50 Jahre Jazz und mehr

Bern

Das Musiklokal Mahogany Hall feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag. Einer der Gründerväter ist der Musiker, Architekt und Maler Heinz «Günti» Güntlisberger.

Heinz Güntlisberger: Der Klarinettist vor der Mahogany Hall.<p class='credit'>(Bild: Christian Pfander)</p>

Heinz Güntlisberger: Der Klarinettist vor der Mahogany Hall.

(Bild: Christian Pfander)

1968 erhielt der heute 82-jährige Heinz Güntlisberger von der Stadt Bern den Auftrag, als Architekt eine bauliche Expertise über ein Lagerhaus am Klösterlistutz zu machen. Als er die Liegenschaft sah – früher wurde hier das Restaurant Klösterli betrieben –, hatte er die Idee: Man könnte doch hier ein Musiklokal er­öffnen.

Dabei spielte auch ein Eigen­interesse mit, denn Güntlisberger spielte Klarinette in der Long­street Jazzband – die eben ein ­Lokal suchte. «Wir haben damals in einem Keller an der Kramgasse 33 geübt und sind auch mehrmals in der legendären ‹Schwarzen Tinte› aufgetreten», erinnert er sich.

Schliesslich konnte seine Idee umgesetzt werden: Die Long­street Jazzband mietete 1968 das Lokal, gab ihm den Namen Mahogany Hall und trat regelmässig auf. «Der Name geht zurück auf ein in den 1920er-Jahren berüchtigtes Etablissement in New Orleans», sagt Güntlisberger. Das sei ein ­berühmtes Puff gewesen. Nun, so weit ist es in Bern nicht gekommen.

Der weisse Armstrong

Während in den Anfangsjahren der Mahogany Hall vor allem der Jazz dominierte, hörte man bald einmal (bis heute) auch andere Musikrichtungen am Klösterlistutz: Funk, Rock, Latin, Reggae, Blues und Country. Viele einheimische und internationale Grössen sind in der ­Mahogany aufgetreten.

Und ­natürlich auch der Klarinettist und Sänger Heinz Güntlisberger, der auch in den USA für Furore sorgte, in New Orleans, der ­Heimatstadt seines Idols Louis «Satchmo» Armstrong. ­US-Musiker wurden dort auf Güntlisbergers phänomenale Stimme aufmerksam. Bei einem Auftritt mit einer einheimischen Band wurde der Berner dem amerikanischen Publikum als «The white Satchmo» vorgestellt.

«Falls ich armen­genössig werde, kann ich als Wärter in einem Knast arbeiten.»Heinz Güntlisberger

Geehrt wurde Güntlisberger allerdings nicht nur in Musikerkreisen, sondern auch von der Verwaltung. Er ist Ehrenbürger der Stadt New ­Orleans. Die ­Ur­kunde garantiere ihm auch einen Job in den USA. «Falls ich armengenössig werde, kann ich als Wärter in einem Knast arbeiten», sagt er.

Erinnerungen, die bleiben

Heinz Güntlisberger tritt nicht mehr auf. Geblieben in der Mahogany Hall sind nicht nur die Erinnerungen. Geblieben sind auch die Wandmalereien, die der ­Maler, Musiker und Architekt vor 50 Jahren geschaffen hat. Das Musiklokal am Klösterlistutz wird heute vom Verein ­Mahogany Hall Bern betrieben, mit achtzig ehrenamtlichen Aktivmitgliedern.

Zum 50. Geburtstag der Mahogany Hall finden monatlich Jubiläumsspecials statt. Vom 26. November bis 6. Dezember 2018 findet täglich ein Fest statt.

Berner Zeitung

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