittwoch ebenfalls «konsterniert» auf den Entscheid des Bundesamts für Kultur (BAK). «Seit seiner Neupositionierung hat das Alpine Museum national und international eine ausserordentliche Stellung erreicht», sagt Glarner. Wer «ohne Not» einen Entscheid dieser Tragweite fälle, müsse diesen sehr gut begründen können.

«Doch was bisher vorliegt, ist eine hilflos anmutende rechnerische Herleitung und die Kritik, dass die Sammlung keine internationale Dimension habe.» Letzteres würde nach Glarners Ansicht allenfalls eine gewisse Kürzung der Mittel rechtfertigen – «aber niemals in diesem Ausmass».

Das Alpine Museum sei eine nationale Institution, so Glarner, die in die ganze Schweiz ausstrahle. «Wenn nun der wichtigste Träger einfach so aussteigt, stellt dies das Vertrauen der anderen Partner stark auf die Probe.» Neben Bund und Kanton tragen die Stadt Bern und der Schweizerische Alpenclub das Museum mit.

BAK sieht das Positive

Beim BAK nimmt man die Kritik von Museum und Kanton zur Kenntnis. Der Systemwechsel sei ein Auftrag aus der Kulturbotschaft 2016 bis 2020 und sei darin an­gekündigt worden, sagt Benno Widmer, Leiter der Sektion Museen und Sammlungen. Für ihn überwiegt beim System, das er als «differenzierte Lösung» bezeichnet, das Positive: «Insgesamt erhalten Museen pro Jahr 1,2 Millionen Franken mehr als vorher, und neu bildet die Liste der unterstützten Institutionen die kulturelle Vielfalt der Schweiz ab.»

Es gebe «keinen Subventionsanspruch, der auf alle Ewigkeit gefestigt ist», so Widmer. Dass das Alpine Museum weiterhin unterstützt werde, zeige aber, dass dort auch aus Sicht des BAK «qualitativ gute Arbeit» geleistet werde.

Berner Zeitung

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