22 Apotheken haben die Lizenz zum Stechen

Kanton Bern

Für eine Grippeimpfung müssen gesunde Erwachsene nicht mehr zum Arzt. Diesen Winter können sie sich im Kanton Bern in 22 Apotheken impfen lassen.

Impfen: Auch Apotheker dürfen jetzt zustechen.

Impfen: Auch Apotheker dürfen jetzt zustechen.

(Bild: Gaetan Bally)

Eine Impfung in der Apotheke? Bisher musste man zum Arzt, wenn man sich gegen die Grippe wappnen wollte. Nun dürfen auch 22 der rund 180 Apotheken im Kanton Bern ihre Kunden impfen. Markus Messerli, Geschäftsführer der Central-Apotheke Thun, hat die Lizenz zum Stechen.

Die Grippeimpfung gibt es bei ihm mit oder ohne Anmeldung und ist eine kurze Sache: Wer den obligatorischen Fragebogen schon vorher von der Internetseite der Apotheke heruntergeladen und ausgefüllt hat, braucht normalerweise etwa fünf Minuten: Markus Messerli bittet die Impfwilligen in den Impfraum, lässt sie wählen, ob sie lieber den linken oder den rechten Arm hinhalten möchten. Dann sticht er mit der feinen Nadel kurz zu.

Üben an Kollegen

Mittlerweile ist er routiniert. Jeden Tag hat er einen oder zwei Kunden, die sich impfen lassen möchten. Aber er gibt lachend zu: «Als ich im Impfkurs zum ersten Mal an einer Gummipuppe üben musste, habe ich sehr zögerlich zugestochen.» Bevor er die allererste Grippeimpfung an einem Kunden in der Apotheke machen durfte, hat er etliche Male sein Können mit harmlosen Salz­wasserinjektionen unter Beweis stellen müssen – und zwar nicht nur an Gummipuppen, sondern auch an Berufskollegen und an einigen Verwandten, die sich zum Üben zur Verfügung gestellt hatten.

Die Impferlaubnis hat sich Markus Messerli in einem fünf­tägigen Kurs erworben. Seither kann er nicht nur richtig zustechen, sondern weiss auch, was zu tun ist, wenn sich bei einem Kunden wider Erwarten Komplikationen zeigen würden. Im Impfraum liegen eine Sauerstoffflasche und die Notfallmedikamente wie Adrenalin und Cortison bereit.

Geringes Risiko für Gesunde

Gesunde Erwachsene haben nur ein kleines Komplikationsrisiko, wenn er sich in der Apotheke statt beim Arzt impfen lassen: Zu diesem Schluss kam die Gesundheits- und Fürsorgedirektion, als sie dieses Jahr die Impfbewilligung für Apotheker mit entsprechender Ausbildung erteilte. Mit dieser Bewilligung ist Bern einer der Pionierkantone. Auch die Kantone Zürich, Neuenburg, Solothurn und Freiburg haben erstmals dieses Jahr rezeptfreie Impfungen erlaubt.

Die Berner Apotheken haben die Erlaubnis zur Grippeimpfung für diese Wintersaison. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion will erst einmal Erfahrungen sammeln. Ziel ist, dass sich mehr Leute gegen Grippe impfen lassen – vor allem solche Leute, die so gesund sind, dass sie kaum zum Arzt gehen.

Hoffen auf mehr Impfwillige

Auch die Ärztegesellschaft des Kantons Bern hofft, dass sich wegen der unkomplizierten Impfmöglichkeit künftig mehr als bloss gut ein Fünftel der Berner gegen die Grippe impfen lässt. Deshalb ist sie auch einverstanden damit, dass der Kanton mit dem Versuch nun Erfahrung sammelt.

Allerdings hat die Ärztegesellschaft nicht die Absicht, das Impfen generell den Apothekern zu überlassen. «Impfen gehört zu den ärztlichen Aufgaben», sagt Marco Tackenberg, Sprecher der Berner Ärztegesellschaft. Er betont auch, dass ein Arzt in seiner Praxis allfällige Impfkomplikationen besser behandeln könne. Ob für gesunde Erwachsene die Grippeimpfung in der Apotheke tatsächlich riskanter sei als beim Arzt, müssten nächstes Jahr die Erfahrungen aus dem Versuch zeigen.

In der Apotheke günstiger

Die Impfung in der Apotheke ist in der Regel etwas günstiger als beim Arzt. Apotheker Markus Messerli verlangt 35 Franken. Bei den Ärzten hängt der Preis von der Art der Konsultation ab.

Die Liste der Apotheken, welche die Grippeimpfungen verabreichen dürfen, ist abrufbar auf der Website des kantonalen Apothekerverbands www.apobern.ch.

Berner Zeitung

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