Bern

Tschäppät: «Wir sind ein eingspieltes Team»

BernDer bisherige Berner Stadtpräsident, Alexander Tschäppät (SP) bleibt weitere vier Jahre im Amt. Er erzielte zwar ein leicht schwächeres Resultat als vor vier Jahren, distanzierte aber seine schärfste Konkurrentin, Barbara Hayoz (FDP) klar.

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Tschäppät kam auf 19 797 Stimmen, was einem Wählerstimmenanteil von 58,6 Prozent entspricht, wie die Stadt am Sonntag bekannt gab. Vor vier Jahren kam Tschäppät noch auf rund 61 Prozent.

Seine Herausfordererin, Vizestadtpräsidentin Barbara Hayoz (FDP) erzielte 12 116 Stimmen, was einem Anteil von 35,9 Prozent entspricht. Hayoz habe nicht über das bürgerliche Segment hinaus mobilisieren könne, konstatierte Politologe Werner Seitz auf Anfrage.

Der dritte Kandidat, das Berner Stadtoriginal Jimy Hofer (parteilos), konnte erwartungsgemäss nicht ins Geschehen eingreifen und kam auf 1834 Stimmen (5,4 Prozent). Die Stimmbeteiligung lag bei 43,8 Prozent.

«Wir sind ein eingespieltes Team»

Sie lächeln beide, als sie das Berner Rathaus betreten. Barbara Hayoz (FDP) und Alexander Tschäppät (SP) sind gut gelaunt. Journalisten mit Mikrofonen und Notizpapier umzingeln sie. Tschäppät flirtet mit den Kameras, winkt hier einem Fotografen zu und lässt dort einen Spruch fallen. Selbst Barbara Hayoz amüsiert sich darob. Enttäuschung über die Wahlniederlage ist ihr keine anzumerken.

Im Erlacherhof, am Sitz der Stadtregierung, haben die Kandidaten kurz vorher von Stadtschreiber Jürg Wichtermann das Resultat erfahren, abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Alexander Tschäppät verlässt als erster den Erlacherhof. Dicht gefolgt von Barbara Hayoz. Beide begleitet von ihren Familien, beide lächelnd, beide mit Pokerfaces. Tschäppät mit seiner Lebenspartnerin am Arm und Hayoz am Arm ihres Ehemannes schlendern die Junkerngasse hinauf. «Hast du gesehen, wie ich am Nachmittag in Wengen beim Curling ausgerutscht bin?», fragt Barbara Hayoz ihren Mann, damit mal wieder jemand etwas sagt auf dem Weg ins Rathaus.

Dann wird es plötzlich hektisch. Die Menschen im Rathaus erfahren das Wahlresultat: Gewählt mit 58,6 Prozent der Stimmen ist Alexander Tschäppät. Applaus hallt durchs Rathaus für den neuen, alten Stadtpräsidenten. Doch dieser hat kaum Zeit, den euphorischen SP-Jubel zu geniessen. Für ihn beginnt, nach drei Gratulations-Küsschen von Barbara Hayoz, der Interviewmarathon: Die Medien nehmen Alexander Tschäppät ins Kreuzverhör.

«Ich freue mich auf die zweite Amtsperiode», sagt Tschäppät. Der Druck sei nun geringer. «Denn in der ersten Legislatur habe ich oft an die Hürde der Wiederwahl gedacht.» Jetzt wisse er, dass die Bernerinnen und Berner seine direkte Art und seine Arbeit goutieren. «Ich werde in den nächsten vier Jahren bestimmt nicht auf die Bremse treten.» Das Wahlresultat sei zwar etwas schlechter als vor vier Jahren. «Doch wenn ich bedenke, wie in den letzten Monaten die Wende heraufbeschworen worden ist, stört mich die Zahl hinter dem Komma nicht.» Der Druck auf ihn sei enorm gewesen, sagt Tschäppät, und jetzt sei er einfach nur erleichtert. «Der Stein, der mir vom Herzen fällt, ist gross.»

Auch Barbara Hayoz war erleichtert, als sie das Resultat erfuhr. Sie erlangt 35,9 Prozent der Stimmen. Erleichtert, «weil es nun endlich entschieden ist, klar.» Nein, enttäuscht sei sie nicht, betont Barbara Hayoz. «Ich habe ein hervorragendes persönliches Resultat erzielt.» Diesen Satz sagt sie in zig Kameras und Mikrofone. Und auch diesen: «Es ist schwierig, einen amtierenden Stadtpräsidenten aus dem Amt zu drängen.» Alexander Tschäppät habe «ja auch keine groben Fehler» gemacht, stellt sie fest. Und: Ihr gutes Resultat zeige ihr, dass die Bernerinnen und Berner ihre Arbeit als Gemeinderätin schätzten. Mit einem zweiten Wahlgang habe sie nicht gerechnet, erklärt Barbara Hayoz. «Das wäre vermessen gewesen.» Wie gehts nun für sie weiter? «Jetzt gehe ich erst einmal mit meinen Buben ein Sandwich essen und warte ab, ob ich als Gemeinderätin bestätigt bin.» Und am Montag sei sie wie immer auf der Finanzdirektion erreichbar. Sie lächelt. An dieser Wahl scheint sie keine Sekunde zu zweifeln.

Als Stadtpräsident und unterlegene Herausfordererin gehen Tschäppät und Hayoz gegen 19 Uhr zurück in den Erlacherhof. Als eingespielte Gemeinderatskollegen kommen sie kurz vor 21 Uhr zurück ins Rathaus. Beide sind nun vom Stimmvolk als Gemeinderäte bestätigt. «Wir haben vier Jahre gut zusammengearbeitet, wir werden weitere vier Jahre gut zusammenarbeiten», sagt Barbara Hayoz. Auch Alexander Tschäppät sagt: «Wir sind ein eingespieltes Team.»

Jimy Hofer: «Super, zwei Sitze»

Jimy Hofer hat zwar sein Ziel, Stadtpräsident zu werden, klar verfehlt. Immerhin wurde er in den Stadtrat gewählt.

Eine Stunde vor Bekanntgabe der Stadtpräsidentenwahl ist Jimy Hofer guter Dinge. Mit seiner Frau Denise und einem Kollegen aus dem Broncos-Motorradklub sitzt Hofer im Restaurant Mühlirad im Matte-Quartier. «Nervös bin ich nicht, aber gespannt», sagt er. «Ich rechne mit 7 bis 10 Prozent Wählerstimmen.» Dass er kaum eine Chance habe, zum Stadtpräsidenten gewählt zu werden, sei ihm klar. Dann lässt er sich mit seiner Frau im Jaguar seines Kollegen in die Broncos-Loge chauffieren. Dort sitzen zwei Dutzend Leute an der Bar, sie verfolgen im TV die Wahlberichterstattung. «Hier in der Loge wird heute Abend gefeiert», sagt Jimy Hofer, «unabhängig davon, mit welchem Resultat ich abschneiden werde.»

«Habe ein Zeichen gesetzt»Um 17.45 Uhr trifft Hofer mit seiner Frau im Rathaus ein. Beide geraten in ein Blitzlichtgewitter der Fotografen. Jimy lässt sichs gefallen, seine Frau Denise fühlt sich nicht wohl. «Ich bin nicht gern im Rampenlicht», sagt sie. Dann das Resultat: Auf Jimy Hofer entfallen 1834 Stimmen, das sind 5,4 Prozent. «Ich bin enttäuscht», sagt er. «Aber Resultate sind nicht so massgebend, Hauptsache ist, dass ich ein Zeichen gesetzt habe.» Jetzt könne jedenfalls niemand mehr davon reden, dass er nur ein Farbtupfer sei. «Erstaunt bin ich über das gute Resultat von Alexander Tschäppät.» Aus einem zweiten Wahlgang fürs Stadtpräsidium, den Hofer gewünscht hat, wird nichts. Die Hofers verlassen das Rathaus und fahren zurück in die Matte. «Vielleicht werde ich ja in den Stadtrat gewählt», meint er. Und tatsächlich. Um 22.30 Uhr weiss er, dass es geklappt hat. «Super, wir haben zwei Sitze, einfach genial», sagt Jimy Hofer. «Jetzt wird erst recht gefeiert.» Urs Wüthrich

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2008, 08:41 Uhr

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