30'000 Franken für den Kampf gegen den Transitplatz

Gampelen

Die Absicht des Kantons, auf Land der Justizvollzugsanstalt einen befristeten Transitplatz einzurichten, kommt in Gampelen gar nicht gut an.

In der Höhle des Löwen: Franziska Steck informierte am Freitagabend in Gampelen.

In der Höhle des Löwen: Franziska Steck informierte am Freitagabend in Gampelen.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Die Debatte um den Transitplatz für ausländische Fahrende in Gampelen begann an der Gemeindeversammlung vom Freitagabend bereits im Traktandum 1. Ungeachtet dessen, dass die Behörde die entsprechende Information erst auf das späte Traktandum 10 angesetzt hatte und zum Auftakt das Budget diskutieren wollte: Er beantrage, führte ein hörbar verärgerter Votant aus, für den Kampf gegen das Projekt 30'000 Franken in den Voranschlag aufzunehmen.

Lange sei er davon ausgegangen, so der Votant weiter, dass man in dieser Frage mit dem Kanton eine gütliche Lösung finden werde. Und lange habe er nicht gewusst, dass der gleiche Kanton dem Camping des TCS den Stecker ziehen wolle. Heute stelle er fest, dass die Gemeindeversammlung zum Platz rein gar nichts zu sagen habe und lediglich Infos zu hören bekomme. So gehe es nicht, schloss er – um gleich noch zu betonen: Die Gemeinde müsse nur aktiv werden, wenn man sich mit dem Kanton nicht gütlich finde.

In der Abstimmung bezog die Versammlung ein erstes Mal klar Position gegen den Transitplatz: Mit grossem Mehr bei ein paar wenigen Enthaltungen nahmen die 83 Anwesenden das Geld ins Budget auf.

Statthalterin Franziska Steck versuchte zwar, die Bedenken mit dem Hinweis zu zerstreuen, dass der Platz nur vorübergehend sein werde. Sie erinnerte daran, dass die Regierung zuhanden des Grossen Rates gerade erst 3,3 Millionen Franken für einen definitiven Platz in Wiler­oltigen gesprochen hat. Gebaut werden kann dieser nicht vor 2022 – bis dann, fuhr sie fort, brauche es mehrere, übers ganze Seeland verstreute kleinere Plätze. Provisorien wie eben jenes in Gampelen.

Die Dimensionen

Klein heisse 20 bis 30 Wohnwagen, präzisierte sie, und provisorisch heisse für zwei Jahre. Das sei eine Bedingung des Gemeinderates gewesen. Laut Steck sind auch Toilettenanlangen geplant. Diese richtig anzuordnen, sei wichtig, damit sie auch wirklich benützt würden, betonte sie. Und streifte so den heiklen Punkt schlechthin: Ausländische Fahrende sorgen regelmässig für Ärger, indem sie ihre Notdurft unter freiem Himmel verrichten.

Gemeinderat Eric Dietrich betonte derweil, dass man den Platz nicht gesucht habe. Sie könne sich aber nicht dagegenstemmen, wenn der Kanton als grosser Landbesitzer an Gampelen denke, wenn er ein Areal brauche. In zähen Verhandlungen sei es wenigstens gelungen, den Transitplatz weit weg an die Grenze zu drücken.

In der Diskussion bekam die zuständige Regierungsrätin Evi Allemann ihr Fett weg. Eine Votantin kam erneut auf den TCS-Camping zu sprechen, klagte, dass dieselbe Regierungsrätin Gampelen diesen Ort wegnehme und die Gemeinde damit um zahlende Gäste bringe. Gleichzeitig schicke sie nun Fahrende, die man nicht wolle.

Ein Bauunternehmer kritisierte, dass er nach jahrelanger Suche nach einem Areal für einen Werkhof in den Kanton Neuenburg ausgewichen sei. Offen liess er durchblicken, wie sehr er sich daran stört, dass für die Fahrenden Platz sei. Ein Versprechen konnten die Anwesenden der Statthalterin abringen. Sie erinnerten an den letzten Besuch von Fahrenden, sprachen von massiven Polizeikosten, die Gampelen nun wieder drohten: Dafür, warf Steck ein, komme der Kanton auf.

Berner Zeitung

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