83 Einwohner und 2 Kirchgemeinden

Scheunen

Politisch will Scheunen mit Jegenstorf fusionieren, kirchlich bleibt die Gemeinde aber zweigeteilt. Zumindest vorderhand.

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(Bild: Google Earth)

Anfang 2014 soll alles etwas einfacher werden. So ist es der erklärte Wille der Leute in Scheunen. Ohne Wenn und Aber sagten die Stimmberechtigten vorgestern Abend Ja zur Fusion mit dem viel grösseren Jegenstorf. Die Kleingemeinde mit ihren insgesamt 83 Einwohnerinnen und Einwohnern wird so auf einen Schlag zahlreiche Probleme los. Sie muss nicht mehr mühsam Behördenmitglieder suchen oder Angst haben, dass ein unvorhergesehenes Ereignis die Finanzen durcheinanderbringt.

Schon einmal eine Fusion

Bei den kirchlichen Grenzen dagegen wird, dem klaren Votum zum Trotz, alles beim Alten bleiben. In dieser Hinsicht ist Scheunen ohnehin mehr als speziell. Seit Jahr und Tag ist die Gemeinde für die Reformierten zweigeteilt. Die Leute aus den vier Hofgruppen von Oberscheunen gehen nach Jegenstorf zum Gottesdienst, jene aus dem restlichen Dorf nach Messen.

Die Zweiteilung hat historische Gründe – und so gesehen hat sich mit dem Fusionsentscheid von vorgestern nur wiederholt, was vor gut 100 Jahren schon einmal passiert ist: Um 1911/1912 herum schlossen sich die Weiler Oberscheunen, kirchlich zu Jegenstorf gehörig, und Messen-Scheunen, kirchlich zu Messen gehörig, zum heutigen Scheunen zusammen.

Diese Fusion spiegelt sich noch immer im Wappen wieder. Es zeigt mit Blick auf den Gemeindenamen zwei Scheunen, die für die beiden alten Dörfer stehen.

Mal hier, mal dort

Mit dem Kirchgang sind die Leute in Scheunen seit je flexibel. Das erzählt Albert Segessenmann, der sich im Dorf jahrelang kirchlich wie politisch engagiert hat. So werden die Jugendlichen heute alle in Jegenstorf konfirmiert, weil sie in Jegenstorf und im benachbarten Zuzwil zur Schule gehen. Früher, als sie dies in Rapperswil und im benachbarten Bangerten taten, wurden sie auch in Rapperswil konfirmiert. Dort fanden bis in die 1990er-Jahre auch die Beerdigungen statt, weil Scheunens Friedhof in Bangerten liegt und dieses kirchlich zu Rapperswil gehört. Erst seit neuerer Zeit findet der Trauergottesdienst jeweils in Messen oder Jegenstorf statt.

Bei alledem ist die Bindung gerade zu Messen da. Einmal im Jahr hält der Pfarrer von dort in Scheunen eine Predigt. Gemeinsam fährt man auch nach Messen zum Altersnachmittag.

Vor diesem Hintergrund ist für die Kirchenbehörden in Messen eine Verschiebung der Grenzen zurzeit kein Thema. Wieso sollte es anders sein – immerhin haben der Kirchgemeinde schon andere Dörfer trotz Fusion die Stange gehalten. Ruppoldsried zum Beispiel, das sich Anfang Jahr mit Rapperswil zusammentat, kirchlich aber bei Messen blieb.

In Scheunen könnte es längerfristig anders ausgehen. Segessenmann jedenfalls weiss von Leuten, die sich nach dem politischen auch den kirchlichen Anschluss an Jegenstorf vorstellen könnten.

Berner Zeitung

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