50 Thorberg-Häftlinge streiken

Krauchthal

Rund 50 Häftlinge auf dem Thorberg streiken seit Freitag. Sie wollen mehr Geld, ein Sex-Zimmer und besseres Essen. Die Direktion prüft die Forderungen.

Unruhe auf dem Thorberg: Die Gefängnisinsassen streiken und haben der Gefängnisleitung ein Schreiben mit Forderungen übergeben.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Unruhe auf dem Thorberg: Die Gefängnisinsassen streiken und haben der Gefängnisleitung ein Schreiben mit Forderungen übergeben.

(Bild: Keystone)

Rund 50 Insassen der Justizvollzugsanstalt Thorberg in Krauchthal befinden sich im Streik. Wie der «Blick» berichtet, fordern sie in einem Brief unter anderem einen sogenannten Begegnungsraum, wo Häftlinge und ihre Partner Sex haben können: «Viele würden gern eine Familie gründen, bevor sie und ihre Partnerin zu alt werden», heisst es im Schreiben.

Auch mit dem Lohn sind die Insassen unzufrieden. Sie verlangen 400 statt wie bisher 320 Franken pro Monat, weil die Kiosk-Kosten gestiegen seien. Ausserdem wollen die Häftlinge «geniessbares Essen und auch grössere Portionen.»

Thorberg-Direktor Thomas Egger bestätigte am Montag auf Anfrage: «Am Freitag traten rund 50 Insassen in den Streik.» Die Häftlinge haben laut Egger bereits am Freitag ihre Forderungen mitgeteilt. Die Gefängnisleitung wies die Insassen daraufhin an, diese schriftlich zu formulieren.

Seit Montagmorgen liegt Egger das Schreiben vor. Inhaltlich wollte er den dreiseitigen Forderungskatalog nicht kommentieren. Die Forderungen würden nun geprüft, so der Direktor: «Wir haben mit den Streikenden abgesprochen, dass wir bis am Freitag dazu Stellung nehmen».

«Der Betrieb ist nicht beeinträchtigt»

Auf dem Thorberg zwischen Bern und Burgdorf sitzen rund 180 Häftlinge. 50 von ihnen verweigern seit Freitag die Arbeit, wie Egger berichtete. Der Betrieb der Justizvollzugsanstalt sei dadurch nicht beeinträchtigt. «Die Logistik funktioniert wie immer.»

Streiks gebe es in der Anstalt ab und zu, sagte Egger weiter. Meistens seien es aber Einzelpersonen, die ihrer Arbeit aus individuellen Gründe nicht nachgingen. Dass mehrere Dutzend Häftlinge gemeinsam streikten, sei selten. Aber offensichtlich funktioniere die Gruppendynamik.

«Wir sind überzeugt, dass manche Streikende lieber arbeiten würden», erklärte Egger. Doch gebe es in einer Strafanstalt eben eine Hackordnung.

Laut «Blick» erhalten die Häftlinge 320 Franken im Monat. Während der Arbeitsniederlegung kriegen sie gar nichts, wie Egger auf Anfrage sagte.

Gefangene sind gemäss Strafgesetzbuch zur Arbeit verpflichtet. Die Arbeit sollte den individuellen Fähigkeiten entsprechen und den Häftlingen helfen, in Freiheit den Lebensunterhalt wieder selber verdienen zu können.

Auf dem Thorberg gibt es unter anderem eine Sattlerei/Polsterei, eine Buchbinderei, eine Malerei und eine Weberei. Arbeitsplätze finden sich auch etwa in der Küche, in der Wäscherei, in der Bäckerei und im Hausdienst.

«Sex-Verbot ist weisse Folter»

Die Gefangenen-Selbsthilfeorganisation Reform 91 zeigt Verständnis für die Forderungen der Streikenden. Wenn man Gefangenen die Möglichkeit von sexuellen Kontakten vorenthalte, sei das weisse Folter, sagte Reform-91-Sprecher Peter Zimmermann auf Anfrage. Weisse Folter umfasst Methoden, die nicht sichtbar sind, die Psyche der Menschen aber angreifen und schädigen können.

In den Strafanstalten Pöschwies (ZH) und Bostadel (ZG) gebe es sogenannte Beziehungszimmer. «Wir sind der Ansicht, dass sich auch die Berner Justiz an die Bundesverfassung halten sollte.» Zimmermann kritisierte die Strafanstalt Thorberg auch grundsätzlich: «Man plaudert und plaudert seit Jahren, aber man setzt nichts um.»

Ob es infrage käme, einen Begegnungsraum einzurichten, mag Thorberg-Direktor Egger nicht abschliessend beantworten: «Es gibt keine rechtliche Grundlage, die uns so einen Raum vorschreibt», betont er. Bevor Entscheide getroffen werden, wolle man erst alle Forderungen der Häftlinge analysieren.

flo/sda

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