Thun

Gegner von Wolf, Bär und Luchs vereinen sich

ThunEin neuer Verein will gegen Grossraubtiere im Kanton Bern vorgehen. Rund 400 Leute – vorab aus Landwirtschafts- und Jägerkreisen – haben die Beitrittserklärung ausgefüllt.

Sie wollen dem Wolf die Zähne zeigen: Die Geschäftsleitung der neuen Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern mit (v.l.) Thomas Knutti (Präsident), Christian Ueltschi (Vize), Jakob Rösti (Kassier) und Beatrice Gygax (Sekretariat).

Sie wollen dem Wolf die Zähne zeigen: Die Geschäftsleitung der neuen Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern mit (v.l.) Thomas Knutti (Präsident), Christian Ueltschi (Vize), Jakob Rösti (Kassier) und Beatrice Gygax (Sekretariat). Bild: Stefan Kammermann

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«Gründungsversammlung Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern» stand auf der Einladung von SVP-Grossrat Thomas Knutti aus Weissenburg. Damit hatte Knutti ziemlich ins Schwarze getroffen. Über 400 Personen – vorab aus Kreisen der bernischen Schaf- und Ziegenzüchter, der Land- und Alpwirtschaft sowie der Jäger – folgten am Montagabend seinem Aufruf, in der Alten Reithalle in Thun der Vereinsgründung beizuwohnen. «Wir wollen heimische Tiere vor Raubwild schützen», hielt der Grossrat fest. Insbesondere gehe es darum, den Interessen der Nutztierhalter und Jäger mit einem Verein mehr Gewicht zu geben.

Knutti machte dabei keinen Hehl daraus, dass der Wolf im Kanton Bern wie auch in der Schweiz nichts zu suchen habe. «Die Schäden haben in letzter Zeit markant zugenommen. Jetzt ist die Zeit reif, Gegensteuer zu geben, denn das Mass des Erträglichen ist längst überschritten», hielt er fest und sprach von rund 100 Rissen an Nutztieren allein im vergangenen Jahr.

«Kein Verständnis für die Situation»

«Die kantonalen Behörden haben leider kein Verständnis für die Situation», betonte Knutti. Damit bestehe die Gefahr, dass auf den Alpen immer weniger Tiere gesömmert und diese damit auch nicht gepflegt würden. Der Verein habe das Ziel, eine Regulierung von Wolf und Luchs zu erreichen.

Mit seinem Anliegen rannte der SVP-Grossrat unter den über 400 Anwesenden offene Türen ein. Im Nu und ohne Gegenstimme war der Verein gegründet und der Mitgliederbeitrag auf 30 Franken beziehungsweise 100 Franken für juristische Personen festgelegt.

Die Redner aus der Versammlung hatten viele lobende Worte übrig und bestärkten den zuvor gewählten 20-köpfigen Vorstand und die vier Mitglieder zählende Geschäftsleitung in ihren Zielen. So regte zum Beispiel ein Votant an, den Wolf, der derzeit im Raum Schallenberg, Linden, Eggiwil und Schwarzenegg unterwegs ist und auch Schäden angerichtet hat, sofort abzuschiessen.

Ebenso einstimmig verabschiedete die Versammlung eine Resolution an den Bundesrat. Dabei fordert der Verein, das Grundproblem der flächendeckenden Ausbreitung von Wolf und Luchs zum Schutz der Wild- und Nutztiere umgehend an die Hand zu nehmen, und weiter mehr Entscheidungskompetenz für die Kantone in Sachen Wolf- und Luchsbestand sowie ein Verbot für die Einfuhr und das Freilassen von Grossraubtieren für deren Bestandsförderung.

Thomas Knutti als Präsident gewählt

In die Geschäftsleitung gewählt wurden Thomas Knutti, Präsident, Christian Ueltschi (Oberwil), Beatrice Gygax (Tschingel) und Jakob Rösti (Heimberg). «Ich bin überwältigt und sehr zufrieden, rund 400 Personen haben die Beitrittserklärung ausgefüllt», zog Knutti Bilanz.

Das sagen Pro Natura und der Jagdinspektor

«Wir haben festgestellt, dass es im vergangenen Jahr deutlich mehr Rissereignisse mit Wölfen gab», sagt der bernische Jagdinspektor Niklaus Blatter auf Anfrage. Und weiter: «Wir haben 21 Vorkommnisse gezählt.» Für die vier Jahre zuvor seien im Kanton Bern insgesamt vier Fälle bekannt.

Blatter betont, dass das Jagdinspektorat jeweils transparent über sämtliche Nutztierrisse informiere und Ereignisse neu auch auf der Website pub­liziere. «Wir haben kein Interesse, etwas zu ­vertuschen, und sind als Vollzugsbehörde weder für noch gegen den Wolf.» Zudem werden Risse an Nutztieren auch entschädigt.

Blatter ­erachtet es als absolut legitim, dass Landwirte, Schaf- und Ziegenzüchter wie auch Jäger ihre Anliegen mittels eines Vereins kundtun. Der Jagdinspektor bestätigt ebenso, dass die Population des Luchses statistisch zwischen 1,7 und 3,1 Tieren auf 100 Quadratkilometer liegt. Um den Luchsbestand zu sichern, wurden gemäss Konzept 1,5 Luchse ­angestrebt. «Die Bestanddichte ist also erfüllt», ­erläutert Blatter. Um regulierend einzugreifen, müsste aber eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein.

«Mir ist nicht ganz klar, was der Verein erreichen will», sagt wiederum Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, auf Anfrage. Zumal es zum Beispiel mit der Kerngruppe Wolf des Kantons eine lösungsorientiert arbeitende Runde gebe, in der Vertreter von Nutzern und Schützern Probleme ­ansprechen. Eine Regulierung sei sowohl beim Wolf wie auch beim Luchs unnötig und zum heutigen Zeitpunkt nicht opportun.

Punkto Herdenschutz gebe es genügend Angebote und bewährte Mittel. «Wir müssen lernen, mit der Gegenwart der Grossraubtiere umzugehen und die Tiere sowie ihr natürliches Verhalten zu akzeptieren», betont die Pro-Natura-Präsidentin. Ein solcher Verein sei kontraproduktiv auf das Thema der Eliminierung fokussiert. Wolf und Luchs seien bloss für wenige Hundert Schafrisse verantwortlich.

Von den rund 250'000 Schafen, die pro Jahr gesömmert werden, würden bis zu 4000 Tiere durch Krankheiten, Stein- und Blitzschlag sterben oder verloren gehen und vergessen. «Hier appellieren wir an die Verhältnismässigkeit bei der Beurteilung der Schäden an Nutztieren und die Fokussierung auf Fakten», betont Verena Wagner. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.04.2018, 13:16 Uhr

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