62'000 protestieren gegen Schliessung des Nationalgestüts

Bern

Rund 62'000 Menschen bitten den Bundesrat in einer Petition, auf die Schliessung des Nationalgestüts in Avenches zu verzichten. Mehrere Verbände und Vereinigungen von Pferdezüchtern und -liebhabern haben die Petition am Donnerstag in Bern übergeben.

Dicke Post für den Bundesrat: Mit Pferd und Wagen überbrachte der Verein Pro Nationalgestüt gestern fast 60'000 Unterschriften.

Dicke Post für den Bundesrat: Mit Pferd und Wagen überbrachte der Verein Pro Nationalgestüt gestern fast 60'000 Unterschriften.

(Bild: Stefan Anderegg)

Vor der Übergabe durchquerten die Unterstützer des Nationalgestüts in rund 15 Kutschen und auf etwa 80 Pferden die Berner Altstadt, um so die Öffentlichkeit auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Vom wunderbar herausgeputzten Achtspänner mitsamt Fohlen über das Brauereigespann der Worber Brauerei Egger bis zum kleinen Ponywägeli machten alle am Kundgebungszug durch die Altstadt mit.

Reiter und Pferde wurden von den Passanten ausgiebig bewundert, hier und dort auch beklatscht. Während die Reiter direkt zum Münsterplatz ritten, machten rund ein Dutzend Kutschen einen kleinen Umweg über den Bundesplatz.

Eine der Kutschen rollte auf die Bundesterrasse, wo die Verantwortlichen die Unterschriften der Bundeskanzlei übergaben.

Sparbeschluss

Der Bundesrat hat im Rahmen des sogenannten Konsolidierungsprogramms 2011 bis 2013 beschlossen, den Beitrag ans Nationalgestüt zu streichen. Es handle sich nicht um eine Kernaufgabe des Bundes. Das Programm befindet sich noch in der Vernehmlassung.

In zwei am Donnerstag veröffentlichten Antworten auf Vorstösse in den eidgenössischen Räten schreibt die Landesregierung, sie würde es begrüssen, wenn eine private Trägerschaft das Gestüt übernähme. Sie habe deshalb das Bundesamt für Landwirtschaft beauftragt, diese Möglichkeit im Rahmen der Umsetzung des Sparprogramms zu prüfen.

Eine Privatisierung sei kein Weg, betonten am Donnerstag die Vertreter des Komitees Pro Nationalgestüt vor den Medien. Sie strichen die Bedeutung des Nationalgestüts hervor, nicht zuletzt auch für die Freiberger-Zucht. Freiberger sind die einzige hiesige Pferderasse.

«Für Pferdebranche unverzichtbar»

Das Nationalgestüt in Avenches leiste für die über 200'000 Pferdesportbegeisterten in der Schweiz wichtige Dienste. Es bilde Pferdehalter aus, berate Pferdebesitzer und unterstütze Züchter. Darüber hinaus leiste es wichtige Forschungsarbeit.

Es sei als Kompetenzzentrum für die Pferdebranche unverzichtbar für die Schweiz, sagte Charles Trolliet, Präsident des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport.

Der Bundesrat habe einfach eine politisch völlig unbearbeitete Liste mit allen möglichen Sparmöglichkeiten aufgelegt, ärgerte sich CVP-Nationalrat Dominique de Buman. In einer Art «Tombola» werde nun entschieden, wer über die Klinge springen müsse.

Das Gestüt geniesse indessen in der breiten Bevölkerung grosse Unterstützung, betonte Stéphane Klopfenstein, Geschäftsführer des Freiberger Verbands. «Über 62'000 Unterschriften sind ein starkes Zeichen.»

Gemäss den aktuellsten Zahlen wurden der Bundeskanzlei am Donnerstag 62'237 Unterschriften eingereicht. Sie kamen innert zwei Monaten zusammen.

sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt