25 Jahre Kleinkunst in der Moschti

Mühlethurnen

Viel Arbeit und unzählige Konzerte, mancher Ärger und wenig Geld kennzeichnen die Alte Moschti. Nun startet das Kulturlokal in die Jubiläumssaison.

Auf in die neue Saison: Doris und Paul Steiner sowie Matthias Auer (v.l.).

Auf in die neue Saison: Doris und Paul Steiner sowie Matthias Auer (v.l.).

(Bild: Christian Pfander)

Johannes Reichen

Das Dach über der Alten Moschti befindet sich nicht im besten Zustand. Wenn Regen fällt, rinnt schon mal Wasser durch die Decke ins Innere. Der Eigentümer vernachlässige den Unterhalt am Gebäude, sagt Paul Steiner, der Gründer des Mühlethurner Kulturlokals. «Es wird immer nur das Nötigste gemacht.» Ewig werde das aber wohl nicht so weitergehen. Das hätte Folgen für die Kulturgenossenschaft Alti Moschti, die eingemietet ist. «Dann wäre hier Schluss.»­

Doch soweit ist es nicht. Im Gegenteil, Aufbruchstimmung herrscht, als Steiner an einem sommerlichen Oktobernachmittag die Tür zur Moschti öffnet. Zusammen mit seiner Frau Doris Steiner-Wermuth sowie mit Monika und Matthias Auer ist er daran, das Lokal auf Vordermann zu bringen. Alte Plakate liegen herum. In Rahmen gehängt sollen sie künftig die Wände verzieren – und die Geschichte des Hauses aufleben lassen.

Gerümpel bis unters Dach

Am Freitag startet die Moschti in die Jubiläumssaison. Vor 25 Jahren gründete Steiner zusammen mit Mitstreitern vom Männerchor das Kulturlokal. Damals sah das Haus etwas verwahrlost aus. «Bis unters Dach lag Gerümpel», sagt Steiner. Es dauerte Monate, um aus dem Haus ein vorzeigbares Kulturlokal zu machen. Wenn er gewusst hätte, wie viel Arbeit damit verbunden ist – er hätte es wohl bleiben lassen, sagt er heute.

So aber fand am 28. Januar 1994 das erste Konzert statt. «Four Fourteen» und «Up in Smoke» spielten Rock'n'Roll. Bis nachts um 1.30 Uhr dauerte der Anlass gemäss damaligem Programm. Das war neu im beschaulichen Gürbetaler Dorf. In den Anfängen störten sich die Anwohner denn auch immer wieder am Lärm. Die Moschti musste Massnahmen ergreifen. So wurde eine Schlagzeugkabine errichtet, Wände wurden isoliert.

«Es war nicht immer einfach», sagt Steiner. Von der Gemeinde sei wenig Unterstützung gekommen, und Geld auch fast keines (siehe Kasten). Heute aber habe sich die Moschti im Dorf etabliert. «Wir geben uns Mühe, möglichst wenig zu stören.» Klar sei aber auch: Wenn Span bis in die Nacht hinein spielen, sei es halt immer etwas laut.

Der Ruf der Küche

Die Alte Moschti befindet sich gleich neben dem Bahnhof Thurnen. Vom einstigen Zweck des über 100-jährigen Gebäudes zeugen heute noch riesige Tanks im Keller. Früher wurden die Räume gleich neben dem Konzertraum von Saisonniers bewohnt, mittlerweile gehört der ganze Stock zum Kulturlokal. Auch eine Küche gehört dazu. «Manche Künstler sagen, sie kämen nicht nur wegen des Auftritts gerne hierher, sondern auch wegen des Essens.»

«Ich staune immer wieder, von wie weit her die Leute anreisen.»Doris Steiner-Wermuth

Die Alte Moschti musste immer wieder improvisieren und sich erneuern.  So organisierte sie ab 2005 erste rauchfreie Anlässe – und hatte damit Erfolg. «Nicht nur die Gäste freuen sich, sondern auch viele Künstler», sagte damals Martin Kistler. Die jüngste Errungenschaft ist eine Anlage mit LED-Scheinwerfern.

Bis auf die Raumpflegerin arbeiten alle Helferinnen und Helfer ehrenamtlich. So auch Matthias Auer aus Belp, der für den Betrieb zuständig ist. «Es geht hier familiär zu und her», das schätze er sehr. Rund 80 bis 100 Personen gehören zum Pool jener, die an den Konzertabenden im Einsatz stehen. An der Kasse, hinter der Bar, an der Technik. «Manche helfen mehr, manche weniger, das gehört dazu.» 

Fast alle waren da

Im Lauf der Jahrzehnte sind fast alle Kleinkünstler und Bands aufgetreten, die in der Schweiz einen Namen  haben.  Franz Hohler, Pippo Pollina, Timmermahn, Sina, Stahlberger, Simon Enzler, Hazel Brugger, Trummer, die Kummerbuben, Gölä.  Tinu Heiniger immer wieder, und immer wieder Span. Aber auch ausländische Bands treten in Mühlethurnen auf. Und junge, unbekannte Künstler erhalten eine Chance.

«Wir haben einen guten Namen und profitieren davon, dass wir schon lange dabei sind», sagt Doris Steiner-Wermuth, die für die Finanzen verantwortlich ist. Meist sei schon im Voraus klar, was ziehe und was nicht. Mike Müller ist längst ausverkauft, Fabian Unteregger läuft gut. Allerdings: Für den Anlass zum Saisonauftakt verläuft der Vorverkauf wider Erwarten harzig. 

Die Konkurrenz sei in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Trotzdem sagt Steiner-Wermuth: «Ich staune immer wieder, von wie weit her die Leute anreisen, um einen Anlass zu besuchen.» So könne es weitergehen. Am liebsten unter einem intakten Dach.

www.altimoschti.ch

Berner Zeitung

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