«All die Veränderungen sind faszinierend»

Bern

«Mich hat es gereizt, nach 23 Jahren wieder einmal eine Zeitung zu machen»: Das sagt Peter Studer, der Chefredaktor der Sonderausgabe. Ihm und seinen Senior Editors sei wichtig gewesen, mit diesem Blatt nicht nur ältere Leute anzusprechen.

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Johannes Hofstetter

Lesen Seniorinnen und Senioren anders Zeitung als jüngere Menschen?Peter Studer, Chefredaktor dieser Ausgabe: Ich denke schon. Ältere Leute lassen sich bei der Lektüre weniger ablenken durch all die Köder des visuellen Zeitalters.

Vermutlich haben Pensionierte auch mehr Zeit, um zu lesen. Das stimmt. Das stelle ich an mir selber fest: Für die Lektüre meiner Leibblätter – des «Tages-Anzeigers» und der NZZ – gönne ich mit jeden Tag zwei Stunden.

Apropos «Leibblatt»: Als diese Zeitung vor knapp zwei Jahren ihr Erscheinungsbild änderte, reklamierten vor allem ältere Abonnentinnen und Abonnenten. Sie sagten, das sei nicht mehr «ihre Zeitung». Bei jeder Zeitungsrenovation beschweren sich die älteren und treuesten Leser über die Neuerungen.

Wieso ist das so? Seniorinnen und Senioren haben einen ganz besonderen Hang zur Tradition. Sie schätzen es nicht, wenn sie sich von lieben Gewohnheiten verabschieden müssen. Aber erfahrungsgemäss gewöhnen sich die meisten irgendwann an Neues – auch an eine andere Zeitungsstruktur.

Wie lange mussten Sie überlegen, ob Sie den Job als Eintages-Chefredaktor dieser Zeitung annehmen wollen? 30 Sekunden.

Oha. Mich hat es einfach gereizt, 23 Jahre nach meinem Abgang als «Tagi»-Chef wieder einmal zu erleben, wie das ist, heute eine Zeitung zu machen.

Und? Wie ist es? Der Einsatz macht mir grosse Freude. Es ist faszinierend, zu sehen, wie sich das Zeitungsmachen nicht nur, aber auch in Bern in konzeptioneller und technischer Hinsicht verändert hat.

Konzeptionell heisst... Diese Zeitung setzt ihre Schwerpunkte klar in der Stadt und Region Bern. Solche Schwerpunkte haben andere Medien zwar auch. Aber so konsequent wie die Berner Zeitung setzt diesen Grundgedanken kein Medium um.

Worauf achten Sie als Verantwortlicher dieser Sonderausgabe besonders? Den sieben Senior Editors und mir liegt viel an einer guten Mischung der Stoffe und «Tonarten». Wir möchten mit dieser Ausgabe auch nicht nur ältere Menschen ansprechen, sondern dafür sorgen, dass sich die Jungen ebenso darin wiederfinden.

Wie seniorenfreundlich ist diese Zeitung, wenn sie von den «richtigen» Chefs gestaltet wird? In diesen Wochen läuft ja die Aktion Senioren Sommer. Das finde ich schön. So zeigt man den älteren Menschen, dass man sich für ihre Belange interessiert und sie ernst nimmt.

Und abgesehen vom Senioren Sommer... ...macht es diese Zeitung ebenfalls recht gut. Sie ist klar strukturiert und wirkt abwechslungsreich. Sie hat ein tolles Text-Bild-Konzept. Sie spricht jüngere und ältere Leute gleichermassen an.

Das klingt irgendwie nach einem Aber. Bisweilen wird bei dieser Zeitung mit dem Fokussieren auf Bern und Umgebung etwas übertrieben. Ich fände es schön, wenn auf den überregionalen Seiten mehr Kommentare zu lesen wären. Kommentare sind für eine Zeitung eine hervorragende Profilierungsmöglichkeit.

Profilierungsmöglichkeiten bieten auch die Neuen Medien. Sind Sie bei Facebook und Twitter? Im Moment bewirtschafte ich diese Accounts noch nicht intensiv. Das werde ich aber ändern. Social Media sind Informationsquellen erster Güte.

Viele Senioren haben zum Internet ein gespannteres Verhältnis. Durch das Internet prasseln die Informationen in einem viel höheren Rhythmus auf uns ein als früher. Das macht manchen Menschen Angst. Ich habe die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten dieses Mediums erst nach meiner Pensionierung kennen und schätzen gelernt. Vorher wurden mir die Informationen immer zugetragen.

Was antworten Sie Leuten, die wegen des Internets den baldigen Tod der Zeitung beklagen? Solange die Zeitungen sich darauf konzentrieren, einzuordnen, zu analysieren, zu reportieren und zu kommentieren, sind sie unverzichtbar.

Berner Zeitung

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