Alexandre Schmidts Stapi-Plan

Bern

Das Rennen um die Nachfolge von Alexander Tschäppät (SP) läuft an. FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt gibt sogar ein Wahlversprechen ab: Sollte er 2016 Stadtpräsident werden, will er den Regierungssitz für Hochzeiten öffnen.

Alexandre Schmidt: Würde als Stapi die Tür zum Erlacherhof für Hochzeiten öffnen.

Alexandre Schmidt: Würde als Stapi die Tür zum Erlacherhof für Hochzeiten öffnen.

(Bild: Susanne Keller)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die Stadtberner Wahlen sind noch weit entfernt. Der Urnengang findet im Herbst 2016 statt. Doch die Politstrategen haben ihre Messer längst gewetzt. Denn am Regierungssitz steht ein Wechsel an: Alexander Tschäppät (SP) tritt per Ende Legislatur als Stadtpräsident zurück. Für die Nachfolge galt Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) bisher lange Zeit als gesetzt.

Doch seit ein paar Monaten bröckelt ihr Rückhalt. Selbst aus linksgrünen Kreisen wird eine kampflose Schlüsselübergabe von Tschäppät an Wyss hinterfragt (siehe Infobox). Und die bürgerlichen Parteien wollen Ursula Wyss selbstverständlich mit allen Mitteln verhindern.

Wer tritt an zum Duell gegen Wyss?

FDP-Präsident Philippe Müller findet klare Worte: Bereits Alexander Tschäppät werde ja aus bürgerlichen Kreisen stark kritisiert. «Doch der Tag kann kommen, an dem wir alle weinen und uns die Ära Tschäppät zurückwünschen – nämlich dann, wenn Ursula Wyss als Stadtpräsidentin in den Erlacherhof einzieht.» In die gleiche Richtung zielt FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher. Allerdings nimmt er keine Person ins Visier. «Wir kämpfen nicht gegen Ursula Wyss. Wir kämpfen für einen bürgerlichen Stadtpräsidenten», sagt er.

Die entscheidende Frage: Wer soll sich Ursula Wyss zum Duell um den Sitz im Erlacherhof stellen? Sowohl Bernhard Eicher als auch Philippe Müller halten sich diesbezüglich mit konkreten Vorschlägen zurück. Ganz anders die SVP: «Jetzt müssen die amtierenden Gemeinderäte antreten. Entweder Reto Nause (CVP) oder Alexandre Schmidt sollen gegen Ursula Wyss um das Stadtpräsidium kämpfen», sagt SVP-Präsident Rudolf Friedli. Er würde beide Kandidaturen unterstützen.

Schmidt gibt Wahlversprechen ab

Bei den letzten Wahlen hat Reto Nause noch auf eine Stadtpräsidiumskandidatur verzichtet. Nun meint der Sicherheitsdirektor vielsagend: «Die Ausgangslage ist jetzt anders: Bei den nächsten Wahlen bin ich acht Jahre im Amt und zudem Vizestadtpräsident.» Sein Entscheid stehe aber noch aus.

Alexandre Schmidt reagiert erfreut auf den Steilpass aus der Volkspartei. Er fühle sich geehrt, dass man ihm dieses Amt zutraue. Doch für ihn sei die Zeit noch nicht reif dafür, die Frage einer Stapi-Kandidatur zu beantworten. «Ich bin für vier Jahre als Finanzdirektor gewählt und nutze meine volle Zeit, um meinen Wählerauftrag zu erfüllen», sagt er.

Allerdings kann es Schmidt dann doch nicht lassen, dem Stimmvolk ein verfrühtes Wahlversprechen abzugeben. «Falls ich aber Stadtpräsident werde sollte, mache ich den Erlacherhof fürs Volk zugänglich. Ich habe festgestellt, dass viel zu wenige Bernerinnen und Berner dieses Gebäude von innen kennen.» Auf Reisen habe er in einer kleinen Stadt in Südfrankreich gesehen, dass am Sitz des Bürgermeisters geheiratet wurde.

«Auch in Bern sollten wir das schönste Haus mit dem schönsten Garten für den schönsten Tag eines Paares öffnen – denn der Erlacherhof gehört den Menschen und nicht dem Stadtpräsidenten.» Zwar liege die Hoheit für die Standesämter beim Kanton, sagt Alexandre Schmidt, doch er würde sich beim Regierungsrat für diese Idee einsetzen.

Berner Zeitung

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