490'000 Franken bar übergeben

Bern

Sie sollen eine Berner Pensionskasse um Millionen betrogen haben. Am Berner Obergericht hat der zweitinstanzliche Prozess gegen den Ex-Geschäftsführer der Kasse und einen Bauunternehmer begonnen.

Zwei Männer haben sich wegen mutmasslichen Betruges vor dem Berner Obergericht zu verantworten.

Zwei Männer haben sich wegen mutmasslichen Betruges vor dem Berner Obergericht zu verantworten.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Am Mittwoch standen sie zusammen vor dem Berner Obergericht. Der ehemalige Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung (PVS) der Carba-Gruppe und der mit ihm befreundete Berner Bauunternehmer. Die beiden waren im März 2017 vom kantonalen Wirtschaftsstrafgericht zu je vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Die Männer hätten in den Jahren 2007 bis 2010 fünfzehn Immobiliengeschäfte gemäss einem gemeinsamen Plan abgewickelt: Der Bauunternehmer habe dem mit ihm befreundeten Ex-Geschäftsführer jeweils vorgeschlagen, ein bestimmtes Gebäude zu kaufen. Letzterer soll in der Folge das Geschäft im Anlageausschuss der Pensionskasse durchgebracht haben, weil er während vieler Jahre tadellos gearbeitet hatte und viel Vertrauen genoss. Dass er mit dem Bauunternehmer befreundet war, verschwieg der Mann.

Hohe Deliktsumme

Der Bauunternehmer soll für seine Hausverkäufe einen überzogenen Preis erhalten haben. Für seine Dienste habe er dem Ex-Geschäftsführer eine Vermittlungsprovision von 3,1 Millionen Franken gegeben. Das erstinstanzliche Gericht ging 2017 von einer Deliktsumme von 5,6 Millionen Franken aus.

Wie schon vor der ersten Instanz forderten die Verteidiger der beiden Beschuldigten einen Freispruch. Die Anwälte Philipp Kunz und Valentin Landmann sagten am Mittwoch vor dem Obergericht, es gebe gar keinen Betrug und keinen Schaden. Das für einen Betrug ausschlaggebende Informationsgefälle zwischen Betrügern und Betrogenen habe gefehlt.

In der Buchhaltung getrickst

Die Grundlagen für die Kaufentscheide seien allen Mitgliedern des Anlageausschusses der Pensionskasse zur Verfügung gestanden, betonte Landmann. Deshalb könne keine Täuschung vorliegen. Das erstinstanzliche Gericht sei auch von falschen Grundannahmen ausgegangen, etwa bei den nachträglich erstellten Verkehrswerten der Liegenschaften.

Die Beschuldigten sagten, bei den 3,1 Millionen Franken habe es sich um ein Darlehen gehandelt. Der Ex-Geschäftsführer habe ein Mehrfamilienhaus kaufen wollen. Unbestrittenermassen besteht zu diesem Darlehen kein Vertrag, und das Geld wurde bar übergeben, in Tranchen von bis zu 490'000 Franken. Zudem erschienen in der Buchhaltung der Baufirma die Tranchen zuerst als Vermittlungsprovisionen. Zum Darlehen wurden sie erst, als die Steuerverwaltung eine Prüfung ankündigte.

Am plädiert der Staatsanwalt, das Urteil soll am 7. November erfolgen.

sda/jek

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