Stadt Bern bittet private Gastgeber zur Kasse

Bern

Die Stadt Bern reagiert auf Airbnb und Co.: Wer private Betten an Touristen vermietet, soll eine Abgabe zahlen. Sündern drohen happige Bussen.

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Immer mehr Touristen übernachten in privaten Wohnungen statt in Hotels. Auf Internetplattformen wie Airbnb oder Booking.com bieten Private ihre Betten an. In der Stadt Bern sind es 50 bis 100 Anbieter. Die Behörden reagieren nun auf das neue Angebot: Künftig sollen private Vermieter von Unterkünften eine Abgabe bezahlen – 4.30 Franken pro Übernachtung.

Zwar habe schon das alte Reglement vorgesehen, dass auf allen «entgeltlichen Beherbergungen» Abgaben zu zahlen sind, erklärte Sicherheitsdirektor Reto Nause gestern an einer Medienorientierung. «Nun haben wir aber eine klare gesetzliche Grundlage geschaffen.»

Gleich lange Spiesse

Rückwirkend sind seit dem 1.Juni 2014 im Gesetz neben Hotels und Pensionen die privaten Vermieter explizit genannt. Gleich lange Spiesse soll die neue Regelung schaffen: «Ein Hotelgast im Stadtzentrum und jemand, der bei einer Familie in der Länggasse übernachtet, profitiert genau gleich von der Infrastruktur», sagt Nause. Die Abgaben sind denn auch zweckgebunden: Der Ertrag wird für die touristischen Einrichtungen und Veranstaltungen verwendet.

Wer sein Zimmer vermietet, muss sich bei den Steuerbehörden melden. Das wüssten viele Berner nicht, sagt Nause. «Über Airbnb kann man sein Zimmer sehr einfach vermieten.» Damit würden Leute angesprochen, die sich mit den Regeln im Tourismus nicht auskennen. Das neue Gesetz beinhaltet einen Anreiz, sich zu melden: Korrekte Vermieter können ihren Gästen ein Bern-Ticket abgeben. Damit können Touristen gratis den gesamten Berner ÖV nutzen. «Mit dem Ticket fahren die Gäste auch kostenlos auf den Gurten oder zum Airport Bern», sagt Nause. Für den Städtetourismus sei der ÖV allgemein sehr wichtig.

Busse bis zu 5000 Franken

Neben Anreizen sieht das neue Gesetz auch Strafen vor: «Wir können Bussen bis zu 5000 Franken aussprechen», sagt Moritz Jäggi, Leiter der Steuerverwaltung der Stadt Bern. Private Vermieter, die sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, sollten das umgehend tun. «Dann können wir eine andere Lösung suchen – zum Beispiel Nachzahlungen», sagt Jäggi. In Zukunft werde man aber kein Auge mehr zudrücken. «Rechtsgleichheit zwischen den Anbietern ist wichtig», sagt Jäggi.

Fremde Zahnbürsten suchen

Die Suche nach Vermietern, welche die Abgaben nicht zahlen, ist jedoch schwierig: «Wir werden in Berner Haushalten nicht fremde Zahnbürsten suchen gehen», sagt Nause. Man setze auf soziale Kontrolle. Zudem sind die Behörden in Kontakt mit Airbnb. «Wir führen einen konstruktiven Dialog», sagt Michael Keller, Vizedirektor von Bern Tourismus. Die Herausgabe von Kundendaten aber sei aus rechtlichen Gründen keine Option.

Dahingestellt ist ohnehin, ob es sich lohnen würde, säumige Vermieter zu suchen. Mit den Abgaben auf Übernachtungen nimmt die Stadt im Jahr zwei Millionen Franken ein. Mit 100'000 Franken tragen private Vermieter dazu lediglich fünf Prozent bei.

Berner Zeitung

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